Ein schwedischer Handball-Fan steht mitten im dänischen Block

Handball-WM Schweden und Dänemark mit Euphorie und Titelträumen

Stand: 14.01.2023 11:37 Uhr

Schweden als Co-Gastgeber der Handball-WM will den Heimvorteil zum Titelgewinn nutzen. Die gleichen Ambitionen hat Nachbar Dänemark, dem sogar Historisches gelingen könnte. Eindrücke vom ersten Spieltag.

Von Jan Kirschner

Zehn Minuten vor dem Anpfiff leuchten Wunderkerzen im Göteborger "Scandinavium". Als das Licht wieder angeht, gleicht das Rund einem gelben Meer mit blauen Elementen. 12.000 Zuschauer, fast alle gekleidet in den schwedischen Nationalfarben, spenden schon vor dem Anpfiff frenetischen Applaus und starten nach fünf Minuten eine Welle.

"Heja Sverige", erklingt es immer wieder. Und als der 26:18-Auftaktsieg gegen Brasilien feststeht, startet die erste skandinavische Siegesfeier dieser Weltmeisterschaft. "Ich habe absolute Gänsehaut", sagt Rückraum-Ass Jim Gottfridsson und kündigt an: "Wir freuen uns auf tolle Partys in Göteborg und wollen nach Stockholm."

Stockholm der Sehnsuchtsort für alle Teams

Die schwedische Hauptstadt ist das große Ziel für die besten Teams der Welt, dort finden nicht nur zwei Viertelfinals und ein Halbfinale statt, sondern am 29. Januar auch das Endspiel. Als Europameister und Gastgeber hegen die Schweden Medaillen-Träume, müssen zunächst aber ihren Turnier-Rhythmus finden.

"In den Testspielen gegen Serbien hatten wir einen starken Angriff, aber keine Abwehr und keine gute Torwartleistung – gegen Brasilien war es eher andersherum", sagt Gottfridsson. Der Spielmacher ist die wichtigste Offensivkraft im Drei-Kronen-Team und inzwischen – Linksaußen Hampus Wanne wechselte im Sommer nach Barcelona – der einzige schwedische Nationalspieler der SG Flensburg-Handewitt.

Jim Gottfridsson (r.) setzt sich gegen Brasilien durch.

Schwedens Hoffnungsträger: Jim Gottfridsson (r.).

Der Landesrivale THW Kiel hat zwei schwedische Asse am Start. Neuzugang Eric Johansson hatte sich Ende November die Mittelhand an der Wurfhand gebrochen, schaffte aber gerade noch den Sprung auf den WM-Zug.

THW-Routinier Ekberg schon 2011 dabei

Und dann gibt es noch Niclas Ekberg. Der 34 Jahre alte Rechtsaußen ist der einzige, der schon 2011, bei der bislang letzten schwedischen Heim-WM, im Nationalteam stand. Dementsprechend bringt er einen großen Erfahrungsschatz mit. "Wichtig ist es immer, dass wir nicht zu viel über Konstellationen in der Hauptrunde oder noch weiter nachdenken", betont er. "Die Leute wollen eine geile Party – und wir sollten zeigen, dass wir es auch wollen."

Derzeit sind die schwedischen Handballer nur 300 Meter entfernt von der Spielstätte einquartiert. Kurze Wege genießen auch die dänischen Fans. Sie pilgern in Heerscharren von Kopenhagen über den Öresund nach Malmö. Die Arena befindet sich direkt an der ersten Bahnstation auf schwedischer Seite.

Dänemark mit "Heimspiel" in Malmö

12.500 Zuschauer, überwiegend im rot-weißen Outfit, skandieren "Danmark", schwenken den Danebrog, die dänische Nationalflagge, und singen Stimmungslieder. Die dänischen Spieler nutzen die Euphorie und landen einen 43:28-Auftaktsieg über den WM-Novizen Belgien. "Malmö ist eine dänische Festung", lächelt Kevin Möller. "Wir Dänen sind ja wie Deutschland eine stolze Handball-Nation."

Der Torwart ist einer von insgesamt sechs Spielern der SG Flensburg-Handewitt im 18-köpfigen dänischen Kader. Die anderen sind Simon Hald, Mads Mensah, Emil Jakobsen, Johan Hansen und Lasse Möller, der nach einem großen Verletzungspech in der Vergangenheit nun endlich sein erstes Großturnier bestreitet.

Der Titel-Hattrick ist möglich

Sie befinden sich allesamt auf einer großen Mission. 2019 und 2021 ging der Titel des Weltmeisters bereits nach Dänemark. Nun ist der Hattrick möglich, was in der 85-jährigen WM-Historie noch keiner Nation gelang. "Das ist Hoffnung und Traum", meint Kevin Möller. "Wir wissen, wie schwer es werden wird, denn nach nur einem schlechten Spiel kann alles vorbei sein."

Auch zwei Akteure des THW Kiel gehören dem Danebrog-Team an: Linksaußen Magnus Landin und sein älterer Bruder, Weltklasse-Keeper Niklas Landin. Dieser bestritt schon zwei Mal ein Turnier in Malmö: 2011, als Dänemark Vizeweltmeister wurde, und 2020, als überraschend schon nach der Vorrunde der Europameisterschaft alle Ambitionen aufgegeben werden mussten.

"2011 waren wir ja bis zum Schluss im Turnier, aber ich habe nicht so eine gute Stimmung unserer Fans in Erinnerung", meint der Torwart. "Das war heute noch besser als erwartet." Ob die Dänen auf dieser Welle der Begeisterung zum Titel reiten? Niklas Landin spuckt keine großen Töne: "Das ist noch ein langer Weg, nun kommen erst einmal zwei weitere Vorrundenspiele." Am Sonntag geht es gegen Bahrain, am Dienstag folgt Tunesien. Alles andere als zwei glatte Siege wäre eine faustdicke Überraschung.

Dieses Thema im Programm:
Sport aktuell | 13.01.2023 | 17:25 Uhr