"Ein geiles Derby" - St. Pauli beendet Siegeszug des HSV

HSV-Spieler Jan Gyamerah und St. Paulis Torwart Robin Himmelmann, sowie HSV-Akteur Jeremy Dudziak neben St. Paulis Christopher Avevor und Daniel-Kofi Kyereh (v.l.)

NDR-Sport

"Ein geiles Derby" - St. Pauli beendet Siegeszug des HSV

Von Florian Neuhauss

Mit dem Ergebnis war am Ende niemand so recht zufrieden - weil in einer ereignisreichen Schlussphase für beide Seiten der Sieg drin war.

Weder der FC St. Pauli noch der Hamburger SV, der spät ausglich, waren mit dem 2:2 (1:1) zufrieden. Der HSV wartet seit nunmehr 19 Jahren auf einen Heimsieg im Hamburger Derby.

"Es schmerzt, dass wir uns für den Aufwand nicht belohnt haben", sagte HSV-Trainer Daniel Thioune dem NDR. Sein Gegenüber Timo Schultz befand: "Ich will immer gewinnen. Von daher bin ich mit dem Unentschieden nicht zufrieden."

Die Kiezkicker haben zwar erst eine Zweitliga-Partie verloren, aber nun bereits vier Remis auf dem Konto. Vor den 1.000 Zuschauern im Volksparkstadion zeigten die Gäste am Freitagabend einmal mehr eine Leistung mit viel Herz und Esprit, es kommt aber zu wenig dabei herum. Symbolhaft der 2:1-Führungstreffer acht Minuten vor dem Ende, dem der prompte Ausgleich folgte. Der HSV, weiter ungeschlagener Tabellenführer, agierte abgezockt und verbuchte dank des vierten Doppelpacks von Simon Terodde eiskalt seinen 16. Saisonpunkt.

"Nach so einem Nackenschlag kurz vor Schluss verlierst du so ein Spiel normalerweise", betonte Terodde. "Wir sind aber wieder zurückgekommen. Morgen freuen wir uns über den Punkt."

Auch St. Paulis Marvin Knoll blickte mit gemischten Gefühlen auf die 90 Minuten. "Wenn du kurz vor Schluss führst, willst du natürlich auch den Sieg", unterstrich der Kapitän der Gäste. "Es ist sehr, sehr bitter, dass wir so schnell das Gegentor kassieren. Aber man muss als Fußballfan sagen: Das war ein geiles Derby."

Terodde, einfach unverbesserlich

Die St. Paulianer hatten sehr selbstbewusst begonnen und hätten eigentlich in Führung gehen müssen. Nach einem schönen Spielzug und einem Fehler von HSV-Verteidiger Stephan Ambrosius kam Simon Makienok frei im Sechzehner zum Abschluss, doch Torhüter Sven Ulreich musste noch nicht mal eingreifen (6.). Zuvor hatte der baumlange Däne auch schon einen Kopfball neben den Kasten gesetzt.

Anschauungsunterricht bekam Makienok wenig später vom besten Stürmer der Zweiten Liga. Josha Vagnoman schickte St. Paulis Max Dittgen mit einer einfachen Täuschung ins Karussell, seine Flanke fand am langen Pfosten Terodde, und der ließ sich freistehend per Kopf nicht zweimal bitten - 1:0 (12.). St. Pauli war sichtlich um Fassung bemüht, hatte aber Glück, dass nicht schon acht Minuten später das 2:0 fiel. Dieses Mal rettete für die Gäste gegen Terodde der Pfosten.

"Zauberer" Zalazar schlägt wieder zu

Der Aluminium-Treffer geriet zum Weckruf für die Kiezkicker, die in der Folge wieder Linie in ihr Spiel und Chancen bekamen. In der 35. Minute fiel der verdiente Ausgleich, bei dem Makienok seine Qualitäten zeigte. Geschickt schirmte der Mittelstürmer mit dem Rücken zum Tor den Ball ab und legte dann perfekt auf: St. Paulis Shootingstar Rodrigo Zalazar kam angestürmt und traf genauso wuchtig wie platziert ins Eck.

St. Pauli dreht das Spiel, HSV schlägt eiskalt zurück

Der HSV versuchte es auch in der zweiten Hälfte immer wieder mit Wucht - zumeist über Vagnomans rechte Seite. Schöner anzusehen war das Spiel der Kiezkicker. Die Partie war nun offen, verlor aber immer mehr an Fahrt. Auch fünf Wechsel auf einen Schlag in der 70. Minute sorgten nicht für Belebung.

"Ich habe hier auch schon mal 0:0 gespielt. Da sind die Fans in der 85. Minute nach Hause gegangen, weil es so langweilig war. Die 1.000 Zuschauer haben heute ein gutes Spiel gesehen, das ein volles Stadion verdient hatte."
— St.-Pauli-Kapitän Marvin Knoll

Doch auf einmal führte St. Pauli. Daniel-Kofi Kyereh passte zu Makienok und der nutzte seine langen Beine, um den Ball mit der Fußspitze an Ulreich vorbei ins Netz zu bugsieren (82.). Der braun-weiße Jubel - vor der leeren Gästekurve - war allerdings kaum verhallt, da lag der Ball schon auf der anderen Seite im Netz. Und wer sollte das Tor erzielt haben, wenn nicht Terodde, der nach Ablage von Jeremy Dudziak eiskalt vollendete (84.). Es war der Schlusspunkt des ersten Corona-Derbys, es hatte keinen Sieger verdient.

Dieses Thema im Programm:
Die NDR 2 Bundesligashow | 30.10.2020 | 18:30 Uhr

NDR | Stand: 31.10.2020, 10:25

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