Hansa-Fans im Aufstiegsrausch - ein Bärendienst für das Team?

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Hansa-Fans im Aufstiegsrausch - ein Bärendienst für das Team?

Die Euphorie um den greifbar nahen Aufstieg von Hansa Rostock in die Zweite Liga hat einige Fans zu unüberlegten Aktionen getrieben. Haben sie damit ein Saisonfinale mit Zuschauern im Ostseestadion gefährdet?

Eigentlich wollte Rostock die angestrebte Rückkehr in die Zweite Liga am kommenden Sonnabend (13.30 Uhr, live im NDR) mit der Unterstützung von 7.500 Zuschauern perfekt machen, doch angesichts der Ereignisse rund um den 1:0-Erfolg der Rostocker bei der SpVgg Unterhaching wird dieses Ansinnen sicherlich sehr streng geprüft werden. Die Entscheidung soll am Montag bei einer Video-Konferenz zwischen Vertretern von Verein, Polizei, Stadt und Landesbehörden fallen.

Marien: Autobahn-Blockade "wirklich dumme Aktion"

Die etwa 250 Hansa-Fans, die den 750 Kilometer weiten Weg nach München auf sich genommen hatten, feuerten ihr Team größtenteils ohne Abstand und ohne Mund-Nasen-Schutz vor dem Stadion in Unterhaching an. Auf dem Heimweg bremsten dann etwa 30 Autos mit Rostocker Fans auf Höhe des Dreiecks Holledau auf der Autobahn 9 den Mannschaftsbus aus, stiegen aus, zündeten Pyrotechnik, schwenkten Fahnen und schlugen mit den Händen an die Frontscheibe des Busses.

Ein Video, offenbar aus dem Mannschaftsbus gedreht, bildet nicht nur die Geschehnisse mitten auf der Autobahn ab. Aus der Mannschaft gab es offenbar gemischte Reaktionen. In dem Video sind Gelächter und Kommentare wie "bescheuert", aber auch "Superidee" zu hören. Hansa-Vorstandschef Robert Marien bezeichnete die Autobahn-Blockade im Gespräch mit NDR 1 Radio MV am Sonntag als "wirklich dumme Aktion". Das hätte nicht passieren dürfen.

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Polizei leitet Ermittlungsverfahren ein

So verständlich die überbordende Begeisterung einiger Hansa-Fans kurz vor dem Ziel ist, sie hat auch eine Kehrseite: 200 Polizisten waren im Einsatz, um die A9 wieder freizumachen. Nach Polizeiangaben leiteten die Beamten Ermittlungsverfahren ein, wegen gefährlicher Eingriffe in den Straßenverkehr und Landfriedensbruchs. Auch Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz, das Infektionsschutz- und das Betäubungsmittelgesetz stellten die Beamten fest.

Feier im Stadion = weniger Risiko?

Dass bei dieser Aktion nichts weiter passiert ist, sei einfach nur Glück gewesen, sagte Karl Höpfl vom Polizeipräsidium Oberbayern NDR 1 Radio MV. Diese Art, einen Sieg zu feiern, kommt außerdem zur Unzeit. Denn die Stadtverwaltung Rostock bemüht sich gerade darum, das letzte Saisonspiel gegen den VfB Lübeck am Sonnabend vor bis zu 7.500 Zuschauern austragen zu lassen - unter der Voraussetzung, dass nur getestete Fans ins Stadion gelangen und dass die Hygiene-Regeln eingehalten werden. Wenn Rostock gegen den VfB gewinnt, ist der direkte Aufstieg sicher.

"Wenn Hansa aufsteigt, wird gefeiert. Wir haben nun die Wahl: Wollen wir viele kleine, diffuse Partys oder eine große mit klaren Regeln? Ich bin für die große Feier im Stadion. Die bedeutet deutlich weniger Risiko", sagte Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen der "Ostsee-Zeitung". In einem Pilotprojekt im März hatten Stadt und Verein die Fan-Rückkehr mit 702 Zuschauern beim Heimspiel gegen Halle im März erfolgreich geprobt. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner in der Hansestadt lag am Sonntag nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 44,5.

Härtel sehnt Ende der Geisterspiele herbei

Madsens Aussage über kontrollierte Feierlichkeiten gilt sicherlich auch nach dem Vorkommnissen rund um das Unterhaching-Spiel - oder gerade deswegen. Trainer Jens Härtel hatte kurz nach dem Schlusspfiff gesagt: "Ich sehne das herbei, dass es bald vorbei ist mit diesen Geisterspielen." Die Gesänge vor dem Stadion hatten er und seine Spieler als willkommene Unterstützung wahrgenommen. Das ganze Ausmaß des "Beistands" war zu der Zeit allerdings noch nicht bekannt.

Dieses Thema im Programm:
Sportclub | 16.05.2021 | 22:50 Uhr

NDR | Stand: 16.05.2021, 21:38

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