Hansa-Angreifer John Verhoek im Spiel gegen den 1. FC Heidenheim.

NDR-Sport

Hansa Rostock: Die Suche nach dem Ausweg aus der Sieglosigkeit

Stand: 23.01.2022, 13:30 Uhr

Immer über dem Strich - so sah es bisher für Aufsteiger Hansa Rostock in der 2. Fußball-Bundesliga aus. Nach sieben Partien ohne Sieg stellt sich die Frage, wie lange das so bleibt. Denn das Programm im Februar hat es in sich.

Von Christian Görtzen

Als er eine weitere Chance vergeben hatte, hielt es John Verhoek einfach nicht mehr aus. Der niederländische Top-Stümer des FC Hansa hob seine Arme in nahezu gleichem Winkel, als ließe sich auf diese Weise die Spannung in seinem Körper besser abführen, schloss seine Augen und schrie seinen Frust zur leeren Tribüne des Ostseestadions hinauf. Was dabei über seine Lippen kam, lässt sich im Nachgang nur noch vermuten. Vielleicht bloß: "Da's lullig." ("Das ist Pech."), Oder: "Ik word er een beetje moe van." ("Also, langsam reicht's mir.") Womöglich aber auch: "Ik word er doodziek van." ("Das regt mich tierisch auf.")

Und auch wenn es auf Deutsch ein genervtes "Mann!" oder ein "Verdammt!" gewesen sein sollte - alles hätte seine Berechtigung gehabt.

Denn derzeit ist es wie verhext beim Aufsteiger, der sich in der ersten Hälfte der Zweitliga-Saison insgesamt gut behauptet hat und zu keinem Zeitpunkt auf einem Abstiegsrang stand. Der Trend ist aber bedrohlich: Die Mannschaft von Trainer Jens Härtel ist bereits seit sieben Zweitliga-Spielen sieglos. Gegen den 1. FC Heidenheim kamen die Mecklenburger am Sonnabend nicht über ein 0:0 hinaus.

Hansa-Coach Härtel sieht viel Gutes

Dabei hatte es Chancen genug gegeben. Nur wurden diese einmal mehr nicht verwertet. Verhoek, mit zehn Treffern Rostocks Top-Torschütze, hat zuletzt am 4. Dezember beim 1:1 gegen Schlusslicht FC Ingolstadt 04 getroffen. Kritik vom Coach blieb aber aus. Härtel ist einfach zu lange schon im Geschäft dafür, als dass er nicht wüsste, dass Draufschlagen in einem Zustand der allgemeinen Verunsicherung durchaus kontraproduktiv sein kann.

Der 52-Jährige betonte daher lieber die guten Aspekte am Auftritt seines Teams, er lobte ausdrücklich. "Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht", befand der gebürtige Sachse. Kritik wurde nur sehr dezent geübt: "Aufgrund der Chancen müssen wir das Spiel gewinnen."

Heftiges Programm für Rostock im Februar

An der Defensivleistung der Mecklenburger gab es dagegen nichts zu bemängeln. "Wir haben über weite Strecken sehr, sehr gut verteidigt. Die Null stand zwar erst zum dritten Mal, aber das tut jetzt gut. Das nehmen wir mit in das spielfreie Wochenende", sagte Härtel dem NDR. Hinzu kommt das gute Gefühl, dass Hansa auch nach dem 20. Spieltag über dem Strich steht.

Und dennoch: Nur mit Zufriedenheit wird das Team nicht weiter kommen. Es gilt jetzt, neue Kräfte zu sammeln und die Sinne zu schärfen, denn der Februar wird herausfordernd. In Dresden, zu Hause gegen Werder Bremen, in Darmstadt und dann noch ein Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Das sind drei Duelle mit Spitzenteams und zu Beginn der Klassiker gegen Dynamo.

Aufmunterung für Hansa-Stürmer Verhoek

Dass es gegen Heidenheim nicht zum ersehnten und so sehr benötigten Dreier reichte, lag an der Harmlosigkeit des Angriffs. Verhoek versemmelte in der Schlussminute gegen seinen einstigen Arbeitgeber eine Topchance. Schelte bekam er deshalb aber nicht. "Wir machen niemandem einen Vorwurf. So etwas kommt vor", tröstete Kapitän Markus Kolke. Der Keeper nahm seinen Torjäger sogar in Schutz: "Das Plätzchen im Sechzehner ist nicht immer so gut. Das spüre ich auch oft selbst. Ist vielleicht eine Erklärung."

Dieses Thema im Programm:
Nordmagazin | 22.01.2022 | 19:30 Uhr

Quelle: NDR

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