Sportlehrerverband fordert: "Sportunterricht wegen Corona"

Helge Streubel

MDR-Sport

Sportlehrerverband fordert: "Sportunterricht wegen Corona"

Er ist Vizepräsident des Deutschen Sportlehrerverbandes und sorgt sich um die Schulkinder. Durch den Ausfall unzähliger Sportstunden drohe eine bewegungsferne Generation. Helge Streubel fordert einen Paradigmenwechsel.

Entsteht durch die Corona-Pandemie eine Generation übergewichtiger Nichtschwimmer? Über die Wichtigkeit der Kernfächer in der Schule, wie Mathe oder deutsch, wird immer ausführlich gesprochen. Aber was ist mit dem "Nebenfach" Schulsport?  Der Quedlinburger Helge Streubel ist Vizepräsident des Deutschen Sportlehrerverbandes und zuständig für den Schulsport.

"Sportunterricht bleibt auf der Strecke"

Er hat die Problematik im Blick und appellierte im Talk von "Sport im Osten": "Es ist eine unbefriedigende Gesamtsituation. Der Sportunterricht bleibt auf der Strecke." Dabei sei der Schulsport das einzige Bewegungsfach.  „Es hat einen Doppelauftrag: Die Erziehung durch Sport zum Sport. Und die Kinder auf lebenslanges Sporttreiben vorzubereiten." Doch beides findet an den meisten Schulen momentan und zum Teil seit einem Jahr nicht statt. Mit Folgen, die heute noch nicht absehbar sind. Dabei wäre ein Unterricht möglich, so Streubel. "Man könnte Dinge machen ohne Kontakt, man kann sich geteilt umziehen. Man muss sich nur davon verabschieden, den Lehrplan durchzuziehen.“ Alles sei aber besser als Ausfall oder Sport mit Mund-Nasen-Schutz.

Sport ist "nur" Nebenfach

Sportunterricht mit Mädchen

Streubel klagt, dass man einfach keine Lobby habe. "Wir haben in Deutschland Hauptfächer und Nebenfächer. Die Begrifflichkeit legt nah, was wichtig ist. Die Kernfächer sind relevant für Abschlüsse. Das hat Priorität. Wir brauchen da eine Verschiebung. Es gibt keine unwichtigen Fächer. Die Bewegungserziehung ist wichtig."

Generation von Nichtschwimmern droht

Schwimmunterricht: Kinder mit Schwimmhilfe im Wasser

Was allerdings auch fehle, sei ein Aufschrei gerade der Eltern. Der fehle auch mit Blick auf den Schwimmunterricht, der seit einem guten Jahr praktisch auf Eis gelegt ist. Und das bei einer immer größer werdenden Zahl an Nichtschwimmerinnen und Nichtschwimmern. "Manche reden davon, dass wir zwei Schuljahrgänge verloren haben, wo Schwimmunterricht nicht stattfindet." Viele Kinder würden die Grundschule verlassen als nicht sichere Schwimmer. Dabei könnte man die Hallen zumindest für das Schwimmen öffnen, da meist im Klassenverband unterrichtet wird.  Oft hänge es dabei auch an Entscheidungen, die nicht an der Basis getroffen werden.

Lehrerinnen und Lehrer motiviert

Auch mit regelmäßigen Tests könnte man viel erreichen. Im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt werde beispielsweise in den Grundschulen drei Mal in der Woche getestet. Das wäre eine Möglichkeit, um Sportunterricht zu gewährleisten. An der Motivation der Lehrerinnen und Lehrer liege es übrigens nicht. "Sie ist enorm hoch, trotz vieler Widernisse. Sie sehen die Notwendigkeit, Sport anzubieten." Die Hauptfrage dieser Zeit sei: Was schadet mehr: Die Gefahr der Pandemie oder Bewegungsfern zu werden?  "Die Botschaft muss sein: Sportunterricht nicht trotz,  sondern wegen Corona."

rei

MDR | Stand: 24.03.2021, 15:44

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