NDR-Sport Dopingfall Vuskovic - Sportrechtler rät: "Alles auf den Tisch!"

Stand: 22.01.2023 23:19 Uhr

Seit Freitagabend ist Mario Vuskovic wieder in Hamburg. Der positiv auf Epo getestete HSV-Profi blickt einer empfindlichen Sperre entgegen. Für Sportrechtler Michael Lehner hat der Kroate nur eine Chance.

Von Matthias Heidrich und Ole Zeisler

"Wenn er wirklich Epo genommen hat, gibt es nur einen Rat: Raus damit! Alles auf den Tisch, Asche auf mein Haupt und bereit sein, mit den Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten", sagte der Sportjurist im NDR Interview.

Lehner ist einer der renommiertesten Sportrechtler Deutschlands und hat schon viele Profisportler in Dopingverfahren vertreten. "Ich habe mehrere Sportler zu einem umfassenden Geständnis bewegt und in die Kronzeugenregelung hineingeführt, was letztendlich für alle sehr positiv ausgegangen ist."

"Erzähle deine Geschichte, erzähle sie möglichst umfassend und wahr. Sehr wahrscheinlich rettest du deine sportliche Existenz."
— Sportrechtler Michael Lehner

Die Regelstrafe für Dopingdelikte beträgt laut DFB-Rechts- und Verfahrensordnung vier Jahre (Paragraf 8b). Vuskovic hat in seiner Stellungnahme gegenüber dem Deutschen Fußball-Bund seine Unschuld beteuert und Einspruch gegen seine vorläufige Sperre eingelegt. Ein Termin für die mündliche Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht steht noch aus.

Lehner ist sich sicher: "Wenn er glaubwürdig auspackt, Ross und Reiter nennt, kann er von vier auf ein Jahr runterkommen", sagte der Rechtsanwalt. "Flapsig formuliert wird aus einem positiven Dopingfall mit einer schweren Droge ein Kreuzbandriss."

Gleichzeitig warnt Lehner davor, den Fall Vuskovic "als Sonder- oder Ausnahmefall darzustellen, sondern ganz realistisch. Man muss sagen: 'Ja, im Fußball gibt es Doping.'"

Was ist Epo?

Epo ist die Kurzform für Erythropoetin. Erythropoetin ist ein Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) fördert und vor allem in der Niere produziert wird. Je höher die Zahl der Erythrozyten, desto größer ist die Sauerstoffkapazität des Blutes. Entsprechend steigt die Ausdauer-Leistungsfähigkeit.

Gentechnisch (rekombinantes) hergestelltes Epo wurde Anfang der 1980er-Jahre entwickelt und ursprünglich als Medikament verwendet, beispielsweise bei Blutarmut und einer Niereninsuffizienz.

In den 1990er-Jahren war Epo in Ausdauersportarten - vor allem im Radsport - als Dopingmittel weit verbreitet. Angst vor Entdeckung mussten die Sportler lange Zeit nicht haben. Erst seit Anfang 2000 ist es möglich, gentechnisch hergestelltes Epo direkt im Urin - und damit bei einer klassischen Dopingkontrolle - nachzuweisen.

Auch im Fußball wurde es eingesetzt. Bekannt ist beispielsweise, dass Juventus Turin in den 1990er-Jahren sein Star-Ensemble systematisch mit Epo versorgte.

Dieses Thema im Programm:
Sportclub | 22.01.2023 | 22:50 Uhr