Max Kruse jubelt im Trikot des VfL Wolfsburg

NDR-Sport Datencheck: "Key-Spieler" Kruse bringt alles mit für die Wende beim VfL Wolfsburg

Stand: 31.01.2022 13:51 Uhr

Mit Max Kruse hat Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg den Überraschungs-Transfer des Winters gelandet. Ist die Rückkehr des Ex-Nationalspielers zu den Niedersachsen sinnvoll? Die Daten des 33-Jährigen sprechen eine klare Sprache.

Von Matthias Heidrich

Der VfL Wolfsburg hat das Geld und Max Kruse möchte es gerne verdienen, so einfach kann manchmal das Fußballgeschäft sein. Dabei ist es völlig unerheblich, ob der überraschende Wechsel des gebürtigen Reinbekers von Union Berlin zurück zu den "Wölfen" in die romantische Vorstellung vom Profifußball vieler Beobachter passt. Kruse ist es eh egal, was "die Leute" von ihm halten. Er macht, was er für richtig hält und hat das "langfristige und hoch dotierte" Angebot des VfL gerne angenommen.

Ob Juni 2023 als langfristig zu bezeichnen ist, sei dahingestellt. Dass die Zahlen im VfL-Vertrag offenbar ungleich höher als in seinem Arbeitspapier mit den "Eisernen" ausfallen, führt zu der Frage: Ist Kruse das Geld sportlich wert?

Kruse muss sofort funktionieren

Der 33 Jahre alte Angreifer muss sofort funktionieren bei den angeschlagenen Wolfsburgern, die zuletzt neun Ligaspiele in Serie ohne Sieg blieben, ihren Kader jetzt schlagartig entscheidend umgebaut haben und am Sonntag im Heimspiel gegen Aufsteiger Greuther Fürth (17.30 Uhr, im NDR Livecenter) unter immensem Erfolgsdruck stehen.

Fünftbester Bundesligastürmer

Gemessen an den GSN-Daten kann Kruse fraglos der "Key-Spieler" sein, der in Wolfsburg die Wende zum Besseren bringt. Sein "Performance-score" von 59,78 weist ihn als den aktuell fünftbesten Bundesligastürmer aus. Er hat in der laufenden Saison fünf Treffer für Union erzielt und fünf vorbereitet. Der Linksfuß kreiert im Schnitt 1,86 Torchancen pro Partie aus seiner Position heraus (nur Frankfurts Ragnar Ache ist mit 2,2, besser). Er spielt 34 Pässe pro 90 Minuten (Rang zwei) und 26 davon kommen an (Platz drei). Schlüsselpässe gelingen ihm im Schnitt 1,03 (Rang fünf).

Kruse trifft auch selbst, aber seine Vorbereiter-Qualitäten machen ihn als Offensiv-Gesamtpaket so wertvoll. Der 33-Jährige ist ähnlich wie Bayerns Thomas Müller eine Art Raumdeuter, lässt sich gerne fallen und fungiert so als Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff. Eine hängende Spitze mit Spielmacherqualitäten kann Wolfsburg gut gebrauchen.

Zweikämpfen versucht Kruse anscheinend bewusst aus dem Weg zu gehen, er führt und gewinnt äußerst wenige (jeweils Rang 50 mit im Schnitt 12,9 pro Partie und nur 4,23 erfolgreichen). Ebenso sieht es beim Pressing aus, das nicht seins ist - nur 12,48 Aktionen pro Spiel, 3,40 davon erfolgreich, jeweils Platz 44.

NDR Grafik zur Datenanalyse von Wolfsburgs Neuzugang Max Kruse

Nicht schnell auf den Beinen, aber im Kopf

Fehlende Schnelligkeit wird Kruse immer wieder negativ angehaftet. Die ist mit lediglich 31,15 km/h Topspeed auch nicht von der Hand zu weisen. Dafür macht der Norddeutsche das Spiel schnell. 46,51 Prozent seiner Pässe zu den Mitspielern erfolgen mit dem ersten Kontakt. Sein "Directness-Wert", also der Anteil von Pässen nach vorne, liegt mit 25,73 Prozent auf einem sehr hohen Niveau. Kruse ist technisch und mental handlungsschnell.

Neuzugang Wind passt gut zu Kruse

Um Kruses Potenzial optimal zu nutzen, braucht es aber einen Zielspieler mit Verwerter-Qualitäten. Wout Weghorst hat es im Zuge der Wolfsburger Umbaumaßnahmen nach England verschlagen. Als Ersatz hat der VfL Jonas Wind vom FC Kopenhagen verpflichtet. Der 1,90 Meter große dänische Nationalspieler könnte gut zu Kruse passen. Der kräftige Stoßstürmer ("Performance-score" 56,22) ist taktisch gut geschult, hat einen starkes Pass- aber auch Kopfballspiel und bewegt sich trotz seiner Physis sehr gut in die offensiven Räume.

Der Wind-Transfer hat die Wahrscheinlichkeit noch einmal erhöht, dass Kruse besser funktioniert als während seines ersten kurzen Gastspiels in Wolfsburg (2015/2016). VfL-Trainer Florian Kohfeldt kennt Kruse und dessen Vorzüge aus der gemeinsamen Zeit bei Werder Bremen (2017 bis 2019). Er weiß, dass der kreative Linkfuß richtig eingesetzt das Offensivspiel einer Mannschaft auf ein anderes Level heben kann.

NDR Grafik zur Datenanalyse von Wolfsburgs Neuzugang Max Kruse

Er weiß aber auch, dass Kruse ein Freigeist ist, den man sich sportlich und finanziell leisten können muss. Letzteres ist geklärt. Für den taktischen Umbau ist nun Kohfeldt zuständig, damit aus der Rückholaktion auf allen Wolfsburger Ebenen eine Win-win-Situation wird.

Dieses Thema im Programm:
NDR Info | 31.01.2022 | 14:00 Uhr