"Totaler Schock": Herpes-Virus auch bei deutschen Pferden in Doha

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"Totaler Schock": Herpes-Virus auch bei deutschen Pferden in Doha

Die aggressive Variante von Pferde-Herpes aus Valencia hat sich bis nach Doha verbreitet. Dort soll ab Donnerstag die erste Etappe der Global Champions Tour mit vielen Weltklasse-Reitern starten.

Zwei Pferde des deutschen Springreiters Sven Schlüsselburg wurden positiv getestet. Der 39 Jahre alte Reiter aus dem baden-württembergischen Ilsfeld war bereits vor Ausbruch der Infektionen bei der Turnierserie im spanischen Valencia und in Unkenntnis der Ansteckung seiner Pferde nach Doha gereist. "Das war der totale Schock", sagte Schlüsselburg dem "Reiterjournal".

Bud Spencer und Nascari betroffen

Die Pferde wurden nach Angaben des Reiters in Doha mehrmals getestet, waren vergangene Woche negativ, diese Woche jedoch positiv. Jetzt seien sie sicherheitshalber in einer Klinik, von den anderen Tieren separiert. Bud Spencer hatte leichtes Fieber, Nascari sei ohne Symptome und inzwischen mit negativem Testergebnis.

"Wir können jetzt nur beten. Ich bin am Boden und habe wirklich Angst, auch um die Pferde zu Hause. Das kann ja alles so schnell gehen, und keiner ist am Ende sicher."
— Sven Schlüsselburg

Bundestrainer Otto Becker ist in ständigem Kontakt mit Schlüsselburg und macht sich Sorgen. Neben dem 39-Jährigen sind auch Christian Ahlmann, Christian Kukuk, Marcus Ehning und Philipp Weishaupt mit ihren Pferden in Katars Hauptstadt am Start. "Ich hoffe, dass alles gut geht. Die ganze Situation ist derzeit eine Katastrophe", sagte Becker.

Unsicherheit im Reiter-Lager

"Alle hoffen natürlich, dass keine anderen Pferde angesteckt sind", sagte Ehning. Zur Unsicherheit trägt bei, dass die Zeit bis zum Auftreten von Symptomen und positiven Tests zwei Wochen oder mehr betragen kann. Bei Schlüsselburgs Pferden war es auf jeden Fall lange nach der Abreise in Valencia. Er war dort nach Angaben des Weltverbandes FEI zuletzt am 12. Februar am Start. Das Turnier wurde erst neun Tage später abgebrochen, als einige Pferde Symptome der Erkrankung zeigten.

In Valencia sind seitdem mehrere Pferde nach der Virus-Erkrankung gestorben, viele zeigen schwere Krankheitsverläufe und kämpfen noch immer gegen den Tod. Nach Angaben der FN waren insgesamt 64 Pferde deutscher Reiter bei der Turnierserie, 48 haben Valencia wieder verlassen. Wie viele davon sich infiziert haben, ist unklar. Auch die Anzahl ausländischer Reiter, die in Deutschland leben und das Turniergelände bereits verlassen haben, ist noch ungeklärt.

Ehning: "Das ist ein Riesenthema in Doha"

"Das ist natürlich ein Riesenthema hier", berichtete Ehning von den Gesprächen mit den Kollegen in Doha. Sie alle bangen um ihre Tiere und ihre Existenzgrundlage. Nach dem Corona-Aus der Global Champions Tour im Vorjahr hoffen sie auf den Neustart in Katar, um ihrem Job nachgehen und sich auf die Olympischen Spiele in Tokio vorbereiten zu können.

Die Global Champions Tour ist mit 25,9 Millionen Euro die am höchsten dotierte Pferdesport-Serie der Welt. Geplant sind in dieser Saison 16 Etappen. Dazu zählen auch das Turnier Ende Juli in Berlin und das auf Ende August verlegte Derby in Hamburg.

Der Weltverband FEI hatte am Dienstag alle internationalen Turniere in Deutschland und in neun weiteren Ländern bis zum 28. März abgesagt, die FN alle nationalen Turniere bis zum selben Datum.

Dieses Thema im Programm:
Sport aktuell | 03.03.2021 | 14:25 Uhr

NDR | Stand: 03.03.2021, 22:25

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