Thüringen Ladies Tour

Radsport | "Lotto Thüringen Ladies Tour" Rundfahrt-Chefin Hohlfeld schlägt Alarm: "Ansonsten machen wir nicht weiter"

Stand: 03.06.2022 17:58 Uhr

Es ist die traditionsreichste deutsche Rundfahrt der Radsportlerinnen: Die LOTTO Thüringen Ladies Tour. Nach 34 Auflagen braucht es für die Nummer 35 aber ein höheres Budget, sagt Tourchefin Vera Hohlfeld unmissverständlich.

Eine Fortsetzung der Internationalen Thüringen-Rundfahrt der Frauen steht nach Angaben von Tour-Direktorin Vera Hohlfeld derzeit in den Sternen: "Bleibt es bei dem Budget, dann machen wir nicht weiter und es wird keine 35. Auflage geben, es geht um die Existenz der Rundfahrt", sagte Hohlfeld im Interview mit "Sport im Osten" am Freitag.

Die 34. Thüringen-Rundfahrt war am vergangenen Sonntag mit dem Gesamtsieg der Australierin Alexandra Manly in Altenburg zu Ende gegangen. In diesem Jahr fehlten zahlreiche Top-Mannschaften und -Fahrerinnen aus dem Ausland. Das Budget der Rundfahrt, die beim Weltverband UCI in der "Women's Proseries" eingestuft ist, betrug in diesem Jahr rund 400.000 Euro. Viele Mannschaften zogen einen Start beim zeitgleichen "Ride London" vor, der den "World-Tour-Status" hat und höher dotiert ist.

Alexandra Manly gewinnt 6. Etappe und jubelt.

Eine Höherstufung des einzigen deutschen Frauen-Etappenrennens für 2023 ist aber noch kein Thema, da der Kalender für das kommende Jahr so gut wie feststeht. Auch wenn durch die diesjährige Live-Übertragung im MDR-Fernsehen ein wichtiger Schritt hin zur Höhergruppierung erfolgt ist.

"Kommen mit dem Ehrenamt an unsere Grenzen"

Vera Hohlfeld beschreibt die aktuellen Probleme: "Wir haben eine erfolgreiche Veranstaltung gemacht, da sind wir auch stolz drauf, ab er wir kommen mit dem Ehrenamt an unsere Grenzen." Es brauche mehr Budget, so dass sie professionelle Dienstleister einkaufen könne, um das Event zu stemmen. Sie merkt es an sich selbst: "In den letzten sieben Wochen vor der Rundfahrt schlafe ich nie mehr als fünf, sechs Stunden. Das muss ich dann auch für mich überlegen."

Vera Hohlfeld, Tour-Direktorin "Thüringen Ladies Tour"

"Gleichberechtigung und Frauensport"

Ansetzen möchte die Olympia-Teilnehmerin von 1992 bei der Politik und den Sponsoren: "Da geht es auch um das Thema Gleichberechtigung und Frauensport. Wenn nicht jetzt, wann haben wir dann, die Chance gehört zu werden?". Weder bei der Deutschland-Tour noch bei den großen deutschen Rennen in Frankfurt und Hamburg sind die Frauen mit dabei. Thüringen hat da ein Alleinstellungsmerkmal.

Ihre Hoffnung ist, dass man nun noch zwei, drei Jahre durchhält und dann einen anderen Termin im Jahreskalender nebst Höherstufung bekommt. Als gut könnte es sich in dem Zusammenhang erweisen, dass der Weltverband künftig gleich zwei Teams pro Frauen-Equipe sehen möchte.

___
cke/dpa

Radsport: Australierin Manly krönt überragende Thüringen-Rundfahrt