Paris St.-Germain: Teure Stars, Abo-Meister – und zuletzt eine Pleite

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Paris St.-Germain: Teure Stars, Abo-Meister – und zuletzt eine Pleite

Frankreichs Abo-Meister Paris St.-Germain ist in der Ligue 1 nahezu konkurrenzlos. Trotz Niederlagen zuletzt gegen Monaco und im Hinspiel bei RB Leipzig ist das Tuchel-Team Favorit. Denn diesmal sind die Superstars fit.

Frankreichs Abonnementmeister Paris Saint-Germain existiert noch gar nicht so lange, dominiert aber die Ligue 1 seit vielen Jahren. Trotz Niederlagen zuletzt gegen Monaco und im Hinspiel bei RB Leipzig ist das Tuchel-Team Favorit. Denn der Kader ist einfach überragend. Und die Superstars sind diesmal dabei.

Historie

Als RB Leipzig vor elf Jahren dem Oberligisten SSV Markranstädt das Startrecht abkaufte, war Paris Saint-Germain schon mehrfacher französischer Meister. 1970 gegründet, erlebte PSG Mitte der 90er-Jahre einen kurzen Höhenflug, zu dem auch der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger gehörte (1996, 1:0 gegen Rapid Wien). Dann verschwand der Klub wieder in der Versenkung. Mit dem Einstieg der Investoren aus Katar begann 2011 das ernsthafte Streben, ein Weltklub zu werden.

Ligue 1

Die Dominanz der Pariser in der französischen Ligue 1 ist vielleicht noch krasser als die des FC Bayern in der Bundesliga. In den letzten acht Jahren gewann PSG sieben Mal die französische Meisterschaft. Auch die letzte, die im März wegen Corona vorzeitig abgebrochen wurde. Nach 27 von 38 Spielen (eines weniger als Vizemeister Marseille) betrug der Vorsprung 12 Punkte und 39 Tore.

Saison 2020/21

Die Pariser begannen die neue Spielzeit mit einem Sieg und zwei Niederlagen (gegen Lens und Marseille). Es folgten acht torreiche Siege in Folge, die PSG schon wieder an die Spitze der Ligue 1 katapultierten. Der Vorsprung von fünf Punkten ist durch die Niederlage in Monaco aber wieder auf zwei geschmolzen.

6. Spieltag: PSG – Angers 6:1
7. Spieltag: Nimes – PSG 0:4
8. Spieltag: PSG – Dijon 4:0
9. Spieltag: Nantes – PSG 0:3
10. Spieltag: PSG - Rennes 3:0
11.Spieltag: Monaco - PSG 3:2

Letztes Liga-Spiel: AS Monaco – PSG 3:2

Dass PSG den Platz als Verlierer verlassen würde, war zur Pause ein absurder Gedanke. Zu dominant waren die Pariser, die durch zwei Tore von Kylian Mbappé (nach starker Vorlage von di Maria und per Elfmeter) komfortabel führten. Auch der schon in Leipzig auffällige Moise Kean war wieder stark, traf aber nur die Latte. In Halbzeit zwei drehte Monaco mit dem eingewechselten Cesc Fabregas und dem deutschen Neuzugang Kevin Volland richtig auf. Nach zwei Volland-Treffern und einem Elfmeter des spanischen Weltmeisters war PSG unerwartet doch noch geschlagen. "Wir haben die Kontrolle verloren, komplett aufgehört, Fußball zu spielen", sagte er hinterher.

Champions League: RB Leipzig - PSG 2:1

Das Hinspiel in Leipzig war eine aufregende und ereignisreiche Angelegenheit, bei der RB eine Spur mehr Glück und Können hatte. Paris nutzte Leipzigs Schwächen in der Abwehr schnell zum 1:0 und hätte noch vor der Pause auf 2:0 erhöhen müssen, aber RB-Keeper Gulacsi parierte einen Elfmeter von Di Maria. Stattdessen traf Nkunku nach schöner Kombination zum 1:1. Forsberg drehte in Hälfte zwei per Handelfmeter die Partie, die damit aber längst nicht entschieden war. Vielmehr musste RB Leipzig trotz zweier Gelb-Roter Karten für PSG bis tief in die Nachspielzeit um den Sieg zittern.

Transfers im Sommer (Auswahl)

Toptransfer des vergangenen Sommers war Mauro Icardi. Der 27-jährige Argentinier stürmte schon in der Vorsaison erfolgreich für Paris (20 Tore in 34 Spielen), das aber als Leihspieler. Im Juli wechselte er für geschätzte 50 bis 60 Millionnen Euro endgültig von Inter Mailand an die Seine. Derzeit fällt er wegen eines Innenbandrisses im Knie aus. Neben der Icardi-Verpflichtung lieh Paris auch noch Moise Kean (Everton) und Defensivspieler Danilo Pereira (FC Porto) aus.

