Kiels Harald Reinkind (M.) kämpft gegegn Lemgo Frederik Simak (l.) und Gedeon Guardiola um den Ball.

Handball | DHB-Pokal THW Kiel und SC Magdeburg erreichen Endspiel beim Final Four

Stand: 23.04.2022 18:10 Uhr

Der THW Kiel und der SC Magdeburg haben das Endspiel beim Final Four um den DHB-Pokal in Hamburg erreicht. Die beiden Bundesligisten wurden ihren Favoritenrollen in den Halbfinals gerecht.

Der THW Kiel hatte bei der Neuauflage des Vorjahres-Semifinals gegen den TBV Lemgo Lippe allerdings große Mühe, sich durchzusetzen. Ein überragender Keeper Niklas Landin sowie ein konzentrierter Auftritt in den Schlussminuten sorgten dafür, dass die "Zebras" mit 28:26 (12:12) gewannen und Revanche für die Pleite in vergangenen Cup-Wettbewerb nehmen konnten.

"Es war ein schweres Spiel. Ich bin einfach sehr, sehr froh, dass wir die Ruhe bewahrt haben und zum Schluss ganz solide gespielt haben", sagte Kiels Linksaußen Niclas Ekberg dem NDR. Sein Teamkamerad Steffen Weinhold ergänzte: "Letztes Jahr haben wir besser gespielt, aber schlechter geworfen. Das Spiel war ein bisschen von Nervosität geprägt. Wir sind glücklich, dass wir gewonnen haben."

Im Endspiel am Sonntag (13.15 Uhr, live im Ersten und hier im Livestream) werden sich die Schleswig-Holsteiner steigern müssen, um gegen den SC Magdeburg bestehen zu können. Der designierte Meister zeigte beim 30:22 (17:13) gegen den HC Erlangen eine überzeugende Leistung. "Das war ein hochverdienter Sieg, extrem souverän", sagte Bundestrainer Alfred Gislason zum Auftritt des SCM.

THW im ersten Abschnitt lange ideenlos

Kiel tat sich am frühen Sonnabendnachmittag in der Multifunktionsarena im Volkspark von Beginn an schwer. Dem Angriff des THW mangelte es gegen die sehr bewegliche Lemgoer Deckung an Tempo und Ideen. Dass Trainer Filip Jicha bereits nach rund 20 Minuten in Nikola Bilyk, Domagoj Duvnjak und Miha Zarabec drei Spieler auf der Rückraum-Mitte-Position ausprobiert hatte, zeugte von der ideenlosen Vorstellung des Rekordchampions.

Die Schleswig-Holsteiner wurden im ersten Abschnitt primär über den Kreis oder durch Einzelaktionen ihres Ausnahmekönners Sander Sagosen gefährlich. Aktionen über die Außen Magnus Landin und Ekberg? Praktisch nicht vorhanden!

Lemgo kurz vor der Pause mit drei Toren vorn

Lemgo agierte hingegen sehr konzentriert und zielstrebig. Jonathan Carlsbogård setzte seine Teamkameraden immer wieder gut in Szene. Und die Abschlussquote der Ostwestfalen war zunächst besser als die des THW, wobei auch das Team von Trainer Florian Kehrmann noch einige freie Würfe liegen ließ. Nach 26 Minuten schlug dennoch eine verdiente 12:9-Führung für den Titelverteidiger zu Buche. Jicha nahm eine Auszeit und begann diese mit Worten, die verdeutlichten, wie sehr seine Handballer noch an der Pleite im Semifinale des Vorjahres zu knabbern hatten: "Wir müssen unsere Nervosität abschütteln." Danach forderte der Coach seine Schützlinge auf, mit "Mut Richtung Tor zu gehen".

Jichas Ansprache zeigte die erhoffte Wirkung. Mit einem 3:0-Lauf glichen die "Zebras" zum 12:12 aus - der Halbzeitstand.

