Warum Minges Erfolg auch zum Gradmesser für HFC-Präsident Rauschenbach wird

Ralf Minge und Jens Rauschenbach, Präident Hallescher FC

Neuer Sportchef

Warum Minges Erfolg auch zum Gradmesser für HFC-Präsident Rauschenbach wird

Von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Mit Ralf Minge hat der Hallesche FC einen neuen Sportdirektor vorgestellt. Sein Engagement ist ein Signal des Aufbruchs. Der HFC, und mit ihm natürlich auch Jens Rauschenbach, will endlich raus aus dem Mittelmaß. Doch der Club-Präsident wird sich an dieser Verpflichtung auch messen lassen müssen. Ein Kommentar.

Was seit Tagen schon hartnäckig diskutiert wurde, ist seit Mittwochmittag Gewissheit: Ralf Minge übernimmt das Amt des Sportdirektors beim Halleschen FC. Der bisherige Amtsinhaber Ralf Heskamp wurde vom Club beurlaubt. Minge erhält einen Vertrag bis 30. Juni 2023. Zuletzt war er bis 2020 als Sportdirektor bei Dynamo Dresden tätig. 

Mit der Verpflichtung Minges, das ist auf den ersten Blick klar, wechselt der HFC in den Angriffsmodus. Denn zumindest für Ostdeutschland und die 3. Liga ist Minge wohl der größte Name, den der HFC als Sportchef präsentieren konnte. Bei Dynamo ist er nicht nur wegen seiner Zeit als Spieler, sondern auch wegen seiner Verdienste als Verantwortlicher, eine Legende. Auf den zweiten Blick gewährt die Verpflichtung jedoch auch spannende Einsichten in die Arbeitsweise der Verantwortlichen beim HFC.

Abschied aus dem tristen Mittelfeld

Minge soll helfen, den HFC weiterzuentwickeln. Zuletzt hatte der Club seinem Image als graue Maus der 3. Liga alle Ehre gemacht. Mit einer Ausnahme standen in den vergangenen Jahren immer Tabellenplätze im unteren Mittelfeld zu Buche. Aktuell rangiert die Mannschaft von Trainer Florian Schnorrenberg wieder im unteren Mittelfeld der Liga. Finanziell geht es dem HFC dem Vernehmen nach auch nach einem Jahr Corona gut. Sportlich tritt er hingegen seit Jahren weitgehend auf der Stelle.

HFC-Präsident Rauschenbach lobt Minges "überragende Erfahrung" 05:08 Min. Verfügbar bis 12.05.2022

Mit neuem Schwung in die zehnte Drittligasaison

In seine zehnte Drittligasaison will der HFC nun mit neuem Schwung und neuer Euphorie gehen. Fans und Sponsoren sollen das Gefühl bekommen, dass es beim HFC vorangeht. Dazu soll auch Minge mit seiner  Expertise und seiner Ausstrahlung beitragen. Dass er das kann, hat er in Dresden über einen langen Zeitraum bewiesen. Die Zielstellung hat Präsident Jens Rauschenbach am Mittwoch klar formuliert: "Es geht um Konzeption und Entwicklung. Das hängt natürlich auch an Personen. Und seine Erfahrungen im sportlichen Bereich sind da überragend", sagte der Präsident über Minge.  

Rauschenbach hasst Mittelmaß

Doch die Verpflichtung von Ralf Minge ist noch auf einer anderen Ebene spannend: mit Blick auf Jens Rauschenbach selbst nämlich. Der Präsident hasst Mittelmaß. Geht es nach ihm, soll der HFC so schnell wie möglich wieder in die obere Tabellenregion vordringen. Schon 2018, kurz nachdem er ins Präsidium des Clubs eingestiegen war, gelangte ein internes Strategiepapier von ihm in die Öffentlichkeit, das den Weg in die 2. Bundesliga aufzeigen sollte. Stand heute ist der Plan nur teilweise aufgegangen.

2019 wurde Rauschenbach Präsident, als der HFC gerade auf einer Erfolgswelle schwamm und vom Aufstieg träumte. Ein Jahr später musste Trainer Torsten Ziegner gehen, weil er vom Pfad des Erfolgs abgekommen war. Da Nachfolger Ismail Atalan ebenfalls nicht funktionierte, verlor Rauschenbach im Sommer 2020 die Geduld - und auch das Vertrauen in Ralf Heskamp. Die Verpflichtung von Florian Schnorrenberg nahm er selbst in die Hand. Seitdem war das Verhältnis zwischen Präsident und dem bisherigen Sportdirektor gestört. Die Trennung ist letztlich eine Folge dieser Entwicklung.

Bei seinem ersten Besuch im Podcast "Badkurvenversteher" sprach Jens Rauschenbach, damals noch Vize-Präsident beim HFC, darüber, wie er das Graue-Maus-Image des Clubs loswerden will.

Gradmesser für den Präsidenten

Wobei Heskamps Fehlgriff auf der Trainerposition nur ein Punkt ist, mit dem Rauschenbach unzufrieden war. Vor der aktuellen Saison lief die Kaderplanung schleppend. Der Fußball, den Schnorrenbergs Team spielte, war nur selten berauschend. Dafür macht Rauschenbach insgeheim auch Heskamp verantwortlich. Der Vorwurf lautet, die Mannschaft sei schlecht zusammengestellt. Es fehle ihr an Mentalität und junge Spieler würden sich nicht wie erhofft entwickeln. Ein Teil dieser Entwicklung liegt jedoch im Aufgabenbereich des aktuellen Trainers. Rauschenbachs Trainer. 

Weil der HFC nun schon im zweiten Jahr die Erwartungen des Umfelds, vor allem aber des Präsidenten, nicht erfüllen konnte, kommt mit Ralf Minge ein neuer Sportdirektor. Das war eine einstimmige Entscheidung des fünfköpfigen Präsidiums und des Verwaltungsrates, betont Rauschenbach. Zu klären, wie es mit Trainer Schnorrenberg weitergeht, ist eine der ersten Amtshandlungen von Minge.

Bald werden Erfolg oder Misserfolg des 60-Jährigen aber auch zum Gradmesser für Jens Rauschenbach. Der Präsident führt den HFC mit hohem persönlichem Engagement. Nach der Beinah-Pleite 2018 hat er den Club in finanziell ruhiges Fahrwasser geführt. Darüber hinaus engagiert er sich auch mit seinem Privatvermögen, etwa bei der Ausleihe von Braydon Manu. Doch sein Führungsstil gefällt nicht jedem. Im Umfeld des HFC wird viel über die vermeintlichen Alleingänge Rauschenbachs getuschelt. Deswegen wird er sich im dritten Jahr seiner Präsidentschaft am Erfolg dieser Verpflichtung messen lassen müssen. Mit Minge wird sich zeigen, ob der Hallesche FC unter Rauschenbachs Führung tatsächlich zu Höherem berufen ist. Oder ob er weiterhin die graue Maus der 3. Liga bleibt.

3. Liga: Ralf Minge zurück im Fußball-Geschäft 10:40 Min. Verfügbar bis 12.05.2022

MDR/Oliver Leiste

MDR | Stand: 12.05.2021, 21:44

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