Schutz vor Coronavirus: So hoch sind die Impfquoten bei Mitteldeutschlands Sport-Klubs

Eine Spritze mit Impfstoff liegt im Corona Impfzentrum Messe Berlin bereit.

Profisport

Schutz vor Coronavirus: So hoch sind die Impfquoten bei Mitteldeutschlands Sport-Klubs

Von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Infizierte Sportler und abgesagte Spiele: Das Coronavirus beeinflusst auch in der neuen Saison den Alltag der mitteldeutschen Profi-Klubs. Weltweit lehnen zahlreiche Spitzensportler die Corona-Impfung ab. Doch wie ist das in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen?

Zuletzt häuften sich die Beispiele: Die Regionalliga-Fußballer des Chemnitzer FC mussten eine Begegnung absagen, weil fünf Spieler positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Alle infizierten Profis waren ungeimpft. Später stieg die Zahl auf elf Infizierte. Ein weiteres Spiel wurde abgesagt.

In der dritten Liga musste der 1. FC Magdeburg am vergangenen Spieltag auf zwei Stammspieler verzichten. Kai Brünker und Tobias Müller seien zwar geimpft, erklärte der Klub, hätten sich aber dennoch mit dem Coronavirus infiziert.

Infizierte Sportler und abgesagte Spiele: Das Coronavirus beeinflusst auch in der neuen Saison den Alltag der mitteldeutschen Profi-Klubs.

Weltweit lehnen zahlreiche Spitzensportler die Corona-Impfung ab, zuletzt vermehrt im Tennis. Doch wie ist das in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen? Und: Gibt es Unterschiede in den verschiedenen Sportarten?

HFC will "keinen Wettbewerb aus dem Thema" machen

Was zahlreiche Vereine sportartenübergreifend eint: Sie reden ungern öffentlich über Impfquoten. Fußball-Drittligist Hallescher FC erklärt auf MDR-Anfrage zum Beispiel, dem Klub sei "daran gelegen, aus dem Thema Impfung keinen Wettbewerb zu machen, in dem Clubs und die Anzahl der Geimpften gegenübergestellt, verglichen und danach beurteilt werden".

Grundsätzlich herrsche sowohl in der Mannschaft als auch im Trainer- und Funktionsteam eine "sehr hohe Quote vollständig Geimpfter". Aus Datenschutzgründen seien weitergehende Informationen nicht möglich.

Drittliga-Konkurrent 1. FC Magdeburg ist da auskunftsfreudiger: Von den 28 Spielern des Profikaders seien vier nicht geimpft, erklärt Cheftrainer Christian Titz. Für diese vier Profis gelte auch in der Kabine Maskenpflicht, außerdem hätten sie einen eigenen Kabinenbereich.

FCM-Trainer Christian Titz: "Bis auf vier Spieler sind alle durchgeimpft"

00:15 Min. Verfügbar bis 16.09.2022


RB Leipzig mit "sehr hoher" Impfquote

Wie unterschiedlich der Umgang mit dem Thema ist, zeigt sich auch in der Fußball-Bundesliga. Bisher ist lediglich vom FC Augsburg und dem 1. FC Köln bekannt, dass die Mannschaften komplett durchgeimpft sind. Alle anderen Klubs halten sich bedeckt.

RB Leipzig erklärt auf MDR-Anfrage: "Wir haben allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei RB Leipzig – Profis, Verwaltung, Nachwuchs – ein Impfangebot unterbreitet, wozu natürlich auch gehört, dass jeder einzelne eine sorgfältige medizinische Aufklärung im Vorweg der Impfung erhält. In diesem Zusammenhang standen und stehen wir insbesondere mit Spielern und Staff der ersten Mannschaft im ständigen Austausch. Demnach haben wir auch dort eine sehr hohe Impfquote erreichen können."

Doch: "Sich impfen zu lassen unterliegt angesichts mangelnder Impfpflicht dennoch der schutzwürdigen Privatsphäre eines jeden Einzelnen und damit selbstverständlich auch der unserer Spieler, sodass wir damit verbundene konkrete Zahlen nicht in der Öffentlichkeit preisgeben oder kommentieren."

Impfquote? Keine Antwort von vielen Klubs

Auch Zweitligist FC Erzgebirge Aue erklärt, dass fast alle Spieler geimpft seien. Alles andere verbiete sich aus datenschutzrechtlichen Gründen.

Hubert Wolf, Präsident des Fußball-Regionallisten ZFC Meuselwitz, erklärt: "Es gibt eine klare Impfempfehlung. Es gibt und gab Impfaufklärung. Wir als Verein wünschen uns eine einhundertprozentige Quote für alle Vereinsmitglieder ab dem zugelassenen Alter und inklusive der Arbeitnehmer im Verein. Alle Spieler, die uns keinen Impfstatus vorgelegt haben, müssen sich an jedem Trainings- oder Spieltag einem Coronaschnelltest unterziehen."

