Hockey Aufsteiger Oldenburg im Party-Rausch - "Jetzt fängt Fußball erst richtig an"

Stand: 05.06.2022 13:39 Uhr

Die Party war rauschend, doch nach dem Aufstieg wartet viel Arbeit auf den VfB Oldenburg. Für die Dritte Liga braucht es eine neue Arena, weil das Marschweg-Stadion den Anforderungen des DFB nicht entspricht.

Das hatte Oldenburg lange nicht gesehen. 12.000 Zuschauer im Marschweg-Stadion gaben dem Aufstiegsrückspiel des VfB gegen den BFC Dynamo den richtigen Rahmen - und verwandelten die altehrwürdige Spielstätte nach der feststehenden Rückkehr in den Profifußball in eine Party-Zone. "Schauen Sie sich das an - darauf freue ich mich. Das wird jetzt höchstwahrscheinlich bei uns zu Hause oft so sein", sagte Trainer Dario Fossi, wies mit ausladender Geste auf die feiernden Massen und versprach: "Jetzt fängt Fußball erst richtig an."

Der VfL Osnabrück, 1860 München oder auch Dynamo Dresden - sportlich ist die Dritte Liga auf jeden Fall sehr reizvoll. "Für den Verein bedeutet das so viel. Das gab es hier seit Jahrzehnten nicht", sagte Kapitän Max Wegner.

Viel Tradition, aber die Nummer eins ist Basketball

Drei Jahrzehnte lang war auf den bekanntesten Bildern des Oldenburger Fußballs immer viel Prominenz zu sehen. Rudi Assauer etwa, der legendäre Manager. Wolfgang Sidka, der 333-malige Bundesliga-Profi. Und Klaus Baumgart, ein Teil des Schlager-Duos Klaus & Klaus. Gemeinsam hätten sie den VfB Oldenburg 1992 als Sportchef, Trainer und Vizepräsident beinahe zum Aufstieg in die Bundesliga geführt. Am Ende fehlte dazu nur ein Punkt.

Zur Geschichte gehört aber auch der tiefe Fall: 2004 und 2008 stürzte der Traditionsclub sogar in die Fünftklassigkeit ab. Lange fristete der Fußball in Oldenburg ein Schattendasein. Die Nummer eins der Stadt sind die Baskets. Die "Donnervögel" locken regelmäßig gut 6.000 Zuschauer in ihre Halle und sind mit ihren Erfolgen zu einem der besten Clubs des ganzen Landes aufgestiegen.

VfB bewegt immer noch die Massen

Welche Massen der VfB allerdings noch immer bewegen und welche Kraft er noch immer entfalten kann, zeigte sich an diesem Pfingstwochenende, an dem die 170.000-Einwohnerstadt nach 25 Jahren in den deutschen Profifußball zurückkehrte.

"Diese Mannschaft ist gar keine Mannschaft, es ist einfach eine Top-Familie, die super miteinander harmoniert."
— Abwehrspieler Gazi Siala

"Das war meine fünfte Saison beim VfB Oldenburg. Ich habe in dieser Zeit Höhen und Tiefen erlebt", sagte auch der Abwehrspieler Gazi Siala. "Emotional gesehen ist dies die schönste Saison für mich. Diese Mannschaft ist gar keine Mannschaft, es ist einfach eine Top-Familie, die super miteinander harmoniert."

DFB fordert mehr als sportlichen Erfolg

Doch dass neben Teamgeist und sportlichem Erfolg vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) noch viel mehr gefordert wird, um in der Dritten Liga dabei sein zu können, war schon vor dem Spiel mehr als deutlich geworden. "Wir haben Auflagen vom DFB, die ein aufstrebender Verein erst mal erfüllen muss. Da sind Vereine wie Dynamo Dresden, die etabliert sind und ein großes Stadion haben, unglaublich im Vorteil. Unser Etat ist natürlich kleiner als bei solchen großen Traditionsvereinen", sagte Sidka dem "Deutschlandfunk". Der ehemalige Trainer ist mittlerweile der Präsident des VfB und weiß: "Das ist ein sehr, sehr großer Schritt."

Lärmschutz, kein Flutlicht, keine Rasenheizung

Sidka selbst ist dafür verantwortlich, den Club weiter zu professionalisieren. Das größte Problem ist und bleibt die Stadionfrage. Das Oldenburger Marschweg-Stadion kann wegen Lärmschutzvorgaben nicht für die späten Anstoßzeiten in der Dritten Liga genutzt werden. Ohnehin fehlen Flutlicht und Rasenheizung - die ebenfalls zu den Vorschriften des DFB gehören. Das Stadion muss laut Verband immer zur Verfügung stehen.

Der Präsident hofft, dass die städtische Arena bis zum Beginn der neuen Saison so weit nachgerüstet werden kann, dass dort zumindest tagsüber und bei Plusgraden gespielt werden kann. Für alle anderen Fälle braucht Oldenburg ein Ausweichstadion. Ein solches hat der VfB in seinem Lizenzierungsantrag auch schon angegeben. Um welches es sich handelt, will der Club aber erst in den kommenden Tagen öffentlich machen.

Sidka: "Oldenburg braucht ein Fußball-Stadion"

Und dann ist da ja noch der Traum vom Stadionneubau - direkt neben der Arena der Basketballer. Platz ist da, Geld haben die Fußballer nach Jahren in den Niederungen des Amateursports allerdings nicht. Die Rede ist von 40 Millionen Euro. Trotzdem gibt sich die Politik bisher genauso optimistisch wie der Verein. Eine Machbarkeitsstudie soll nun die zentrale Fragen beantworten. "Ich glaube, dass Oldenburg in Zukunft ein Fußball-Stadion braucht", ist Sidka überzeugt. Der Aufstieg und die Fan-Massen, die dieser Erfolg bewegte, seien dafür "wieder ein ganz starker Beweis".

Dieses Thema im Programm:
Sportclub | 04.06.2022 | 14:00 Uhr