Hansa Rostock: DFB ermittelt, scharfe Worte von Grote an Club

Fans von Hansa Rostock halten ein geschmackloses Plakat in die Höhe

Fußball | 2. Bundesliga

Hansa Rostock: DFB ermittelt, scharfe Worte von Grote an Club

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat wegen eines verunglimpfenden Banners ein Ermittlungsverfahren gegen den Zweitligisten Hansa Rostock eingeleitet. Hamburgs Innensenator Grote schrieb einen Brief an die Vereinsführung.

Der DFB forderte den FC Hansa zu einer Stellungnahme auf und nimmt den Club darüber hinaus in die Pflicht. Der Kontrollausschuss hielt den Verein nicht nur an, die Täter zu identifizieren, sondern auch "die diesbezüglichen Aufklärungsbemühungen darzustellen". Das Spruchband war am Sonntag während der Partie gegen den SV Sandhausen (1:1) entrollt worden.

Grote: "Neue Dimension der Verrohung"

Hamburgs Innen- und Sportsenator Andy Grote wandte sich mit scharfen Worten an Hansa Rostocks Vereinsvorstand. "Dass hier offen der tragische und viel zu frühe Tod eines jungen Polizisten unserer Landesbereitschaftspolizei mit höhnischer Genugtuung begrüßt wird, ist unerträglich und eine Stufe von Menschenverachtung, die wir in deutschen Stadien so noch nicht erlebt haben. Der Vorfall stellt für mich eine neue Dimension der Verrohung dar, die uns alle erschüttern und alarmieren sollte."

Grote fordert den Club auf, "gezielte Maßnahmen gegen die Verantwortlichen" zu ergreifen und zugleich "ein klares Zeichen der Solidarität an die Polizistinnen und Polizisten in unserem Land und die Familie des Verstorbenen" zu senden. "Wer alle Werte des Sports und der Menschlichkeit mit Füßen tritt, hat in Fußballstadien nichts verloren", schrieb der SPD-Politiker.

Soldatin offenbar bespuckt

Nach Angaben der Bundespolizei gab es im Umfeld des Spiels offenbar noch einen weiteren Vorfall: Eine Soldatin in Uniform soll von einem Hansa-Fan im Rostocker Hauptbahnhof beleidigt und anschließend ins Gesicht bespuckt worden sein. Die Frau sei zusammen mit einer Familienangehörigen unterwegs gewesen, als aus einer größeren Gruppe von Hansa-Fans heraus eine männliche Person bedrohlich und mit erhobenen Händen auf sie zugekommen sei, hieß es. Dann sei es zu der Straftat gekommen.

Hansa distanziert sich

Das Spruchband im Stadion hatte die Aufschrift "Einer weniger, ACAB!" (All cops are bastards) getragen und bezog sich auf den Tod eines Polizisten aus Hamburg. Von dem "beschämenden Banner" hatte sich Hansa am Montag distanziert und "diese Pietätlosigkeit aufs Schärfste" verurteilt. Zudem bat der Zweitligist bei den Angehörigen des Verstorbenen um Entschuldigung. Dieser war nach Angaben der Polizeigewerkschaft Hamburg bei einem Lehrgang in Mecklenburg-Vorpommern nach einer nächtlichen Belastungsübung im Alter von 24 Jahren gestorben.

Auch in den Augen von Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Torsten Renz (CDU) reichen allerdings "in diesem Zusammenhang Distanzierungen und Entschuldigungen des Vereins nicht mehr aus. Ich erwarte, dass die Vereinsverantwortlichen mit aller Konsequenz Einfluss darauf nehmen, dass solche herabwürdigenden Banner gar nicht erst ins Stadion gelangen können".

Dieses Thema im Programm:
Nordmagazin | 18.10.2021 | 19:30 Uhr

NDR | Stand: 19.10.2021, 20:48

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