Die Erstliga-Volleyballerinnen des Dresdner SC lassen verlauten: "Aus Datenschutzgründen können wir die Fragen leider nicht beantworten. Prinzipiell haben wir die Impfkampagne immer unterstützt und werden das auch in Zukunft." Handball-Erstligist SC Magdeburg verweist ebenfalls auf den Datenschutz und verweigert eine Aussage zur Impfquote.

SCM-Geschäftsführer Schmedt: "Wir pushen die Impfkampagne" 00:29 Min. Verfügbar bis 16.09.2022

Syntainics MBC und Halle Lions komplett durchgeimpft

In der Basketball-Bundesliga (BBL) gehen die mitteldeutschen Klubs transparenter mit dem Thema um. Der Syntainics MBC aus Weißenfels erklärt, dass die komplette Mannschaft geimpft sei.

Die hohe Impfquote bringt neben dem gesundheitlichen Schutz der Spieler dem Verein dabei auch einen finanziellen Vorteil: Vollständig geimpfte Spieler mussten sich vor dem Trainingsauftakt zwei PCR-Tests unterziehen und sind nun von der Pflicht dreier wöchentlicher Tests befreit. Ein echter Faktor im Budget, schließlich hat der Syntainics MBC nach eigenen Angaben seit März 2020 bereits einen mittleren fünfstelligen Betrag für die Testungen der Spieler und Betreuer ausgegeben.

Auch Damen-Bundesligist GISA Lions SV Halle erklärt, dass alle Spielerinnen geimpft seien. "Sie haben das von sich aus entschieden, da sie ständig mit vielen Menschen in Kontakt sind", sagt Geschäftsführerin Lysann Kairies dem MDR.

Impfungen sind der Ausweg aus der Pandemie. Der Verein hat den Spielern deshalb bereits in der Sommerpause eine Impfung nahegelegt. Dies wäre im Nachhinein nicht nötig gewesen, denn alle Spieler haben sich selbstständig für eine Impfung entschieden. Erklärung des Basketball-Bundesligisten Syntainics MBC |

NINERS Chemnitz mit "nachdrücklicher Impfempfehlung"

Die NINERS Chemnitz haben bereits einen hohen fünfstelligen Betrag für Corona-Tests ausgegeben, erklärt der BBL-Klub. Von den rund 40 Personen aus dem engeren Mannschaftskreis seien mittlerweile mehr als 90 Prozent vollständig geimpft.

"Wir als NINERS Chemnitz haben allen Spielern, Trainern und sonstigen Mitarbeitern eine Impfung nachdrücklich empfohlen", so der Verein. "Im Zuge der Impfempfehlung wurde seitens des Arbeitgebers und der medizinischen Abteilung über die Impfung aufgeklärt und zudem angeboten, sich weiteren Rat bei medizinischem Fachpersonal einzuholen. Dies wurde bei Detailfragen auch wahrgenommen."

Basketball-Zweitligist Medipolis SC Jena erklärte, erst eine Angabe zur Impfquote machen zu wollen, wenn die komplette Mannschaft durchgeimpft sei. Für Testungen habe der Klub bereits einen fünfstelligen Betrag ausgegeben. In der vergangenen Saison war Jena maßgeblich an der Entwicklung eines Testkonzepts für die gesamte zweite Bundesliga Pro A beteiligt.

"Fehlende Aufklärung zur Sicherheit des Impfstoffes"

Beim Eishockey-Zweitligisten Lausitzer Füchse seien 70 Prozent der Mannschaft inklusive Trainer- und Betreuerstab vollständig geimpft, so der Klub. Fünf Teammitglieder hätten außerdem bereits die Erstimpfung erhalten.

Warum sich einige Spieler bislang gegen eine Impfung entschieden haben? "Aufgrund fehlender Aufklärung zur Sicherheit des Impfstoffes", erklärt der Verein. Doch die Füchse hätten eine Impfempfehlung "für eine vereinfachte Umsetzung der anstehenden Saison" ausgesprochen und auch medizinischen Rat bereitgestellt.

Folgende Profi-Klubs ließen eine schriftliche Anfrage des MDR unbeantwortet: SC DHfK Leipzig (Handball, Bundesliga), Dynamo Dresden (Fußball, zweite Bundesliga), Chemnitzer FC, FC Carl Zeiss Jena, Germania Halberstadt (Fußball, Regionalliga), VfB Suhl (Volleyball, Damen-Bundesliga), SV Union Halle-Neustadt, Thüringer HC (Handball, Damen-Bundesliga).

Quelle: MDR/Daniel George

MDR | Stand: 16.09.2021, 11:59

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