Eintracht Braunschweig schafft Zweitliga-Aufstieg

Eintracht Braunschweigs Fußballer bejubeln den Zweitliga-Aufstieg

NDR-Sport

Eintracht Braunschweig schafft Zweitliga-Aufstieg

Eintracht Braunschweig kehrt nach zwei Jahren in die zweite Fußball-Bundesliga zurück. Die Niedersachsen schlugen am vorletzten Drittliga-Spieltag Mannheim und profitierten zudem von den Patzern der Konkurrenz.

Eintracht Braunschweig hat durch einen 3:2-Sieg gegen Waldhof Mannheim am Mittwochabend vorzeitig den Zweitliga-Aufstieg geschafft. Weil die Konkurrenz aus Würzburg, Ingolstadt und Duisburg gleichzeitig patzte, können die Niedersachsen im Saisonfinale am Sonnabend beim SV Meppen (14 Uhr, live im NDR Fernsehen und hier im Livecenter) nicht mehr von einem direkten Aufstiegsplatz verdrängt werden.

Als das Fußball-Wunder geschafft war, dröhnte der Evergreen "We Are the Champions" von Queen durch die Lautsprecher des Stadions an der Hamburger Straße. Einige Fußballer von Eintracht Braunschweig weinten vor Glück, andere gönnten sich einen tiefen Schluck aus der Bierpulle oder verspritzten den Gerstensaft freudetrunken. Rund zwei Jahre nach dem bitteren Zweitliga-Abstieg und gut zwölf Monate nach der Last-Minute-Rettung vor dem Absturz in die Viertklassigkeit sind die Niedersachsen ins Bundesliga-Unterhaus zurückgekehrt.

Eine verrückte Geschichte in einer bedrückenden Zeit. Mit ihren Fans konnten die BTSV-Profis unmittelbar nach dem Abpfiff wegen der Coronavirus-Pandemie nicht feiern. Auch deswegen wird dieser Aufstieg gewiss einen ganz besonderen Platz in der bewegten Eintracht-Geschichte einnehmen. "Endlich zurück! Aufstieg 2020", stand auf den T-Shirts, die Braunschweigs Fußball-Helden überstreiften.

Eintracht Braunschweig macht den Aufstieg perfekt Verfügbar bis 02.07.2021

Pfitzner: "Ein Wahnsinnsgefühl"

"Wir sind überglücklich. Das ist ein Wahnsinnsgefühl, ich kann es noch gar nicht richtig realisieren", sagte Routinier Marc Pfitzner, der mit zweijähriger Unterbrechung (2016 bis 2018) seit 2005 für die "Löwen" spielt. "Der Trainer hat nach der Coronakrise Maximales geleistet. Ich habe heute einen Herzinfarkt nach dem anderen bekommen", erklärte Sportdirektor Peter Vollmann. Der von ihm gelobte Coach Antwerpen gab überglücklich (und von Bierduschen durchnässt) zu Protokoll: "Das ist das Größte, was ich bisher erreichen konnte. Da bin ich verdammt stolz drauf."

Kobylanski bringt Eintracht früh in Front

Die Eintracht hatte das Spiel zu Beginn dominiert, im ersten Abschnitt zuweilen aber Probleme, die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden.

Nach Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung oder abgewehrten Standards stimmte beim BTSV manchmal die Raumaufteilung nicht, sodass sich dem Waldhof Räume für Konter boten. Glück für die "Löwen", dass die ersatzgeschwächten Gäste - Jonas Weik, Michael Schultz und Kevin Conrad fehlten, weil ihre Veträge am tags zuvor ausgelaufen waren - die Gegenzüge in Abschnitt eins schlecht ausspielten. Zudem patzte die Elf von Aufstiegstrainer Bernhard Trares, der wenige Stunden vor dem Anpfiff seinen Abschied bekanntgegeben hatte, in der Abwehr. Der neu in die Startelf gerutschte Gohlke brachte mit einer verunglückten Kopfballabwehr Merveille Biankadi in Position, der uneigennützig zu Martin Kobylanski passte. Der Rest war für den Deutsch-Polen Formsache - das 1:0 (5.).

