Geht das schon wieder los, HSV?

HSV-Trainer Thioune: "Ich weiß, wo das Gaspedal ist" Verfügbar bis 22.02.2021

NDR-Sport

Geht das schon wieder los, HSV?

Von Florian Neuhauss

Wie schon in den beiden Zweitliga-Jahren zuvor zeigt die Formkurve beim Hamburger SV nach einem starken Start nach unten. Nach dem 1:3 gegen Bochum ist der HSV seit drei Spielen sieglos. Die Verantwortlichen wehren sich gegen Vergleiche.

Vorweg: Daran, dass die Niederlage gegen den VfL verdient war, gab es keinen Zweifel. Trainer Daniel Thioune sprach von "fehlender Qualität" im Spiel seiner Mannschaft: "Bochum hat uns die Grenzen aufgezeigt." Auch Jonas Boldt fand im NDR Interview klare Worte ("Vom Kopf bis in den Fuß alles viel zu langsam)", gewann dem Spiel mit Blick nach vorn aber auch etwas Positives ab. "Der Bochumer Sieg war verdient. Das hilft nicht ganz so, aber manche Niederlagen sind ärgerlicher", betonte der Sportvorstand.

Ohnehin war es das erste Mal in dieser Zweitliga-Saison, dass der HSV als Verlierer vom Platz gegangen ist. Und auch nach dem achten Spieltag sind die Hamburger weiter Tabellenführer. Also einfach Mund abputzen und weiter? Das wäre dann wohl doch zu einfach.

Hecking-Ausbeute nach acht Spieltagen besser

Denn die Hanseaten stehen nach den beiden erfolglosen Anläufen, in die Bundesliga zurückzukehren, unter besonderer Beobachtung. Und da nach nunmehr drei Spielen ohne Sieg - auch so kann man die Statistik lesen - Erinnerungen an die beiden vergangenen Spielzeiten aufkommen, läuten schon wieder die Alarmglocken.

Auch in den Jahren 2018 und 2019 gelang den Hanseaten ein guter Start. Unter Dieter Hecking war der Club zum selben Zeitpunkt der Vorsaison zwar nur Zweiter, hatte mit 17 Punkten und plus zwölf Toren aber sogar eine noch bessere Ausbeute als Thiounes Team aktuell. Das Ende ist bekannt. Boldt warnte: "Wir dürfen uns jetzt aber nichts einreden lassen. Wir müssen das tun, was wir können und uns nicht länger an negativen Dingen aufhalten."

Boldt: "Der HSV nicht so auf Rosen gebettet"

Thioune und auch Boldt wussten, worauf sie sich einließen, als sie im Sommer beziehungsweise im Vorjahr zum Hamburger SV kamen. Der Chefcoach sieht den HSV "eher als Chance und weniger als Risiko, mehr als Herausforderung und weniger als Bedrohung". Manager Boldt: "Wir haben sehr viel mit Altlasten zu kämpfen. Der HSV ist nicht so auf Rosen gebettet, wie es vielleicht andere Vereine sind."

Die Debatte um neue Geldquellen begleitet die Hanseaten schon seit Jahren. In der Vergangenheit trieb die Hoffnung auf den sportlichen Erfolg den Club immer wieder zu Investor Klaus-Michael Kühne. Aber die in der Satzung verankerten Möglichkeiten, Club-Anteile zu verkaufen, sind längst ausgeschöpft.

Wird die Satzung also bald geändert? "Für mich geht es nicht um die Satzungsänderung allein. Das ist ein populistisches Thema, weil vielleicht bei der Ausgliederung nicht alles glatt gelaufen ist", erklärte Boldt. Es seien in der Vergangenheit schlicht zu viele Fehler gemacht worden. Aber alles sei auf diese Ausgliederung runtergebrochen worden.

"Wir müssen uns ein Stück weit messen lassen am Erfolg. Aber die Rahmenbedingungen verbessern sich nicht zwingend von Jahr zu Jahr", weiß der Sportvorstand, der eine Satzungsänderung nicht ausschließt. Diese ist allerdings Zukunftsmusik, zumal die Vereinsmitglieder einer Änderung zustimmen müssten. Boldts Ansatz ist allgemeiner: "Es gilt, Werte zu schaffen. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten." Alle eint, dass sie nicht einfach sind. Bei einem Club, der seit einem Jahrzehnt Verluste einfährt. Und in einer Zeit, die die Corona-Pandemie fest im Griff hat.

HSV will mit Mutzel und Hrubesch verlängern

In Boldts Plänen nimmt das Nachwuchsleistungszentrum eine zentrale Position ein. "Wir haben gerade einen Weg eingeschlagen, bei dem das Wort Entwicklung eine wichtige Rolle spielt", verdeutlichte der 38-Jährige. Gerüchten, der HSV würde bei den Junioren den Rotstift ansetzen, stellte er sich entgegen. Vielmehr ist nach seiner Meinung der richtige Weg, "über Ausbildung von Spielern und Weiterentwicklung des ganzen Clubs, Werte zu kreieren". Im Gespräch mit dem NDR bestätigte er zudem, dass die Verträge mit Sportchef Michael Mutzel und Nachwuchsdirektor Horst Hrubesch verlängert werden sollen.

Thioune: "Haben das Potenzial schon nachgewiesen"

Dafür, dass aus der aktuellen Ergebniskrise nicht mehr wird, ist vor allem Trainer Thioune verantwortlich. "Jetzt ist wieder alles ein bisschen unruhiger, ein bisschen mehr Sturm - und das ist auch okay", sagte der Fußball-Lehrer dem NDR. Aber: "Wir müssen das große Ganze bewerten. Es gibt Widerstände, die wir brechen müssen. Wir sehen die letzten acht Spiele und die haben gezeigt, dass wir es auch anders können. Wir haben das Potenzial schon nachgewiesen."

Mit seinem Motto ("Ich lasse mir von niemandem sagen, dass ich etwas nicht kann") erscheint Thioune prädestiniert dafür, den HSV zurück in die Erste Liga zu führen. Und er hat seinen Optimismus noch lange nicht verloren: "Wenn ich eine Aufgabe annehme, will ich sie auch zu Ende bringen. Ich bin im Hier und Jetzt und will Vollgas geben. Ich weiß, wo das Gaspedal ist."

Dieses Thema im Programm:
Sportclub | 22.11.2020 | 22:50 Uhr

NDR | Stand: 23.11.2020, 19:07

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