HSV gegen St. Pauli: Neue Derbyhelden gesucht

HSV - FC St. Pauli: Fünf Derby-Highlights Verfügbar bis 28.10.2021

NDR-Sport

HSV gegen St. Pauli: Neue Derbyhelden gesucht

Der HSV geht heute als Favorit in das Hamburger Stadtderby gegen St. Pauli. Zuletzt aber siegte der Kiezclub zweimal.

Zweitliga-Spitzenreiter HSV empfängt heute den FC St. Pauli zum Hamburger Stadtderby. Der Kiezclub reist mit guten Erinnerungen in den Volkspark.

Nach vier sieglosen Partien in Folge ist der Druck für St. Paulis Fußballer groß, als sie am 22. Februar dieses Jahres zum Rückrunden-Duell beim Erzrivalen antreten. Die Braun-Weißen sind auf Rang 14 abgerutscht und haben in der Anfangsphase der Partie einige Mühe, den stürmischen HSV in Schach zu halten. Dann aber bringt Verteidiger Matt Penney die Gäste mit einem platzierten Linksschuss vor 57.000 Zuschauern in Front (20.). Neun Minuten später erhöht Henk Veerman sogar für den Außenseiter.

Das siebte Saisontor des Niederländers ist gleichbedeutend mit der Entscheidung. Denn die damals auf Platz zwei stehenden Hausherren sind danach wie gelähmt und unterliegen dem Stadtriavalen wie in der Hinrunde mit 0:2.

Derbysiege konnten Luhukay nicht retten

Die beiden Erfolge gegen den HSV zählten zu den wenigen Höhepunkten der Kiezkicker in einer ansonsten für sie trostlosen Spielzeit. Der große personelle Umbruch im Sommer war die Konsequenz. Und so hat St. Pauli beim ersten Aufeinandertreffen mit dem Erzrivalen in dieser Serie heute Abend (18.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) ein stark verändertes Gesicht. Die Derbyhelden vom Februar - Penney und Veerman - haben sich wie drei weitere Akteure, die seinerzeit in der Startelf standen - anderen Clubs angeschlossen. Und auch Coach Jos Luhukay ist am Millerntor Geschichte.

Club-Urgestein Timo Schultz hat den Niederländer beerbt und möchte seinem Vorgänger zumindest in einem Punkt nacheifern: Auch er will im Volksparkstadion siegen.

Schultz: "Bin nur zufrieden, wenn wir gewinnen"

"Zufrieden bin ich nur, wenn wir gewinnen. Wir werden maximal investieren und unseren Plan durchziehen. Wir werden uns in jeden Lauf und jeden Zweikampf reinbrettern, wollen aktiv sein und etwas riskieren", erklärte der 43-Jährige dem NDR. Sein Team geht von der Papierform her als Außenseiter in die Begegnung, hat nach fünf Spielen neun Zähler weniger auf dem Konto als der verlustpunktfreie HSV.

Dennoch ist der vormalige U19-Coach des Zweitligisten mit der Entwicklung seiner Mannschaft zufrieden. "Diese Comeback-Qualität und Mentalität, die die Truppe jetzt in zwei, drei Monaten entwickelt hat, ist schon wirklich cool", sagte Schultz mit Blick auf drei Partien, in denen seine Equipe nach einem Rückstand noch gepunktet hat.

Kapitän Avevor wohl wieder einsatzbereit

Zuletzt beim 2:2 in Darmstadt gelang dem Kiezclub sogar in letzter Sekunde der Ausgleich. Kapitän Christopher Avevor fehlte gegen die "Lilien" verletzungsbedingt, steht Schultz im Derby aber wohl zur Verfügung. Guido Burgstaller, Ryo Miyaichi und Christopher Buchtmann fallen hingegen weiter aus. Das ist für St. Paulis Coach ebenso bitter wie die Tatsache, dass wegen der Coronavirus-Pandemie lediglich 1.000 Zuschauer Einlass ins Volksparkstadion erhalten werden - allesamt HSV-Fans. Gäste-Anhänger sind ausgeschlossen. "Es würde ja jeder Trainer und Fußballer lügen, wenn er nicht sagen würde, dass einfach etwas fehlt", beklagte Schultz.

Thioune: "Da wird etwas auf uns zukommen"

Dass jedoch auch vergleichsweise wenig Anhänger durchaus für eine gute Atmosphäre im "Wohnzimmer" des Traditionsclubs sorgen können, zeigte sich am vergangenen Sonnabend, als der sechsmalige Meister die Würzburger Kickers nach einem 0:1-Halbzeitrückstand noch mit 3:1 bezwang. Das Team von Coach Daniel Thioune wurde anschließend mit viel Applaus bedacht. Um die (wenigen) Anhänger erneut mitzureißen, wird es gegen den Kiezclub allerdings einer besseren Leistung bedürfen als gegen die Mainfranken, als die Hamburger in Hälfte eins enttäuschten.

"Stadtderby - was gibt es da großartig zu sagen? St. Pauli hat bislang in dieser Saison bewiesen, dass es immer in der Lage ist, ein Spiel zu drehen. Da wird etwas auf uns zukommen, was wir aufhalten wollen", sagte Thioune, der sich der Bedeutung der Partie für die Hamburger Fußball-Fans bewusst ist: "Mit einem Stadtderby wird man tagtäglich konfrontiert. Morgens beim Bäcker, bei der Arbeit oder auch nach Feierabend. Wir wollen alles dafür tun, dass die Leute, die es mit uns halten, Montag mit einem guten Gefühl zur Arbeit gehen."

Jatta fällt aus - Dudziak und Leistner wieder dabei

Der Coach kann personell beinahe aus dem Vollen schöpfen. Nur der langzeitverletzte Verteidiger Rick van Drongelen und Offensivmann Bakery Jatta (Adduktorenverletzung) fallen sicher aus. Dafür stehen Abwehrspieler Toni Leistner nach abgesessener Rotsperre sowie der ehemalige St.-Pauli-Profi Jeremy Dudziak, der gegen Würzburg wegen einer Schulterblessur ausfiel, wieder zur Verfügung. Letzterer hatte das Derby im vergangenen Februar gegen seinen Ex-Club übrigens wegen eines Innenbandteilabrisses verpasst.

Vielleicht ist seine Rückkehr ja ein gutes Omen für den HSV, aus dessen damaliger Startelf vier Akteure nicht mehr im Kader stehen und van Drongelen verletzt ist. Es hat sich viel geändert in acht Monaten - bei beiden Hamburger Fußball-Zweitligisten.

Mögliche Aufstellungen

HSV: Ulreich - Gyamerah, S. Ambrosius, Heyer, Leibold - Onana - Dudziak, Hunt - Narey, Terodde, Wintzheimer
St. Pauli: Himmelmann - Ohlsson, J. Lawrence, Buballa - Zander, Becker, Benatelli, Dittgen - Zalazar - Kyereh, Makienok

Dieses Thema im Programm:
Sportplatz | 30.10.2020 | 18:00 Uhr

NDR | Stand: 30.10.2020, 13:40

Darstellung: