Trainingsauftakt: HSV will mit "Freude und Hunger" in neue Saison

Fußball: Saisonauftakt beim HSV und FC St. Pauli Verfügbar bis 18.09.2021

NDR-Sport

Trainingsauftakt: HSV will mit "Freude und Hunger" in neue Saison

Von Jochen Lambernd

Die Fußballer des HSV sind am Freitag auf mit der ersten Trainingseinheit in ihre Vorbereitung auf die am 23. Juli beginnende Zweitliga-Saison gestartet. Die soll positiver werden als die vorige. Doch es gibt noch viele Baustellen. Khaled Narey hat den Club verlassen.

Bei Temperaturen um 30 Grad Celsius und strahlendem Sonnenschein führte der neue HSV-Cheftrainer Tim Walter die erste Trainingseinheit auf einem Nebenplatz des Hamburger Volksparkstadions an. Die Stimmung war dabei recht gelöst, dennoch ging es "gut zur Sache", wie der Nachfolger von Daniel Thioune beobachtet hat. Das Fazit des 45-Jährigen: "Es hat schon richtig Spaß gemacht."

Walter will unvoreingenommen sein

Walter war trotz der Hitze sehr aktiv, gab lautstark Kommandos und feuerte die Profis an. Dass seine Stimme dabei etwas in Mitleidenschaft geraten war, nahm er als Ansporn. Man müsse Einsatz auch vorleben. Walter sagte, er wolle mit allen Spielern unvoreingenommen umgehen - egal, was in der Vergangenheit gewesen sei. "Ich will meine Eindrücke selber sammeln."

Ein Ziel der Vorbereitung sei es, "dass die Jungs lernen sollen, richtige Entscheidungen auf dem Platz zu treffen, zu antizipieren". Wichtig sind Walter Ballbesitz und Defensivarbeit. Wenn man den Ball verliere, müsse man alles tun, um ihn zurückzuerobern. Er fordere die Bereitschaft des Teams, "das Ganze zusammen zu machen" und "eine Einheit darzustellen. Es gilt, jeden Tag bis zum Saisonauftakt noch zu nutzen. Die Zeit ist kurz."

"Wenn man viel nach hinten guckt, verliert man sein Ziel aus den Augen. Wie die Ziele aussehen, muss dann die Saison zeigen."
— Tim Walter

Neuzugänge bringen Begeisterung und Erfahrung mit

Walter sowie dessen Assistenten Filip Tapalovic und Julian Hübner begrüßten beim Auftakt auch die drei Neuzugänge Sebastian Schonlau, Jonas Meffert und Miro Muheim. Schonlau, vom Ligarivalen SC Paderborn verpflichtet, ist schwer begeistert vom HSV: "Das ist eine phänomenale Geschichte für mich, dass ich hier anfangen kann." Der 26-Jährige erinnert sich an ein Spiel mit den Ostwestfalen in der HSV-Arena. Damals habe eine "unfassbare Stimmung" geherrscht, er habe eine Gänsehaut bekommen. Der nach eigenen Angaben 1,95 Meter große und 95 Kilo schwere Innenverteidiger trifft in Klaus Gjasula einen alten Vereinskameraden aus Paderborn wieder.

Mittelfeldspieler Meffert hat der HSV von Holstein Kiel geholt. Der 26-Jährige absolvierte in den vergangenen drei Jahren 87 Zweiligaspiele für die "Störche". Diese Erfahrung werde den Hamburgern nützen, ist sich Sportvorstand Jonas Boldt sicher.

Vom Erstligisten FC St. Gallen kam der Schweizer U21-Nationalspieler Muheim - für ein Jahr auf Leihbasis. Der 23 Jahre alte Linksverteidiger soll der HSV-Abwehr mehr Stabilität verleihen. Mit Maximilian Rohr (U21), Anssi Suhonen (U21) und Steven Mensah (U19) waren zudem drei Youngster bei den Profis mit dabei.

Boldt: "Wir müssen mutig sein"

"Wir können nur erfolgreich sein, wenn die Jungs die Freude und den Hunger haben, die Ziele, die wir haben, zu erreichen", betonte Boldt. Der HSV müsse "raus aus den tristen Momenten" der Vergangenheit: "Wir gucken nicht in den Rückspiegel." Ein Hinweis darauf, dass die Hamburger in der vergangenen Spielzeit zum dritten Mal in Folge die Rückkehr in die Erste Liga nicht schafften - trotz bester Ausgangsposition bis zum Saisonendspurt. Es sei wichtig, mutig zu sein und sich nicht zu verstecken, sagte Boldt. Auch müsse die Bereitschaft bei allen dafür da sein, sich und die Mannschaft "klar zu verbessern".

"Der HSV muss raus aus den tristen Momenten."
— HSV-Sportvorstand Jonas Boldt

Mit verjüngtem Kader und jungen, hungrigen Spielern will der HSV raus aus der Spirale des Scheiterns. Noch sind jedoch nicht alle Positionen so besetzt wie gewünscht. Weitere Ab- und Zugänge sind wahrscheinlich. Vor allem im Sturm ist der HSV noch auf der Suche, nachdem Simon Terodde den Verein in Richtung Schalke 04 verlassen hat. Denn Walter hat in Manuel Wintzheimer und Robin Meißner bisher nur ein Angriffs-Duo. Boldt schloss die Verpflichtung von sogar zwei Angreifern nicht aus. "Qualität ist wichtig, natürlich im Rahmen unserer Möglichkeiten", betonte der 39-Jährige.

Zu klären ist nach dem Abgang von Sven Ulreich auch die Torwartfrage. Da Daniel Heuer Fernandes - anders als Ulreich - ein spielstarker Keeper ist, wie es Walter vorschwebt, könnte der neue Coach auf den früheren Stammtorwart setzen. Denkbar ist aber auch, dass eine neue Nummer eins in die Hansestadt kommt.

Mehrere Verkaufskandidaten - Vertrag mit Narey aufgelöst

Beim Trainingsauftakt fehlte Narey, den der HSV bereits für die Vereinssuche freigestellt hatte. Am Nachmittag folgte dann die Meldung, dass Verein und Spieler den Vertrag aufgelöst haben. Er hofft, bei einem anderen Club mehr Einsatzzeit zu bekommen.

Noch nicht mit dabei waren Josha Vagnoman und Amadou Onana nach ihren U21-Nationalmannschafts-Einsätzen. Sie haben ein paar Tage länger frei bekommen. Beide gelten aber ebenso als Verkaufskandidaten wie Gjasula, Jeremy Dudziak und David Kinsombi. Khaled Narey wurde bereits freigestellt, damit er sich einen neuen Verein suchen kann.

Kinsombi und Jan Gyamerah arbeiten derzeit noch individuell mit Reha-Coach Sebastian Capel. Beide hatten sich vor Kurzem Schrauben nach ihren Schienbein- beziehungsweise Wadenbein-Verletzungen 2019 entfernen lassen. Toni Leistner wurde in der Sommerpause positiv auf Corona getestet. Er werde jetzt individuell im Inneren des Volksparkstadions an den Trainingsbetrieb herangeführt, so der Verein.

Dieses Thema im Programm:
Hamburg Journal | 18.06.2021 | 19:30 Uhr

NDR | Stand: 19.06.2021, 08:12

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