THW Kiel - TBV Lemgo Lippe 28:26 (12:12)

Tore THW Kiel: Sagosen (8), Reinkind (5), Wiencek (5), Duvnjak (2), Ekberg (2), Zarabec (2), Pekeler (1), Dahmke (1), Weinhold (1), Jacobsen (1)
TBV Lemgo Lippe: Elisson (7/3), Suton (4), Zerbe (4), G. Guardiola (3), Cederholm (2), Simak (2), Hutecek (1), Carlsbogard (1), Schagen (1), Johannesson (1)
Zuschauer: 12.800

Landin wächst über sich hinaus

Dem THW gelangen unmittelbar nach dem Seitenwechsel zwar zwei weitere Treffer zur 14:12-Führung. Absetzen aber konnte sich der Rekordpokalsieger nicht. Lemgo - in der Bundesliga mit 18 Punkten Rückstand auf den Tabellenzweiten aus Kiel nur Neunter - spielte weiter auf sehr hohem Niveau. Bei einer 24:23-Führung und eigenem Ballbesitz hatten die Ostwestfalen die Chance, die zusehends wieder nervöser wirkenden Kieler mit einem weiteren Treffer noch mehr unter Druck zu setzen. Doch das Kehrmann-Team verlor den Ball, und Wiencek gelang im Gegenstoß der Ausgleich (54.). Kurz darauf traf Harald Reinkind zum 25:24, bevor Keeper Landin einen eigentlich sehr guten Wurf von Tim Suton entschärfte.

Als Ekberg dann auf der Gegenseite im Nachsetzen den Vorsprung des THW auf zwei Treffer ausbaute und der überragende Landin mit seiner 14. Parade gegen Frederik Simak rettete, waren die "Zebras" 180 Sekunden vor Ultimo auf die Siegerstraße eingebogen. Sander Sagosen sorgte mit dem 28:25 (58.) schließlich für die Vorentscheidung.

Magdeburg gegen Erlangen nur anfangs mit Mühe

Auch Magdeburg sah sich im zweiten Halbfinale einem leidenschaftlich um seine Außenseiterchance kämpfenden Kontrahenten entgegen. Bis zum 7:7 (11.) agierten die erstmals für das Final Four qualifizierten Erlanger auf Augenhöhe mit dem Bundesliga-Tabellenführer. Anschließend erlaubten sich die Franken zu viele Fehler, die der SCM mit all seiner individuellen Klasse abgeklärt bestrafte.

Insbesondere die Kreise der beiden isländischen Rückraumspieler Omar Ingi Magnusson und Gisli Kristjansson waren vom HCE nicht entscheidend zu stören. Die Mannschaft von Trainer Bennet Wiegert führte nach dem Tor von Kay Smits zum 17:12 (25.) erstmals mit fünf Treffern und hatte damit bereits ein Fundament für den Sieg gegossen.

SCM auch nach der Halbzeit souverän

Auch nach dem Seitenwechsel war Erlangen mit dem Magdeburger Tempo überfordert. Nachdem Kristjansson auf 21:15 für den Favoriten erhöht hatte (38.), versuchte HCE-Coach Raul Alonso in einer Auszeit noch einmal mit einer emotionalen Ansprache und einigen taktischen Veränderungen auf seine Akteure einzuwirken. Doch die Franken hatten nicht mehr viel zuzusetzen. Als Simon Jeppsson, mit 138 Treffern derzeit bester Erlanger Bundesliga-Schütze, in der 44. Minute mit einem Siebenmeter an Keeper Jannick Green scheiterte, dürfte den meisten mitgereisten Fans des Außenseiters endgültig bewusst geworden sein, dass der an die Kabine ihres Teams geklebte Spruch: "Zeit, Geschichte zu schreiben", ein Wunsch bleiben wird.

SC Magdeburg - HC Erlangen 30:22 (17:13)

Tore SC Magdeburg: Magnusson (6/3), Kristjansson (5), Mertens (4), O'Sullivan (3), Smits (3), Musche (2), Jensen (2), Weber (2), Damgaard (1), Gullerud (1), Hornke (1)
HC Erlangen: Jeppsson (6/2), Metzner (5), Fäth (3), Zechel (3), Sellin (2), Firnhaber (1), Steinert (1), Olsson (1)

Bald darauf stand der standesgemäße und eigentlich nie gefährdete Magdeburger Sieg fest. "Ich glaube, dass heute auch ein bisschen Erfahrung gefehlt hat, mit dieser Situation umzugehen - gerade in der ersten Halbzeit. Da haben wir viele Nerven gezeigt", sagte HCE-Coach Alonso.

Sein Gegenüber Wiegert meinte mit Blick auf das Endspiel gegen Kiel: "Der THW ist eine Hausnummer. Er hat noch einmal eine andere Erfahrung, als wir sie vielleicht schon gewonnen haben über die letzten Jahre. Ich freue mich trotzdem drauf."

Dieses Thema im Programm:
Sportschau | 24.04.2022 | 13:15 Uhr