2. Handball-Bundesliga - Julius Dierberg, Saul Alexander (ThSV Eisenach) Dicker Daniel (ThSV Eisenach) Tokic Ante (ThSV Eisenach), Timo Löser, Kevin Roch

Handball | 2. Bundesliga Saisonfazit: Licht und Schatten bei den mitteldeutschen Zweitligisten

Stand: 14.06.2022 08:27 Uhr

Mit dem ThSV Eisenach, dem HC Elbflorenz und dem Dessau-Roßlauer HV sind in der kommenden Saison drei mitteldeutsche Handball-Clubs in der 2. Bundesliga vertreten. Der EHV Aue muss dagegen den bitteren Gang in die 3. Liga antreten. "Sport im Osten" zieht Bilanz und blickt auf die kommende Spielzeit voraus.

Mit einem klaren Sieg gegen die Rimparer Wölfe schließt der ThSV Eisenach die Spielzeit 2021/22 in der 2. Handball-Bundesliga auf einem starken dritten Platz ab. Direkt hinter den beiden Bundesliga-Aufsteigern aus Gummersbach und Hamm-Westfalen. Nach Rang elf in der vorigen Saison können die Thüringer mehr als zufrieden sein - insbesondere mit einer Personalentscheidung.

ThSV Eisenach: Ein Trainerwechsel, der sich auszahlte

Noch im Oktober stand Eisenach mit nur zwei Punkten aus sechs Spielen auf dem vorletzten Platz. Cheftrainer Markus Murfuni musste seinen Stuhl räumen, Misha Kaufmann übernahm. Ein "Kindheitstraum" sei für ihn in Erfüllung gegangen, erklärte der Schweizer zu seinem Amtsantritt und führte den Verein zurück in die Erfolgsspur. Mit vier Siegen aus den ersten fünf Partien ging es schnell aus der Abstiegszone.

Misha Kaufmann

Misha Kaufmann übernahm om Oktober 2021 das Traineramt in Eisenach und hatte prompt Erfolg.

Hangstein holt die Torschützenkrone

In der Rückrunde brachten Kaufmanns Schützlinge die heimische Werner-Assmann-Halle regelmäßig zum Beben. Satte 15 Siege sammelte der ThSV in der zweiten Saisonhälfte und legte somit den Grundstein für die erfolgreichste Saisonplatzierung nach dem Wiederaufstieg 2019. Neben Trainer Kaufmann ist der Eisenacher Höhenflug eng mit Fynn Hangstein verbunden. 277 Mal netzte der 22-Jährige in dieser Saison ein und holte die Torschützenkrone der 2. Handball-Bundesliga.

Fünf Abgänge stehen fest

Wohin die Reise in der kommenden Saison geht, wird maßgeblich von der Personalpolitik im Sommer abhängen. Mit Adrian Wöhler verlässt eine Idenfikationsfigur nach 21 Jahren den Verein. Auch Fran Lucin, Daniel Dicker, Martin Potisk und Hannes Iffert wurden verabschiedet. Die konstanten, bisweilen fulminanten Leistungen zum Saisonende hieven den ThSV aber in den erweiterten Kreis der Aufstiegsfavoriten.

HC Elbflorenz konstant inkonstant

Eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr war für den HC Elbflorenz am Ende nicht drin. Nach Platz vier in der Saison 2020/21 reichte es in dieser Spielzeit nur für Rang neun - auch weil das letzte Spiel gegen Hagen ersatzgeschwächt deutlich verloren ging.

Neben Corona-Fällen, die den HCE im Oktober ausbremsten, legten die Dresdner vor allem eine erstaunliche Unbeständigkeit an den Tag. Konnte der HCE dem souveränen Meister aus Gummersbach zwei packende Kämpfe liefern und das Rückspiel gewinnen, holte man gegen den Tabellenletzten aus Emsdetten nur ein mageres Pünktchen.

Saisonbilanz des HC Elbflorenz

Göde zieht positives Fazit

Kreisläufer Philipp Jungemann brachte es auf den Punkt. "Wir haben uns immer leichtgetan, wenn wir gegen die Oberen gespielt haben. Gegen die, die unter uns stehen, haben wir aber einfach zu viele Punkte liegen gelassen." Zwar trauerte auch Cheftrainer Rico Göde den verlorenen Chancen hinterher, insgesamt zog der 40-Jährige gebürtige Dresdner aber ein positives Fazit. "Die Liga ist knüppelhart. In vielen Spielen haben wir uns so präsentiert, wie ich es mir vorstelle. Von daher bin ich zufrieden."

Kapitän Huhnstock geht von Bord

Mario Huhnstock und Henning Quade werden in der kommenden Saison definitiv nicht mehr für den HCE auf der Platte stehen. Kapitän Huhnstock konnte sich mit dem Verein nicht auf eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages einigen. Mit Marino Mallwitz, der von den Rimparer Wölfen kommt, wurde bereits ein Nachfolger verpflichtet. Kreisläufer Quade wird seine aktive Laufbahn mit 33 Jahren beenden.