Der wohl bekannteste (ablösefreie) Abgang im Sommer war der von Edinson Cavani zu Manchester United. Auch Thomas Meuniers Wechsel zu Borussia Dortmund brachte den Franzosen kein Geld ein. Insgesamt elf Spieler verließen PSG, nur Mbe Soh (Nothingham) ließ die Kasse klingeln. Das aber sehr leise, denn 5 Millionen Euro sind für PSG-Verhältnisse Peanuts.

Wertvollste Spieler

Für den Transfer von Neymar Júnior vom FC Barcelona hatten die Franzosen vor drei Jahren astronomische 222 Millionen Euro auf den Tisch gelegt. Neymar ist damit der teuerste Fußballer der Geschichte. Sein aktueller Transferwert wird auf 128 Millionen Euro geschätzt. Das ist weniger, als Kylian Mbappé zugeschrieben werden. Der Franzose wird bei 180 Millionen Euro eingeordnet.

Beste Scorer

Die mit Abstand meisten Tore und Vorlagen bei PSG hat Mbappé auf dem Konto (9/7) – der kolportierte Marktwert hat also durchaus seine Gründe. Auf Rang zwei folgt inzwischen der erst Anfang Oktober vom FC Everton ausgeliehene 20-jährige Moise Kean (5/1).

Ausfälle

Dass Paris am Dienstagabend auf die Defensiv Presnel Kimpembe und Idrissa Gueye verzichten muss, liegt am Hinspiel, wo beide Akteure mit Gelb-Rot vom Platz flogen. Dafür sind aber die beiden Superstars Mbappé und Neymar diesmal dabei. Die Verletztenliste von PSG bleibt trotzdem beachtlich: Julian Draxler, Mauro Icardi, Thilo Kehrer, Marco Verratti und Juan Bernat fallen aus.

Vorherige Duelle RBL gegen PSG

18.07.2014, Testspiel
Leipzig - Paris 4:2 (1:2)
Der Sieg des damaligen Zweitligisten RB Leipzig kam überraschend. Allerdings wirkte die Startruppe um Zlatan Ibrahimovic zeitweise etwas lustlos. Bei RB schon damals dabei: Yussuf Poulsen, der den Treffer zum 2:2 beisteuerte. Außerdem trafen Boyd, Thomalla und Hierländer.

18.08.2020, Champions-League-Halbfinale
Leipzig – Paris 0:3 (0:2)

Thomas Tuchels Team zeigte in dem Halbfinale eine ganz souveräne Vorstellung und gewann völlig verdient. RB schlug sich wacker, hatte gute Momente – bis zum gegnerischen Strafraum. Das offensichtliche Manko: Vorn fehlte ein Knipser. Timo Werner war schon nicht mehr dabei.

Trainer unter Druck

Unter Thomas Tuchel hat es PSG letzte Saison ins Champions-League-Finale geschafft und das französische Double gewonnen. Beim einem Klub mit einem Personal wie es PSG hat, bleiben die Ansprüche aber immer hoch. Und so steht der deutsche Coach vor dem Spiel gegen Leipzig bereits wieder unter Druck. Bei einem Scheitern in der Gruppenphase ist er wahrscheinlich seinen Job los. Eine Jobgarantie bekam er von den Klub-Verantwortlichen jedenfalls nicht. "Das ist nicht notwendig", sagte Tuchel: "Wenn es so wäre, würde es mich mehr verunsichern, als wenn es nicht so ist."

Das Trainerduell Thomas Tuchel gegen Julian Nagelsmann gab es inzwischen fünf Mal. Drei Mal war Tuchel der Sieger, zuletzt erstmals Nagelsmann. Als Spieler schaffte es Thomas Tuchel mit den Stuttgarter Kickers bis in die 2. Bundesliga. Sein Stern als Trainer begann bei Mainz 05 kräftig zu leuchten. Während seines Sabbatjahres nach der Mainz-Ära war er auch bei RB Leipzig ein Thema, sagte aber ab.

Letztlich verpflichtete ihn 2015 der BVB als Nachfolger von Jürgen Klopp. Das Engagement endete 2017 vorzeitig und kurz nach dem DFB-Pokalfinalsieg über Eintracht Frankfurt nach Differenzen mit der Klubführung. Auch das Verhältnis zur Mannschaft soll angespannt gewesen sein. Zur Saison 2018/19 unterschrieb Tuchel dann in Paris und gewann dort seitdem seine ersten beiden nationalen Meistertitel. Die absolute Krönung fehlt bislang: Das jüngste Champions-League-Finale ging gegen den FC Bayern bekanntermaßen knapp mit 0:1 verloren.

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sk

MDR | Stand: 24.11.2020, 12:02

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