Eintracht-Ekstase: "Dritte Liga, nie mehr, nie mehr"

Eintracht Braunschweigs Fußballer bejubeln den Zweitliga-Aufstieg

NDR-Sport

Eintracht-Ekstase: "Dritte Liga, nie mehr, nie mehr"

Vom Fast-Bundesligisten zum Beinahe-Viertligisten und jetzt der Zweitliga-Aufstieg. Hinter Eintracht Braunschweig liegen drei turbulente Jahre, die nun ein Happy End fanden. Dementsprechend groß war der Jubel.

Es herrschte Ausnahmezustand vor den Toren der Westtribüne des Stadions an der Hamburger Straße. Hunderte von Eintracht-Braunschweig-Fans hatten sich dort trotz der Coronavirus-Pandemie am Mittwochabend spontan versammelt, um den Zweitliga-Aufstieg des Traditionsclubs zu feiern. "Dritte Liga, nie mehr, nie mehr", skandierten sie und brannten bengalische Feuer ab. Einige Anhänger waren bereits über die Zäune geklettert, bevor der Ordnungsdienst sie öffnete. Die Spieler standen zu diesem Zeitpunkt bereits hinter einem großen Plakat mit der Aufschrift: "Steht auf, wenn Ihr Löwen seid!" und filmten die Fan-Ekstase mit ihren Handys.

Dann schnappte sich Kapitän Bernd Nehrig ein Megaphon und brachte die Gefühlslage aller, die es mit dem BTSV halten, wohl auf den Punkt: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es ist einfach eine geile Scheiße heute. Wir haben so viel auf die Fresse bekommen zusammen. Aber ich finde es einfach überragend, wie wir alle zusammengehalten haben."

Eintracht Braunschweig macht den Aufstieg perfekt Verfügbar bis 02.07.2021

Drei Jahre zwischen Himmel und Hölle

Der 33-Jährige sprach damit auf bewegte drei Jahre des Meisters von 1967 an, die nun mit der Zweitliga-Rückkehr ein Happy End fanden. Neben dem eigenen 3:2-Erfolg war dabei ausschlaggebend für den vorzeitigen Aufstieg der Eintracht, dass der MSV Duisburg beim FC Bayern München II in der Nachspielzeit noch das 2:2 kassierte. Die "Zebras" können den BTSV somit wie der FC Ingolstadt (0:2 gegen Magdeburg) nicht mehr von einem Aufstiegsplatz verdrängen. Bitter für Coach Torsten Lieberknecht, der mit den Meiderichern lange das Tableau angeführt hatte. Zumindest indirekt war somit auch der Mann ein bisschen am Braunschweiger Triumph beteiligt, der die Niedersachsen in seiner Amtszeit von 2008 bis 2018 von der Dritten Liga ins Oberhaus geführt hatte und anschließend auch wieder zweimal mit ihnen abstieg.

Der Nach-Nach-Nach-Nachfolger von Lieberknecht, Marco Antwerpen, schaffte nun die Kehrtwende zum Guten, nachdem die Eintracht zunächst in der Relegation zur Bundesliga gescheitert war, dann in die Dritte Liga abstieg und im vergangenen Jahr schließlich nur wegen der besseren Tordifferenz nicht in die Viertklassigkeit abstürzte.

"Der Trainer hat ganze Arbeit geleistet"

"Der Trainer hat ganze Arbeit geleistet", lobte BTSV-Sportdirektor Peter Vollmann den Coach.

Braunschweigs Nervenkrimi mit Happy End

Verfügbar bis 02.07.2021

Der Manager durfte sich selbst auch bestätigt sehen in seiner Entscheidung, Antwerpen im vergangenen November für den unerfahrenen Christian Flüthmann zu installieren, obgleich die Eintracht seinerzeit nur drei Punkte Rückstand auf einen direkten Aufstiegsplatz hatte. Vollmann hatte sich viel Kritik dafür anhören müssen. Auch, weil der Trainerwechsel zunächst nicht den erhofften Erfolg brachte. Die "Löwen" waren Neunter (!), als die Dritte Liga wegen der Coronavirus-Krise unterbrochen wurde. Die Zwangspause war für die Eintracht letztlich ein Segen, wie sich nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs zeigte. "Wir hatten ein Trainingslager in Barsinghausen, da hatten wir so eine Scheiß-egal-Stimmung, wir haben uns zusammengerauft. Mannschaftliche Geschlossenheit, Teamgeist, fighten und beißen sind manchmal mehr wert als jegliche Qualität", erklärte Routinier Marc Pfitzner Braunschweigs Erfolgsgeheimnis. Verteidiger Benjamin Kessel schlug in dieselbe Kerbe: "Wir haben gezeigt, dass wir eine geile Truppe sind."

