Wintersport | Entscheidung Schicksalstag für die Nordische Kombi: Olympia-Aus droht

Stand: 23.06.2022 07:54 Uhr

Die Zukunft der Nordischen Kombination steht auf dem Spiel. Am Freitag entscheidet das IOC über die Aufnahme der Nordischen Kombiniererinnen in das Olympia-Programm. Eine Ablehnung könnte verheerende Folgen haben.

Seit den ersten Olympischen Spielen 1924 gehört die Nordische Kombination zum Programm. Doch bleibt das auch so? Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheidet am Freitag (24.06.2022) über die Aufnahme der Frauen für die Winterspiele 2026.

Sollte der Antrag abgelehnt werden, könnte auch die Zukunft der Männer wackeln. "Es wäre unverständlich, wenn man so eine Disziplin aus dem Kalender nehmen würde", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch.

Nowak: "Diese Sportart ist mein Leben"

Auf einen Platz im Olympia-Kalender hofft die Sächsin Jenny Nowak. Die Athletin vom SC Sohland ist eine der besten Kombiniererinnen der Welt. "Diese Sportart ist mein Leben", sagte die 19-Jährige im Vorfeld der Entscheidung. "Ich hoffe, dass ich diese Sportart noch lange weiterbetreiben kann und 2026 bei den Olympischen Spielen dabei sein darf."

Jenny Nowak

Jenny Nowak steht mit 19 Jahren am Beginn ihrer Karriere. Ob Olympia-Auftritte folgen, darüber entscheidet das IOC am Freitag.

Wintersport-Promis votieren für Frauen-Aufnahme

Unterstützung bekommen die Nordischen Kombinierer von prominenten Wintersportlern wie Karl Geiger, Johannes Rydzek und Eric Frenzel. Sie fordern die  Aufnahme der Nordischen Kombiniererinnen in das Olympia-Programm. „Es ist an der Zeit, dass diese Sportart einen Damen-Wettbewerb anbietet“, sagte Skispringer Karl Geiger, der als Kind selbst drei Jahre Kombinierer war. Eine Sportart „mit so einer Tradition darf man nicht aus dem Olympia-Programm nehmen, es gehört einfach zu“, so der Oberstdorfer.

Tradition gegen Popularität

Die Nordische Kombination gilt als Königsdisziplin im Wintersport und wird vom IOC dennoch argwöhnisch betrachtet. Für den zweimaligen Olympiasieger Rydzek ein Unding: "Die Olympischen Spiele, die von der Tradition leben, dürfen nicht anfangen, ihre ältesten Sportarten aus dem Programm zu kicken, nur weil sie vielleicht gerade nicht so populär sind."

Für die Aufnahme der Frauen ins Olympia-Programm müssten die Männer möglicherweise Kompromisse, wie weniger Startplätze, hinnehmen. "Dazu sind wir bereit", so der gebürtige Sachse Eric Frenzel.

Jenny Nowak(re.) und Eric Frenzel (li.)

Erfolgreiche Kombinierer aus Sachsen: Jenny Nowak und Eric Frenzel

Einzige Winterspiele-Disziplin ohne Frauen

Als einzige Wintersport-Disziplin sind bei der Nordischen Kombination keine Frauen am Start, dabei hat sich das IOC Gleichberechtigung auf die Fahnen geschrieben. Allerdings wird ein Aufblähen der Spiele mit noch mehr Sportlern und Entscheidungen abgelehnt. Im schlimmsten Fall entscheidet das IOC nicht nur gegen die Aufnahme der Frauen, sondern auch für das Aus der Männer bei Olympia. An diesen Albtraum, derwohl katastrophale Folgen für die Sportart hätte, mag keiner denken. Stattdessen hoffen alle, dass künftig nicht nur der König des Wintersports ermittelt wird, sondern auch die Königin.

sst