Eine Frage der Lizenz: Werder Bremen hofft auf Geld der Fans

Werder-Fans im Weserstadion

NDR-Sport

Eine Frage der Lizenz: Werder Bremen hofft auf Geld der Fans

Es geht um nicht weniger als den Fortbestand von Werder Bremen. Die Corona-Pandemie hat dem Bundesligisten finanziell zugesetzt wie kaum einem anderen Club. Eine Anleihe bei Unternehmen und Fans soll Abhilfe schaffen.

Damit will Werder auch die Sünden der Vergangenheit bewältigen: Selbst wenn die Bremer mit Trainer Thomas Schaaf nach dem Abrutschen auf den Relegationsrang in dieser Saison noch den Klassenerhalt schaffen, bringt das finanzielle Probleme mit sich. Bleibt der Club Erstligist, greift die Kaufpflicht für den selten überzeugenden Davie Selke. Satte zwölf Millionen Euro müssen die Bremer dann an Liga-Konkurrent Hertha BSC überweisen, von dem sie den Stürmer vor zwei Jahren zunächst ausgeliehen hatten.

Damit wären die Gestaltungsmöglichkeiten wie schon nach der vergangenen Saison praktisch dahin, bevor es überhaupt losgeht. Vor einem Jahr mussten durch den Verbleib in der Bundesliga der verletzungsanfällige Ömer Toprak (für rund vier Millionen Euro an Dortmund) und der sehr talentierte, aber vor allem unkonstante Leonardo Bittencourt (sieben Millionen Euro an Hoffenheim) verpflichtet werden. Preis und Leistung standen dabei viel zu selten in einem angemessenen Verhältnis.

"Durch Pandemie 35 bis 40 Millionen verloren"

Die Sünden der Vorjahre wiegen umso schwerer, weil der Club "durch die Pandemie 35 bis 40 Millionen Euro verloren hat", wie Werder-Boss Klaus Filbry im NDR Sportclub sagte. "Das war der Grund dafür, warum wir uns nach Lösungsmöglichkeiten umgeschaut haben."

Nach dem ohnehin schon beantragten und zugesagten Corona-Kredit soll nun eine Mittelstands- und Fananleihe das wirtschaftliche Überleben sichern. "Wir haben positive Rückmeldungen bekommen. Wir sind optimistisch, dass die Anleihe dementsprechend auch in der zweiten Phase gut angenommen wird", sagte Manager Frank Baumann in der NDR 2 Bundesligashow. Seit Montagmorgen können auch Privatpersonen die Anlage zeichnen.

Baumann: "Insolvenzrisiko sehr, sehr minimal"

In dem Prospekt zur Anleihe schreibt der (Noch-) Bundesligist im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie von einem wesentlichen Bestandsrisiko für den SV Werder Konzern.

Den Mittelstand hat diese Formulierung nicht geschreckt: Bei den institutionellen Investoren haben die Hanseaten bereits einen zweistelligen Millionenbetrag eingenommen. Insgesamt beträgt das Emissionsvolumen bis zu 30 Millionen Euro.

Marco Bode: "Macht der Ergebnisse ist zu stark geworden" Verfügbar bis 16.08.2021

Baumann betonte: "Kein Werder-Fan muss sich Sorgen um den Fortbestand von Werder Bremen machen. Das Insolvenzrisiko ist sehr, sehr minimal." Die Situation sei "nicht existenzbedrohend, aber sehr, sehr herausfordernd durch die Pandemie".

Abstieg wie vor einem Jahr bedrohlich nah

Werder wappnet sich für alle Eventualitäten. Der Abstieg ist seit der 0:2-Niederlage in Augsburg und dem Abrutschen auf den Relegationsrang wie schon in der vergangenen Saison bedrohlich nah. Umso wichtiger ist es, die Anleihe als "wichtigen Finanzierungsbaustein sicher" zu haben. Dieser soll "nicht nur die Lizenz - egal ob Erste oder Zweite Liga - für die nächste Saison ermöglichen, sondern eben auch sicherstellen, dass wir in der nächsten Saison genügend Liquidität haben werden, um unsere Rechnungen, unsere Gehälter zahlen zu können".

Noch einige Bedingungen für Lizenz zu erfüllen

Die Lage ist prekär. "Wir werden bis Herbst noch einige Bedingungen erfüllen müssen für die Lizenz", räumte Baumann am Sonntag ein. Erschwert wird das Unterfangen dadurch, dass am Transfermarkt bei Spielerverkäufen (Milot Rashica und Ludwig Augustinsson) kaum marktübliche Preise zu erzielen sein werden. Was die Selke-Millionen noch einmal in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Das Ende der Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen wäre (nicht nur für Werder) ein Segen. Der Manager bezifferte die fehlenden Einnahmen bei einem ausverkauften Heimspiel allein auf 1 bis 1,3 Millionen Euro. Doch mit dem Sieg über Corona kann gerade genauso wenig ein Bremer planen wie mit einem Dreier in der Bundesliga.

Halten Schaaf und Selke Werder doch noch in der Bundesliga?

Werder-Legende Schaaf soll die Erste Liga am kommenden Sonnabend mit einem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach retten. Bei allem Glaube an die Fähigkeiten von Florian Kohfeldt sei "die Macht der Ergebnisse am Ende zu stark gewesen", sagte Aufsichtsratschef Marco Bode im Sportclub, "die Wahrscheinlichkeit, drin zu bleiben, mit einem Trainerwechsel etwas größer". Dafür muss allerdings auch die Konkurrenz mitspielen: Der direkte Klassenerhalt kann nur gelingen, wenn der Tabellen-15. aus Bielefeld nicht in Stuttgart gewinnt. Und wenn Werder selbst nicht dreifach punktet, könnte sogar Köln mit einem Sieg gegen Schalke noch vorbeiziehen. Vom direkten Klassenerhalt bis zum sofortigen Abstieg, dem zweiten nach 1980, ist am letzten Spieltag noch alles möglich.

Aber es hätte schon einen typischen Werder-Charme, wenn Schaaf wie schon 1999 den Club vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit bewahren würde. Und vielleicht hat die Geschichte der Bremer in der Corona-Zeit ja noch eine weitere verrückte Wendung parat: Ausgerechnet Davie Selke, der unter Kohfeldt lange mit der Rolle als Ergänzungsspieler zurechtkommen musste, könnte zum großen grün-weißen Retter werden.

Dieses Thema im Programm:
Sportclub | 17.05.2021 | 22:45 Uhr

NDR | Stand: 17.05.2021, 15:31

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