Dessau-Roßlau trotzt Personalsorgen

Mit Platz zwölf beendet der Dessau-Roßlauer HV die Saison im gesicherten Mittelfeld. Allerdings musste das Team von Uwe Jungandreas bis zum 36. Spieltag zittern, ehe der Klassenerhalt endgültig in trockenen Tücher war.

Vor allem in der Hinrunde, die der DRHV kurz vor den Abstiegsplätzen abschloss, fehlte es an Konstanz. Nervös wurde deshalb in Sachsen-Anhalt niemand. Jungandreas, seit 2014 im Amt, blickt auf mittlerweile über 30 Jahre Trainererfahrung zurück und schaffte in der Rückrunde die Wende - trotz anhaltender Personalsorgen und auch dank eines Coups gegen Spitzenreiter Gummersbach.

Uwe Jungandreas, Dessau-Roßlauer HV

Uwe Jungandreas trainierte bereits den SC Magdeburg und den SC DHfK Leipzig. Concordia Delitzsch führte er einst sensationell in die Bundesliga.

Letzter Auftritt als "Spiegelbild" der Saison

Im letzten Saisonspiel, einem Unentschieden gegen Aue, bewiesen die "Biber" noch einmal ihre mentale Stärke. Sieben Minuten vor Schluss lag man mit 21:25 im Hintertreffen, ehe ein 4:0-Lauf den Grundstein für das Endergebnis legte. "Das Spiel hat noch mal genau das wieder gespiegelt, was uns in dieser Saison ausmachte", erklärte Jungandreas.

"Die ersten 15 Minuten zeigten, warum wir in der Rückrunde so erfolgreich spielten, mit gnadenlosem Tempospiel und den Gegner ständig unter Druck setzen." Nach der Pause habe sein Team nachgelassen, was "sofort bestraft" wurde. "Danach hat die Mannschaft wieder ihren Charakter der letzten Wochen gezeigt, nicht aufgegeben und Rückstände aufgeholt."

Sechs Abgänge stehen fest

Wie in der Vorsaion steht auch in der kommenden Spielzeit der Klassenerhalt in Dessau an erster Stelle. Erste Personalentscheidungen wurden bereits getroffen. Die auslaufenden Verträge von Max Scheithauer und Libor Hanisch wurden nicht verlängert. Auch Julian Malek (TSB Heilbronn-Horkheim), Tim Bielzer (HC Burgenland), Nicolas Neumann (Ziel unbekannt) und Oliver Seidler (DJK Rimpar) werden den Verein verlassen. Als Neuzugänge stehen Janik Patzwaldt, Carl-Phillip Haake (alle SC Magdeburg II), Justin Kurch (HSC 2000 Coburg) und David Misových (HO Slovan Modra/SVK) fest.

"Der Himmel weint in Aue"

Neben den Fußballern müssen auch die Handballer aus dem Erzgebirge den Gang in die 3. Liga antreten. "Der Himmel weint in Aue", brachte EHV-Manager Rüdiger Jurke die Enttäuschung nach dem zweiten Zweitliga-Abstieg der Vereinsgeschichte auf den Punkt. Dabei hatten die Sachsen in der Vorsaison noch mit einem starken fünften Platz aufhorchen lassen. Das Gesicht der Mannschaft blieb fast unverändert. Trotzdem folgte der Absturz.

Corona-Fälle und ein verdienter Abstieg

"Wir sind berechtigt abgestiegen, denn wir waren in dieser Saison zu schwach", sparte Jurke nicht mit Kritik. Schon in der ersten Saisonhälfte kassierte die Mannschaft einen Nackenschlag nach dem anderen. Hinzu kamen zahlreiche Corona-Fälle, die das Team dezimierten. Zwischenzeitlich gingen neun von zehn Partien verloren. Laut Jurke der "Anfang vom Ende".

Saisonbilanz des EHV Aue

Als Stephan Just für den glücklosen Kirsten Weber den Trainerposten übernahm, war der Karren längst im Dreck. Zwar keimte nach Siegen gegen Rostock und Hagen noch einmal Hoffnung auf, die Hypothek erwies sich am Ende aber als zu groß. So geht es nach einem Jahrzehnt wieder runter.

Bornhorn und Roch bleiben

Die Planungen für den direkten Wiederaufstieg sind bereits in vollem Gange. Der Vertrag mit Just wurde verlängert. Auch die beiden Kapitäne und Identifikationsfiguren Bengt Bornhorn und Kevin Roch bleiben an Bord. Daneben verlassen acht Spieler den Club. Die Abgänge sollen laut Jurke auch mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs gefüllt werden.

Wir werden die Gejagten sein Rüdiger Jurke | Manager EHV Aue

An den Ambitionen, übernächste Saison wieder zweitklassig zu spielen, lässt man zumindest keinen Zweifel. "Der EHV ist ein Urgestein der 2. Liga und will wieder dorthin", blickte Just voraus. Jurke, der mit einem siebenstelligen Etat planen kann, bekräftigte: "Wir werden die Gejagten sein."

---
jsc