Rassismus-Eklat: Weltverband sperrt deutschen Rad-Sportdirektor

Olympiateam schickt deutschen Trainer nach Wort-Entgleisung nach Hause

03:20 Min. Verfügbar bis 29.07.2022


Olympische Spiele

Rassismus-Eklat: Weltverband sperrt deutschen Rad-Sportdirektor

Von MDR AKTUELL

Die rassistische Äußerung des deutschen Rad-Sportdirektors Patrick Moster hat Konsequenzen. Der Radsport-Weltverband suspendierte den Funktionär vorläufig. Zuvor zog der Deutsche Olympische Sportbund ihn aus Tokio ab. Die Empörung bleibt.

Radsport-Funktionär Patrick Moster ist nach seiner rassistischen Entgleisung bei den Olympischen Spielen vom Weltverband UCI bis auf weiteres suspendiert worden. Das teilte die UCI am Donnerstag mit. Die Äußerungen von Moster stünden im Gegensatz zu den Anstandsregeln des Weltverbandes, sie seien diskriminierend gewesen und stellten somit eine Verletzung der Regularien dar.

Kurz zuvor hatte ihn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) aus Tokio abgezogen. DOSB-Chef Alfons Hörmann verwies zugleich darauf, dass Moster sich öffentlich entschuldigt habe. Man sei weiterhin davon überzeugt, dass dies aufrichtig sei. "Mit dieser Entgleisung hat Herr Moster jedoch gegen die olympischen Werte verstoßen", sagte Hörmann.

Fairplay, Respekt und Toleranz sind für das Team D nicht verhandelbar. Alfons Hörmann | DOSB-Chef

Moster hatte beim Zeitfahren der Männer am Mittwoch den deutschen Fahrer Nikias Arndt mit den Worten "Hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm" angefeuert. Vor Arndt fuhren der Algerier Azzedine Lagab und der Eritreer Amanuel Ghebreigzabhier. Mosters Rufe waren vom Fernsehen eingefangen und live übertragen worden.

Eine Entschuldigung und bleibende Kritik

Moster hatte sich im Anschluss für seine Äußerung entschuldigt, wollte jedoch keine persönlichen Konsequenzen ziehen. "Im Eifer des Gefechts und mit der Gesamtbelastung, die wir momentan hier haben, habe ich mich in der Wortwahl vergriffen", sagte Moster. Er habe niemanden diskreditieren wollen.

Nikias Arndt beim Zeitfahren in Tokio

Die Kritik an Moster riss jedoch nicht ab. Arndt selbst hatte sich "entsetzt" gezeigt und sich von den Aussagen des Sportdirektors distanziert.

Der betroffene Radsportler Lagab schrieb auf Twitter: "Nun, es gibt kein Kamelrennen bei Olympia, deshalb betreibe ich Radsport. Wenigstens war ich in Tokio dabei."

Scharping nimmt Moser in Schutz

Rudolf Scharping, Präsident des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR), bezeichnete es am Donnerstag im Deutschlandfunk als "gute Entscheidung", Moster vorzeitig nach Hause zu schicken. Andererseits nahm der BDR-Präsident Moster aber auch in Schutz, dieser sei ein leistungsstarker Sportdirektor beim BDR und ein Mensch, der sich niemals fremdenfeindlich oder rassistisch geäußert habe. Mosters verbale Entgleisung sei "völlig inakzeptabel, aber man muss sie auch im Kontext bewerten sowohl des Menschen, seines Lebensweges als auch der Umstände, die in Tokio ganz besondere waren", sagte der ehemalige Verteidigungsminister.

Zabel beschämt

Deutliche Worte fand der nicht bei Olympia startende Rick Zabel. "Auch wenn ich selber nicht bei den Olympischen Spielen dabei bin, schäme ich mich für die Aussagen", schrieb der Radprofi und Sohn des früheren Radstars Erik Zabel bei Instagram. Er beklagte, es habe nach dem Rennen nur eine "lapidare Entschuldigung" gegeben. Dem BDR und DOSB warf Zabel vor, zu spät reagiert zu haben.

Quelle: dpa/SID/ala

MDR | Stand: 29.07.2021, 15:22

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