Rotation und Teamgeist als Erfolgsgeheimnis

Braunschweig: Aufstiegsmoment und Jubel Verfügbar bis 02.07.2021

Fürwahr. Sieben Siege und zwei Remis schlagen für die Eintracht in den bisherigen zehn Partien nach der Corona-Pause zu Buche. Antwerpens Strategie der ständigen Personalrochade ging sportlich vollends auf und stärkte zudem das Mannschaftsgefühl. Nicht selten veränderte der 48-Jährige seine Startelf auf acht (!) Positionen. Zuvor nur sporadisch oder gar nicht berücksichtigte Profis wie Leon Bürger waren plötzlich wieder mittendrin statt nur dabei. "Wir hatten einen klaren Plan, wie wir nach der Pause agieren wollten. Wir haben es durchgezogen und daran geglaubt", erklärte der Trainer. Sein Kapitän Nehrig ergänzte: "Wir haben schon in der Quarantänewoche besprochen, dass jeder gebraucht wird. Und dadurch wurde auch die Spannung bei jedem Einzelnen hochgehalten. Und heute wurde es belohnt."

16 Spieler und Coach Antwerpen ohne Vertrag

Bemerkenswert am Eintracht-Aufstieg war auch die Tatsache, dass nicht weniger als 16 Spielerverträge (inklusive der Kontrakte der fünf ausgeliehenen Akteure) eigentlich am Tag vor der Mannheim-Partie ausgelaufen waren.

Antwerpen: "Wir geben richtig Gas heute!"

Verfügbar bis 02.07.2021

Mit allen erzielte der BTSV eine Einigung auf Verlängerung der Zusammenarbeit bis zum Ende der Saison. Wie es nun mit ihnen an der Hamburger Straße weitergeht, ist ungewiss. Dennoch legte sich jeder Profi für die "Löwen" ins Zeug. Ein Zeichen von Charakterstärke. Zum Vergleich: Beim Waldhof fehlten drei Profis, weil sie entweder bereits bei einem anderen Club unterschrieben hatten oder wechselwillig sind. Auf Vollmann ("Die Mannschaft kann sich jetzt mal einen trinken") wartet nun viel Arbeit. Denn auch der Kontrakt von Coach Antwerpen läuft aus. Eintracht-Präsident Sebastian Ebel kündigte zwar an: "Wir setzen uns zusammen und reden", wollte in der Stunde des Triumphs jedoch keine Tendenz in puncto Vertragsverlängerung geben.

Vorbereitung auf Meppen-Spiel am Pool

Antwerpen und seinen freudetrunkenen Kickern war ihre unsichere Zukunft unmittelbar nach dem Aufstieg erst einmal egal. "Wir geben richtig Gas heute", kündigte der 48-Jährige an. Wie und wo genau die Eintracht-Helden die Nacht zum Tag gemacht haben, ist nicht überliefert. Es erscheint aber in keinem Fall ausgeschlossen, dass der eine oder andere Kicker im Saisonfinale am Sonnabend beim SV Meppen (14 Uhr, live im NDR Fernsehen und im Livestream bei NDR.de) noch mit den Nachwehen der großen "Sause" zu kämpfen haben wird. Wobei: Antwerpen hatte auch schon die richtige Idee für das kollektive Ausnüchtern: "Es gibt jetzt frei und wir liegen alle bei Benny (Kessel, die Redaktion) am Pool."

Dieses Thema im Programm:
Sport aktuell | 02.07.2020 | 09:25 Uhr

NDR | Stand: 02.07.2020, 14:10

Darstellung: