Handball-EM

Handball-EM: Kiels Weinhold wirbt für Geduld mit DHB-Team

Stand: 17.01.2022, 16:28 Uhr

Mit den ersten Auftritten der deutschen Handballer bei der EM war Steffen Weinhold vom THW Kiel weitgehend zufrieden. Der frühere Nationalspieler warb bei seinem Besuch im Sportclub aber auch um Geduld mit dem stark veränderten Team.

Von Christian Görtzen

Vor fünf Monaten war er noch dabei. Mittendrin im Team der deutschen Handball-Nationalmannschaft, für die bei den Olympischen Spielen in Tokio im Viertelfinale gegen Ägypten der Traum vom Gewinn einer Medaille platzte. Weinhold gab nach dem Turnier in der japanischen Hauptstadt seinen Rücktritt aus dem DHB-Team nach 137 Länderspielen und 336 Toren bekannt.

Und so findet sich der 35 Jahre alte Rückraumspieler des deutschen Rekordmeisters THW Kiel in diesen Tagen in der Rolle des Beobachters aus der Ferne wieder. Gänzlich neu ist diese Situation für den gebürtigen Fürther zwar nicht, hatte er doch schon vor einem Jahr aus familiären Gründen auf die WM in Ägypten verzichtet. Doch damals war es ja nur eine Pause, nichts Endgültiges.

Weinhold: EM-Auftakt erfreulich, aber Raum für Steigerung

"Wenn ich die Jungs auf der Platte sehe, dann kribbelt es schon, und man hat auch Lust", sagte der Europameister von 2016 bei seinem Besuch im Sportclub. "Aber ich weiß natürlich auch, was dahinter steht mit der Vorbereitung. So hatte ich jetzt zwei Wochen für mich, meine Kinder, meine Familie - und die möchte ich dann auch nicht missen."

Nach der Rückkehr aus dem Ski-Urlaub in Österreich hat der Linkshänder aber schon so einige Spiele der in Ungarn und der Slowakei stattfindenden EM gesehen. Selbstredend auch die Partien der deutschen Mannschaft, die nach dem 33:29 zum Auftakt gegen Belarus am Sonntag auch Österreich mit 34:29 bezwang und dadurch schon vorzeitig in die Hauptrunde eingezogen ist.

"Auf jeden Fall kann man erst einmal zufrieden damit sein, dass die ersten Spiele gewonnen wurden."
— Steffen Weinhold, THW Kiel

Jetzt geht es am Dienstag (18 Uhr) im abschließenden Vorrundenspiel gegen die ebenfalls schon eine Runde weitergekommenen Polen darum, durch einen Sieg das Optimum von 2:0 Punkten in die Hauptrunde mitzunehmen.

So erfreulich die bisherigen Ergebnisse waren, rundum zufrieden war der THW-Routinier mit den Auftritten des Teams von Bundestrainer Alfred Gislason dann aber doch nicht. "Sie haben etwas gebraucht, um in die Spiele reinzukommen", sagte Weinhold.

Im nächsten Atemzug warb er aber auch um Verständnis dafür, dass zu Beginn eines Turnieres noch nicht alles gleich optimal laufen könne - erst recht nicht bei einem personell so stark veränderten Team, wie es das deutsche sei.

"Nicht erwarten, dass man nach zehn Minuten dominiert"

"Man darf das dann nicht unterschätzen, dass man gegen Belarus oder Österreich spielt. Da sind viele Mannschaften dabei, die gute Spieler in ihren Reihen haben, die es dann aber nicht schaffen, ihr Niveau über 60 Minuten zu halten", so Weinhold. "Man kann dann von der deutschen Mannschaft nicht erwarten, dass man in den zehn Minuten gleich dominiert oder wegzieht." Aber klar, so ergänzte er, "wäre es für die nächsten Aufgaben sicherlich besser, wenn mit einem Vorsprung begonnen würde".

Golla und Wiencek Führungsfiguren des DHB-Teams

Den beiden einzigen Profis von norddeutschen Clubs - Johannes Golla von der SG Flensburg-Handewitt und Patrick Wiencek vom THW Kiel - kämen wichtige Rollen zu, das Team zu führen, so Weinhold.

"Für mich sind Johannes Golla und Patrick Wiencek die Stützen des Teams."
— Steffen Weinhold

"Dass in Rückraumschütze Julius Kühn infolge eines positiven Corona-Tests zumindest für die kommenden zwei Spiele weggebrochen ist", sei zwar bedauerlich, sagte Weinhold. "Doch wenn man sieht, wie viele Spieler bei anderen Teams fehlen, sind wir mit dem einen Fall noch relativ gut bedient", so der Olympia-Bronzemedaillengewinner von 2016, der selbst schon eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht hat.

Lungenprobleme nach Corona-Erkrankung

Er habe vier bis fünf Wochen danach Probleme mit der Lunge gehabt, einen Hustenreiz verspürt. "Es hat etwas gedauert, bis ich gemerkt habe, dass ich wieder meine Leistung bringen kann", sagte Weinhold. Für den sportlichen Erfolg beim Turnier in Ungarn und der Slowakei "spielt es sicherlich eine Rolle, wie viele Corona-Fälle man hat". Auf Deutschland kommen durch den Einzug in die Hauptrunde mindestens noch fünf Spiele zu.

Dieses Thema im Programm:
Sportclub | 16.01.2022 | 22:50 Uhr

Quelle: NDR

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