Corona und Handball: Große Sorge bei Schmäschke und der HBL

SG-Geschäftsführer Schmäschke: "Impfen, impfen, impfen!" Verfügbar bis 01.02.2022

NDR-Sport

Corona und Handball: Große Sorge bei Schmäschke und der HBL

Von Matthias Heidrich

Infizierte Profis, Spielabsagen und die bange Frage nach Zuschauern: Die Corona-Pandemie hat auch die Handball-Bundesliga wieder erfasst. Der HBL droht eine weitere Chaos-Saison. Doch sie handelt diesmal anders als im vergangenen Jahr.

"Ich fange schon an, mir Sorgen zu machen", sagte Dierk Schmäschke, Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt, im NDR Interview mit Blick auf den Spielplan der Handball-Bundesliga. Wegen fünf Corona-Fällen bei der SG und sechs beim SC Magdeburg hatte die HBL am vergangenen Wochenende die Partien beider Clubs abgesagt.

"Ich wage zu behaupten, dass solche Fälle noch öfter auf uns zukommen werden", so Schmäschke, für den in der aktuellen Situation mit "exorbitant gestiegenen Corona-Infektionszahlen" allerdings die Gesundheit an erster Stelle steht.

"Wir werden alles dafür tun, dass die Gesundheit von Spielern, Offiziellen und den Zuschauern im Vordergrund steht."
— SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke

Die Absage des Nordduells zwischen der TSV Hannover-Burgdorf und Flensburg sowie des Spiels der Magdeburger gegen TuS N-Lübbecke sei daher richtig.

Schmäschke: "HBL hat gut und klug entschieden"

"Ich finde es gut und klug, wie die HBL in diesen beiden Fällen entschieden hat. Man sieht ja gerade, was um uns herum passiert", sagte der SG-Chef. "Dem müssen wir dringend versuchen, durch unsere eigene Verantwortung Einhalt zu gebieten."

Die HBL hatte nach den positiven Tests in Flensburg und Magdeburg proaktiv gehandelt und gar nicht erst auf mögliche Anordnungen der jeweiligen Gesundheitsämter gewartet. Dabei überging die Liga auch ihre eigenen Corona-Regeln, die vorsehen, dass Mannschaften antreten müssen, wenn die Hälfte des Lizenzspieler-Kaders einsatzfähig ist. Das wäre sowohl bei Flensburg als auch bei Magdeburg der Fall gewesen.

Kritik aus Kiel an der HBL

"Unsere Maßgabe lautet: Die Gesundheit steht über allem. Wir gehen auf Nummer sicher", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, erntete danach allerdings Kritik aus Kiel. Der THW musste vor wenigen Wochen trotz zweier positiver Fälle und der anschließenden 14-tägigen Quarantäne für die Spieler alle anstehenden Partien bestreiten. Ohne die Leistungsträger Sander Sagosen und Steffen Weinhold büßte der Rekordmeister Punkte in Lemgo (21:21) und gegen den SC Magdeburg (27:29) ein.

Liga-Chef Bohmann kontert

Bohmann sieht allerdings Unterschiede zu den Spielabsagen bei Magdeburg und Flensburg. Dort habe eine Tendenz bestanden mit der Gefahr, "dass weitere Spieler infiziert sind. Darum haben die spielleitende Stelle und ich diese Entscheidung getroffen, weil wir eine erhebliche Gesundheitsgefahr gesehen haben", sagte der HBL-Boss. Beim THW hingegen seien die beiden Spieler früh isoliert worden, dort habe es keine negative Entwicklung gegeben.

Schmäschke: "Einheitliche Regeln würden helfen"

Schmäschke würde "einheitliche Regeln" begrüßen, die womöglich angepasst werden müssten. Gemessen an den jüngsten HBL-Entscheidungen könnte es in den kommenden Wochen zu vielen weitere Spielabsagen kommen, die im eng getakteten Handball-Kalender nachgeholt werden müssen und die Clubs erneut vor große Probleme stellen würden.

Möglich, dass Kiel oder Flensburg dann sogar vor leeren Rängen spielen müssen. In Sachsen sind angesichts der Infektionszahlen bereits wieder Geisterspiele angeordnet, was den SC DHfK Leipzig zumindest am 2. Dezember gegen Balingen-Weilstetten treffen wird. Wie viele andere Profiligen auch sind die Handball-Clubs wirtschaftlich abhängig von den Zuschauereinnahmen.

"Bis zum Jahresende kommen wir mit den staatlichen Hilfen wirtschaftlich gut hin", hatte HBL-Präsident Uwe Schwenker am Donnerstag gesagt. Danach sähe es allerdings anders aus.

Flensburg und Kiel stellen auf 2G um

Geisterspiele stehen in Schleswig-Holstein dank niedriger Inzidenzen noch nicht zur Debatte. Allerdings müssen sowohl die SG als auch der THW durch das Inkrafttreten der neuen Corona-Landesverordnung nun auf 2G bei ihren Heimspielen umstellen. Nur noch Geimpfte und Genesene können ab Sonntag dabei sein, wenn Kiel Leipzig und die SG Wetzlar empfängt. Zuvor hatten beide Nordclubs 3G praktiziert (Geimpft, Genesen und Getestet).

"Insgesamt ist das Verständnis für 3G und jetzt 2G sehr hoch. Wir haben da wenig negative Resonanz."
— Dierk Schmäschke

Für Schmäschke ist es der richtige Weg. "Ich bin ein Befürworter von 2G. Für uns ist es keine große Umstellung, wir können das auch kontrollieren", sagte der 63-Jährige. Probleme mit den SG-Fans erwartet er nicht: "Insgesamt ist das Verständnis für 3G und jetzt 2G sehr hoch. Wir haben da wenig negative Resonanz."

Maskenpflicht auch in Flensburg?

Die Kieler haben über die von der Politik verordnete 2G-Regelung hinaus eine Maskenpflicht in der THW-Arena erlassen. Die könnte auch in Flensburg kommen. "Das überlegen wir noch", so Schmäschke, der in der aktuellen Situation alle gefordert sieht: "Wir haben nicht nur für die Spieler, sondern auch für deren Familien und Kinder Verantwortung. Das gilt nicht nur für uns, sondern für alle Vereine."

Dieses Thema im Programm:
Sport aktuell | 23.11.2021 | 10:25 Uhr

NDR | Stand: 23.11.2021, 17:25

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