"Irreparable Schäden": Sport fürchtet verlängerten Stillstand

Eine Frau wischt die Ersatzbank des VfL Wolfsburg sauber.

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"Irreparable Schäden": Sport fürchtet verlängerten Stillstand

Geisterspiele bis Weihnachten sind wahrscheinlich, weitere Millionen-Verluste wohl unumgänglich. Am härtesten trifft es allerdings den Breitensport.

Der Sport darf vorerst nicht auf Lockerungen der Corona-Regelungen hoffen. Die Bundesländer plädieren vor den Beratungen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) heute dafür, den Teil-"Lockdown" zunächst bis zum 20. Dezember bundesweit aufrechtzuerhalten.

Für den Profisport würde das konkret bedeuten, dass der Ligen-Betrieb nur mit Geisterspielen fortgesetzt werden kann. Für den Fußball, Handball, Basketball und Volleyball, allesamt schon in die Saison gestartet, wäre das nichts Neues. Die Spielzeit in der Deutschen Eishockey Liga beginnt am 17. Dezember - in dem Fall auch vor leeren Rängen.

Im Eishockey sind die Vereine ohnehin schon einen Schritt weiter. Für die gesamte DEL-Saison haben "alle 14 Clubs ihre Kalkulationen komplett ohne Zuschauerbeteiligung erstellt", sagte Liga-Chef Gernot Tripcke: "Das ist bitter, aber aktuell schlicht nicht änderbar."

Bohmann: "Werden bis Weihnachten auch ohne Fans durchhalten"

Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, sieht zumindest bis Jahresende kein Problem: "Wir werden bis Weihnachten auch ohne Fans durchhalten." Allerdings steht längst die Verlängerung der Beschränkungen bis ins nächste Jahr hinein zur Diskussion. Ziel aller Maßnahmen müsse es sein, dass die Zahlen "stark sinken", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert und kündigte eine "gemeinsame geschlossene Antwort" von Bund und Ländern an. Immerhin stehe ein kompletter Lockdown, was eine Unterbrechung der Ligen bedeuten würde, unseres Wissens nicht zur Debatte, so Bohmann.

Bund will finanzielle Hilfsmaßnahmen verlängern

Die Profivereine dürfen neben der Saisonfortsetzung auch auf eine Verlängerung der finanziellen Hilfsmaßnahmen durch den Bund bis zur Mitte des kommenden Jahres hoffen. Die Regelung solle für diejenigen Wirtschaftsbereiche gelten, "die absehbar auch in den kommenden Monaten erhebliche Einschränkungen ihres Geschäftsbetriebes hinnehmen müssen, ohne von Schließungen betroffen zu sein", heißt es in dem Papier der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten.

Nur noch zehn statt 14 Tage in Quarantäne?

Geplant ist zudem, die Quarantänezeit einheitlich von zwei Wochen auf zehn Tage zu verkürzen. Dies hätte einen entlastenden Effekt auch für den Profisport, wo zuletzt mehrere Mannschaften nach positiven Corona-Fällen für 14 Tage in die Komplett-Isolation gehen mussten. Das hat vor allem im Handball zu diversen Spielabsagen und den Spielplan an die Belastungsgrenze geführt.

Breitensport trifft es am härtesten

Während der Profisport zumindest seinen Betrieb ohne Zuschauer fortsetzen kann, treffen die Corona-Regelungen und deren wahrscheinliche Verlängerung vor allem den Amateur- und Breitensport, der zurzeit komplett ruht. "Die Sorgen werden von Woche zu Woche buchstäblich größer", sagte Alfons Hörmann, Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). Symptome seien ein spürbarer Mitgliederschwund und das Nachlassen von ehrenamtlichem Engagement. An vielen Stellen komme "das gesamte Vereinsgeschehen zum Erliegen". Das führt auch zu erheblichen finanziellen Einbußen für viele Vereine durch die Absage von Wettkämpfen, Kursen und Festveranstaltungen. Sollte der Sport-Stillstand bis ins nächste Jahr hinein anhalten, sieht der DOSB "die Gefahr von massiven und teilweise irreparablen Schäden an unserem Sportsystem".

Breitensport: Vereine verärgert über Corona-Maßnahmen Verfügbar bis 21.05.2021

Verbände appellieren an die Politik

Zahlreiche Verbände haben bis zuletzt weitere Konzepte entwickelt und appellieren an die Minister, die Maßnahmen im Breitensport zu lockern. Die Deutsche Sportjugend hat zudem einen Vier-Stufen-Plan vorgelegt, dessen Umsetzung allen Kindern und Jugendlichen möglichst lange das gemeinsame Sporttreiben unter Corona-Bedingungen ermöglichen soll. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass diese Bemühungen bei der Bund-Länder-Konferenz von Erfolg gekrönt sind. 

Schnelltests und Impfstoffe als Hoffnungsträger

Immerhin gibt es mittlerweile Hoffnungsträger, für alle: "Der gezielte Einsatz von Schnelltests und der hoffentlich bald zur Verfügung stehende Impfstoff geben zudem Hoffnung und Zuversicht, dass es Aussicht auf eine Normalisierung gibt", sagte Regierungssprecher Seibert. Zuächst einmal stehen die Zeichen allerdings auf Verlängerung der Corona-Regelungen.

Dieses Thema im Programm:
Sport aktuell | 24.11.2020 | 17:25 Uhr

NDR | Stand: 25.11.2020, 08:11

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