Fußball | DFB-Pokal RB Leipzig nach Elfmeterkrimi erstmals DFB-Pokalsieger

Stand: 22.05.2022 04:27 Uhr

Was für ein Krimi! RB Leipzig hat sich im DFB-Pokalfinale den Titel geholt. RB lief gegen den SC Freiburg einem Rückstand hinterher, spielte mehr als 60 Minuten in Unterzahl und gewann am Ende im Elfmeterschießen.

Von Dirk Hofmeister, Sven Kups

RB Leipzig ist im dritten Anlauf erstmals DFB-Pokalsieger geworden. Die Leipziger setzten sich am Samstagabend (21.05.2022) gegen den SC Freiburg mit 5:3 (1:1, 1:1, 0:1) nach Elfmeterschießen durch. Nach 90 und 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden, dann verschossen die beiden Freiburger Christian Günter und Ermedin Demirovic. Leipzigs Schützen trafen dagegen alle.

Nervöser Beginn

Es war ein nervöser Start der beiden Finalisten, die erstmals in ihrer Vereinsgeschichte den DFB-Pokal holen konnten. Die Anfangsphase war geprägt von vielen Fehlabspielen, versprungenen Bällen und großer Hektik auf dem Rasen. Freiburg war bissiger, spielte gefälliger. Trotzdem hatte RB die erste Chance im Spiel: Emil Forsberg setzte sich links durch, scheiterte aber an DC-Keeper Mark Flekken (14.).

SCF-Führung trotz Handspiel

Fünf Minuten später führte Freiburg – und zwar äußerst umstritten: Ein Ball von links sprang Roland Sallai an die Hand, den Abpraller verwandelte Maxi Eggestein zum 1:0 für die Breisgauer (19.). Die Leipziger Spieler protestierten, doch Referee Sascha Stegemann entschied auf unabsichtliches Handspiel und ließ das Tor gelten.

Großchance Nkunku

Leipzig brauchte nun, um sich zu erholen. Freiburg erschwerte das Leipziger Spiel und hielt aggressiv dagegen, zeitweise hatte der SCF eine Zweikampfquote von 70 Prozent. Doch die Freiburger konnten auch ihre Nervosität nicht ablegen. Und so hätte Christopher Nkunku kurz nach dem Rückstand den Ausgleich erzielen können: Der Leipziger Top-Torjäger spritzte in eine verunglückte Kopfball-Rückgabe von Lucas Höler und hatte das leere Tor vor sich. Seinen Torschuss schlug aber Nico Schlotterbeck noch von der Linie (24.).

RB: Verzweiflung und Unterzahl

Je länger die Spielzeit, desto dominanter agierte RB Leipzig. Vor allem in der Phase nach dem Wechsel drängte RB die Freiburger tief in die eigene Hälfte. Chancen ergaben sich für RB aber nicht. Stattdessen rannte RB bald in Unterzahl an: Marcel Halstenberg holte den durchgestarteten Höler von den Beinen und sah dafür Rot (57.). RB-Trainer Domenico Tedesco wechselte mit Dominik Szoboszlai, Nordi Mukiele und Dani Olmo schnelle und schussstarke Spieler ein – doch RB rannte mehr und mehr planlos an.

Nkunku bringt RBL zurück

Bis in der 76. Minute Christopher Nkunku RB erlöste: Nach langer Flanke von Konrad Laimer und Kopfballverlängerung von Willi Orban grätschte Nkunku den Ball aus spitzem Winkel zum Jubel der 35.000 RB-Fans im ausverkaufen Olympiastadion ins Netz. Nun entwickelte sich ein offenes Spiel, für Freiburg hatte der eingewechselte Ermedin Demirovic die erneute Führung auf dem Kopf (85.), scheiterte aber ebenso wie auf der anderen Seite Dani Olmo (86.) und Nordi Mukiele (90. + 3.)

Freiburger Großchancen in der Verlängerung

So ging es in die Verlängerung, in der zunächst der Sportclub dominierte. Die größte Chance zur Entscheidung vergab Demirovic, der nach einem Pfostenschuss von Janik Haberer den Ball aus Nahdistanz über statt in das Tor schoss (103.). Nach dem Wechsel in der Verlängerung traf Haberer mit einem Volley-Knaller die Latte (114.). Für RB hätte Nkunku die Führung erzielen können, kam nach Mukiele-Pass aber um Zentimeter zu spät (102.). Kurz vor dem Ende der Verlängerung brachte Nicolas Höfler Olmo im Strafraum zu Fall, Stegemann entschied sich nach Ansicht der Videobilder gegen einen Elfmeter (117.). Diese gab es dann im Elfmeterschießen zuhauf.

Elfmeterschießen: Zwei Freiburger mit Nerven

Dort trafen alle Leipziger sicher. Nkunku, Orban, Olmo, Benjamin Henrichs verwandelten. Bei Freiburg schoss Christian Günter aber weit drüber, Demirovic traf nur die Unterkante der Latte - so fiel die Entscheidung bereits vor dem letzten RB-Schützen. Demirovic fiel nach seinem verschossenen Elfer auf die Knie. Leipzigs Spieler rannten dagegen auf den Rasen und feierten den ersten großen Titel nach nur 13 Jahren nach Vereinsgründung.

Pokalfinale: Der letzte Elfmeter zwischen Freiburg und RB Leipzig

Stimmen zum Spiel

Domenico Tedesco (Leipzig): "Es war ein sehr gutes Spiel von uns, vor allem in der zweiten Halbzeit in Unterzahl. Wir sind sehr, sehr glücklich. Ich kann es noch gar nicht so richtig realisieren, es fühlt sich sehr gut an. Ich kann die Jungs nur loben für diese Wahnsinnsleistung. Die Mannschaft war total intakt, ich habe ein bisschen was verändert, ein paar Stellschrauben."

"Unfassbar" - Mintzlaff, Tedesco, Streich und Co.: Die Stimmen zum Pokalfinale

Christian Streich (Freiburg): "Wir haben eine wahnsinnig tolle Saison gespielt, eine super erste Halbzeit. Als wir dann geführt haben und die Rote Karte kam, hatten wir ein ganz klein bisschen Angst, da haben wir den ein oder anderen Ball zu lang gespielt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, wir spielen nächstes Jahr Europapokal. Die Fans sind dankbar, das ist auch richtig so, die Mannschaft leistet Unglaubliches."

Oliver Mintzlaff (Geschäftsführer RB Leipzig): "Es ist Wahnsinn. Wir haben 60 Minuten in Unterzahl gespielt, wir haben eine miserable erste Halbzeit gespielt, sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Wir mussten aus der Kabine ein anderes Gesicht zeigen, haben dann eine verdiente Rote Karte bekommen. Es ist unfassbar, das ist der erste große Titel in unserer jungen Vereinsgeschichte. Das braucht jetzt ein bisschen, um anzukommen. Wir müssen jetzt erstmal sacken lassen. Ich werde mir die Zeit nehmen, diesen Erfolg zu genießen."