Holstein Kiel vor Bundesliga-Aufstieg: Letzte Station Karlsruhe?

Jubel bei der Kieler Mannschaft

NDR-Sport

Holstein Kiel vor Bundesliga-Aufstieg: Letzte Station Karlsruhe?

Von Christian Görtzen

109 Jahre nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft kann Holstein Kiel in die Fußball-Bundesliga aufsteigen - durch einen Sieg heute beim Karlsruher SC am Sonntag. Schon das sichere Erreichen der Relegation löste in der Stadt kollektive Freude aus.

Es sah fast schon danach aus, als sei das Unvorstellbare geschafft. Zahlreiche Fans von Holstein Kiel konnten nicht mehr anders, als vor lauter Freude zu hüpfen, singen und stolz ihre Fahnen zu schwenken. Nach dem 3:2 gegen Jahn Regensburg gab es am Holstein-Stadion mit einer Jubelfeier samt Hupkonzert einen Vorgeschmack darauf, was sich in Kiel zutragen würde, sollte die Mannschaft von Trainer Ole Werner auch heute (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) beim Karlsruher SC gewinnen.

Dann wäre es perfekt: Die "Störche" würden direkt in die Bundesliga aufsteigen - und in der 247.000-Einwohner-Stadt an der Förde würden sich in diesen tristen und einschränkenden Corona-Zeiten für einige Tage sicherlich sehr viele der glücklichsten Menschen Deutschlands finden.

Fernduell mit dem Dritten Greuther Fürth

Den Relegationsrang haben die Kieler schon vor dem 33. Spieltag sicher. Nur noch ein Sieg fehlt zum direkten Aufstieg, ganze drei Punkte. Vielleicht reicht auch schon weniger. Das hängt davon ab, wie sich die mit vier Zählern Rückstand drittplatzierte SpVgg Greuther Fürth zu gleicher Zeit beim SC Paderborn schlägt. Der einmal mehr auf Rang vier positionierte HSV ist dagegen schon distanziert. Dass ein Aufstieg "ein außergewöhnlicher Erfolg wäre, gerade aufgrund der besonderen Umstände mit der Pandemie, ist doch klar. Aber noch sind wir nicht aufgestiegen, sondern wir müssen noch punkten und als nächstes in Karlsruhe unsere Hausaufgaben machen", sagte Werner, der dabei eventuell auf die angeschlagenen Fin Bartels und Joshua Mees verzichten muss. Ihr Mitwirken entscheide sich wohl erst am Spieltag, so der Coach.

Für die traditionelle Handball-Stadt Kiel wäre im Fußball mit dem Bundesliga-Aufstieg der größte Erfolg seit 109 Jahren errungen - seit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft am 26. Mai 1912 durch ein 1:0 gegen den, Achtung, Karlsruher FV. Damals jubelten die KSV-Fans im Finale in Hamburg noch Spielern wie Alfred Werner, Hans Reese, Willi Zincke oder dem Siegtorschützen Ernst Möller zu.

"Störche" mit zuletzt vier Siegen in Folge

Die große Leistung des aktuellen Holstein-Teams besteht darin, dass es sich trotz zweimaliger, zweiwöchiger Team-Quarantäne auch in der darauffolgenden Terminhatz nicht von seinem Weg hat abbringen lassen. Kiel gelangen zuletzt vier Siege hintereinander - und davon zeigte sich auch Trainer Ole Werner nach dem Spiel gegen Regensburg tief beendruckt. "Ich muss vor meiner Mannschaft den Hut ziehen, wie sie erneut den inneren Schweinehund besiegt hat und über die Schmerzgrenzen gegangen ist", sagte der 33-Jährige im NDR Interview.

Und vorausschauend auf die Partie beim Tabellensechsten aus Karlsruhe (Hinspiel: 2:3) sagte er: "Wir müssen jetzt alle Kräfte sammeln, Frische zurückgewinnen, und dann versuchen wir, in Karlsruhe wieder zu punkten."

"Der KSC hat uns schon in der Hinrunde das Leben schwer gemacht. Die Mannschaft spielt auch ein Bombenjahr."
— Holstein-Trainer Ole Werner

Als Werner einige Minuten nach dem Schlusspfiff gegen Regensburg diese Sätze sprach, drang vom Westring das Hupkonzert herüber. Im Stadion selbst durfte sich wegen der Corona-Auflagen kein Anhänger aufhalten. Das sei schon sehr schade, gab der Holstein-Coach zu verstehen.

In einem vollen Holstein-Stadion sei es "sicherlich etwas völlig anderes gewesen", so Werner: "Gerade, wenn man eine solche Saison spielt, vermisst man das noch viel mehr. Auf der anderen Seite ist es vielleicht so, dass wir den Leuten, die zu Hause sitzen oder auf die Straßen gehen, aber gewisse Einschränkungen haben in ihrem Leben, ein bisschen Freude geben können. Dass die ganze Stadt auf den Beinen ist und hupt, und das bei so einem Sauwetter, ist einfach überragend."

Hupkonzert in Kiel am Sonntag um 17.20 Uhr?

Alexander Mühling machte deutlich, dass die Mannschaft gar nicht mehr daran denke, sich diese Chance noch nehmen zu lassen. "Dass wir die Partie gegen Regensburg gedreht haben, war für den Kopf sehr wichtig. Und dass wir drei Tage nach einem Spiel wieder einen raushauen können, haben wir zuletzt schon öfter gezeigt", sagte der Siegtorschütze gegen Regensburg.

Und sollte am Sonntag in Karlsruhe der Sieg gelingen, würde von diesem eine fast schon magische Wirkung ausgehen. Der Schlusspfiff im Wildparkstadion gegen 17.20 Uhr würde 720 Kilometer weiter nördlich ein Hupkonzert auslösen. Dann nicht nur direkt am Holstein-Stadion, sondern wohl in ganz Kiel.

Dieses Thema im Programm:
Sportclub | 16.05.2021 | 22:50 Uhr

NDR | Stand: 16.05.2021, 11:08

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