Fußball | Super League

Super League nach Rückzug der englischen Klubs (vorerst) beerdigt

Die Gründung einer Liga schien beschlossene Sache und sorgte umgehend für Zündstoff. Und zwar so sehr, dass alle englischen Klubs ihre Teilnahme zurück zogen. Das Projekt gilt als gescheitert - vorerst.

Rohrkrepierer statt Revolution: Die Pläne von zwölf europäischen Fußball-Topclubs für eine Super League sind krachend gescheitert. In der Nacht zum Mittwoch (21.04.2021) gaben die englischen Teams ihren Rückzug von dem Vorhaben bekannt - kurz danach kam die Meldung, dass die Super League nach zwei historischen Tagen schon wieder Geschichte ist.

Vereine machen Rückzieher

Zuvor hatten sich die Reihen der Rebellen gelichtet. Als erster der Initiatoren hatte Manchester City am Dienstagabend seine Teilnahme wieder abgesagt. Dem folgten die anderen fünf englischen Mitgründer FC Liverpool, Manchester United, FC Arsenal, Tottenham Hotspur und FC Chelsea. Im Laufe des Mittwochs zogen auch Atletico Madrid, Juventus Turnier und Inter Mailand zurück.

"Wir haben einen Fehler gemacht"

"Wir haben einen Fehler gemacht und wir entschuldigen uns dafür", hieß es in einem Tweet des FC Arsenal. Der FC Chelsea schrieb: "Nachdem wir uns der Gruppe Ende letzter Woche angeschlossen haben, hatten wir jetzt Zeit, uns eingehend mit der Angelegenheit zu befassen und wir haben entschieden, dass unsere fortgesetzte Teilnahme an diesen Plänen nicht im besten Interesse des Clubs, unserer Fans und der breiteren Fußballgemeinschaft ist."

Super League löst Fußball-Beben aus

Zwölf europäische Spitzenclubs, darunter neben City und Chelsea der FC Liverpool, Real Madrid und Juventus Turin, hatten in der Nacht zum Montag die Gründung einer milliardenschweren Super League angekündigt. Diese stünde in direkter Konkurrenz zur Champions League der Europäischen Fußball-Union UEFA. Aus der Bundesliga hatte sich kein Club der Super League angeschlossen, auch Frankreichs Serienmeister Paris Saint-Germain hatte eine Teilnahme abgelehnt.

Finanziert werden sollte das Projekt durch eine US-Großbank. In England, der Heimat der Hälfte der zwölf Gründerclubs, drohte Premierminister Boris Johnson mit scharfen Sanktionen. Er kündigte in der "Sun" an, dem "lächerlichen" Milliardenprojekt die Rote Karte zu zeigen. Sein Sportminister Oliver Dowden stellte im Parlament drastische Ideen vor, um die "Big Six", die englischen Spitzenvereine, von einer Teilnahme abzuhalten.

Scharfe Proteste - Premiere-League-Spiel beginnt später

Fanprotest | Bildquelle: IMAGO / MB Media Solutions

Die Anhänger verschiedener Vereine hatten zuvor gegen das neue Konstrukt demonstriert und am Ende wohl auch dafür gesorgt, dass das Spiel gerettet wird. Der große Auflauf sorgte sogar dafür, dass der Anstoß der Premier-League-Begegnung zwischen Chelsea und Brighton um 15 Minuten verschoben wurde. Der Protest war zuvor laut und kreativ abgelaufen. Sprüche wie "Ruhe in Frieden Fußball 1863 - 2021" und "Von den Armen geschaffen, von den Reichen gestohlen" waren auf den Schildern zu lesen, die Fußball-Fans hoch hielten.

Auch nationale Verbände und viele andere Clubs kritisierten die Pläne massiv. Die UEFA um ihren Präsidenten Aleksander Ceferin hatte die Initiatoren der Super League scharf attackiert und mit harten Sanktionen gedroht. Die Clubs sollten aus der Champions League ausgeschlossen werden, ihren Nationalspielern drohte eine Sperre für die Europameisterschaft im Sommer.

Die UEFA könnte jetzt die richtigen Signale senden eine Regelung für das Financial Fairplay schafften, die funktioniert, und die beschlossene Reform der Champions League - mit noch mehr Spielen - rückgängig machen.

red/dpa/sid