Corona und Profisport: Jubeln muss erlaubt sein

Die Kieler Mannschaft feiert ihren Sieg.

NDR-Sport

Corona und Profisport: Jubeln muss erlaubt sein

Sich in den Armen liegende Fußballprofis auf dem Platz wirken wie aus einer anderen Welt - doch sie zu verurteilen wäre weltfremd. Ein Kommentar.

Bei den Bund-Länder-Beratungen am Dienstag wurden die Maßnahmen in der Corona-Krise noch einmal verschärft. Jubelnde, sich in den Armen liegende Fußballprofis auf dem Platz wirken dabei wie aus einer anderen Welt - doch sie zu verurteilen wäre weltfremd.

Ein Kommentar von Matthias Heidrich

Man stelle sich vor, Holstein Kiel schmeißt den großen FC Bayern München im Elfmeterschießen aus dem DFB-Pokal - und dann: keine Jubeltraube, keine Umarmungen oder Triumph-Gesänge in der Kabine. Stattdessen: Stille. Maske auf, Abstand halten und ab nach Hause. Unvorstellbar.

Die Symbolwirkung feiernder Sportler ist in Zeiten immer schärferer Corona-Maßnahmen groß. Dass die Profis scheinbar in einer Parallelwelt unterwegs sind, ruft besorgte Politiker auf den Plan. "Kinder dürfen nicht Fußball spielen, während man in der Bundesliga so weitermacht, als wäre nichts gewesen - auch mit der Mutation, die jetzt im Spiel ist", sagte der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) dem Saarländischen Rundfunk.

Meyer: "Spiel und Training nicht so kritische Momente"

Nicht nur, dass der Vergleich hinkt, weil die Profis lediglich ihrem Beruf nachgehen, ohnehin verbirgt sich hinter dieser populistischen Äußerung wohl die Angst vor möglichem Wähler-Frust über die vermeintliche Sonderrolle des Profisports.

"Das Spiel und das Training sind gar nicht so die kritischen Momente", sagte Tim Meyer, Teamarzt der deutschen Nationalmannschaft und Autor des Hygienekonzepts der Deutschen Fußball Liga, dem Deutschlandfunk"Es ist eher das Miteinander der Mannschaft: Umkleidekabinen, Duschen, Busse und ähnliches."

Fall Embolo hat Symbolwirkung

Natürlich gibt es positive Corona-Fälle im Profisport, wie in allen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens auch. Manche sind sicherlich vermeidbar, durch die Einhaltung der Hygienekonzepte oder einfach gesunden Menschenverstand, wie das Beispiel Breel Embolo zeigt. Der Gladbacher Spieler war nach Polizei-Angaben Gast einer illegalen Party. Er bestreitet die Party-Vorwürfe, räumt aber ein, mit dem Besuch eines Freundes in Essen "in der heutigen Zeit" einen Fehler begangen zu haben.

Die Symbolwirkung ist so oder so fatal. Alle müssen sich an die Regeln halten. Nicht zuletzt Fußballprofis, die für viele Menschen eine Vorbildfunktion einnehmen. Die Embolo-Geschichte ist zu Recht ein Aufreger, sich umarmende Pokal-Helden sind es nicht.

Profisport fordert unvergleichliche Emotionen heraus - Jubeltrauben bei großen Siegen, tröstende Umarmungen bei bitteren Niederlagen. Wer ein stets Corona-konformes Verhalten von mit Adrenalin vollgepumpten Athleten fordert, fordert menschlich Unmögliches.

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Dieses Thema im Programm:
Sportclub | 24.01.2021 | 22:50 Uhr

NDR | Stand: 21.01.2021, 15:46

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