Schwenk kontert Gohlkes Ausgleichstreffer

Ein frühes Tor, dazu ein Gegner, der trotz noch theoretischer Chancen auf den Relegationsrang bereits im Vorfeld der Partie wie erwähnt Auflösungserscheinungen gezeigt hatte. Kann es bessere Voraussetzungen für einen klaren Sieg geben? Offenbar ja. Jedenfalls kam den Niedersachsen irgendwie ein bisschen die Konzentration abhanden, wie sich bei einem Eckstoß von Mohamed Gouaida in der 14. Minute zeigte, den Gohlke unbedrängt einköpfen durfte. Immerhin: Hernach erhöhten die Braunschweiger wieder die Schlagzahl und standen nun insgesamt auch stabiler. Manuel Schwenk sorgte kurz vor der Pause mit einem Kopfball nach Vorlage von Pfitzner für die abermalige BTSV-Führung (45.).

Erst Nervenflattern, dann die Erlösung

Das 2:1 zum häufig zitierten psychologisch wichtigen Zeitpunkt sorgte jedoch nicht für Sicherheit bei den Antwerpen-Akteuren. Im strömenden Regen war Mannheim nach Wiederbeginn zunächst das bessere Team. Erst verfehlte Arianit Ferati noch den Ausgleich (55.), kurz darauf machte es Valmir Sulejmani dann besser und egalisierte (59.). Doch nicht nur Braunschweig flatterten die Nerven. Der Tabellenzweite Würzburg geriet kurz nach der Pause bei Viktoria Köln sogar mit 0:3 in Rückstand. Und auch der FC Ingolstadt kassierte gegen den abstiegsbedrohten 1. FC Magdeburg das 0:1. Einzig der MSV Duisburg lag zu diesem Zeitpunkt von den Aufstiegsanwärtern vorn. Die "Zebras" führten beim FC Bayern München II mit 1:0. Die Eintracht musste nun also liefern. Und sie lieferte in Person von Kobylanski, der nach einer schwachen Kopfballabwehr der Gäste zum zweiten Mal an diesem Abend und zum 18 Mal in dieser Saison erfolgreich war (73.). Kurz darauf glich Bayern gegen Duisburg aus, sodass Braunschweig zu diesem Zeitpunkt bei gleichbleibenden Resultaten auf den anderen Plätzen aufgestiegen wäre.

Münchens Dajaku sorgt für Eintracht-Aufstieg

In der Schlussphase agierten die Niedersachsen alles andere als souverän und mussten sich bei Vereinsurgestein Marcel Engelhardt bedanken, dass sie nicht das 3:3 kassierten. Der Keeper - seit 2013 beim BTSV - rettete großartig gegen Marco Schuster (85.). Dann war Schluss im Stadion an der Hamburger Straße. Aus Ingolstadt kam die frohe Kunde von der 0:2-Pleite der "Schanzer" gegen Magdeburg. Aber weil Duisburg bei der Bayern-Reserve erneut in Führung ging (84.) und die Partie später begonnen hatte, mussten die Eintracht-Profis nach beendeter Arbeit an der Anzeigetafel mitfiebern, ob die Münchner noch würden egalisieren können. Sie konnten: Leon Dajaku traf zum 2:2 (90.+2) und sorgte so für Riesenjubel im Stadion an der Hamburger Straße.

Vor der Arena feierten später mehrere Tausend Fans den Aufstieg. Die Eintracht-Profis standen währenddessen an den Hinterausgängen der Haupttribüne. Zeitgleich fanden in der Stadt mehrere Autokorsos statt.

Dieses Thema im Programm:
NDR 2 Sport | 01.07.2020 | 22:40 Uhr

NDR | Stand: 02.07.2020, 10:27

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