Noch 100 Tage bis Olympia: Akribische Athleten, viele Unsicherheiten, skeptische Japaner

Roleder quält sich für Tokio 01:28 Min. Verfügbar bis 14.04.2022

Olympia | Tokio 2021

Noch 100 Tage bis Olympia: Akribische Athleten, viele Unsicherheiten, skeptische Japaner

100 Tage vor der Eröffnung der Sommerspiele in Tokio ist das Licht am Ende des Corona-Tunnels kaum zu erkennen, dennoch blicken die Funktionäre und Organisatoren dem Event optimistisch entgegen. Die Athletinnen und Athleten bleiben bei allen Unsicherheiten zielstrebig.

Die Leipziger Hürdensprinterin Cindy Roleder ist erst im Januar Mutter einer kleinen Tochter geworden. Nur drei Monate nach der Geburt quält sich die 31-Jährige im Kraftraum und den Trainingshallen für ihren Olympia-Traum. Die Norm hat sie 2019 schon geschafft, jetzt muss und will sie diese noch einmal bestätigen, um im Sommer nach Tokio zu fliegen.

"Es war mein großes Ziel nach der Geburt meiner Tochter als Leistungssportlerin weiterzumachen", sagte Roleder "Sport im Osten". Das Pandemie-Geschehen verfolge sie, aber längst nicht mehr so intensiv. Roleder wünscht sich "ein sehr gutes Hygienekonzept", schließlich möchte sie: "Gesund hin- und zurückreisen."

Schwimm-Ass Thomasberger in Top-Form

Optimistisch und fokussiert zugleich ist auch David Thomasberger. Der aus Thüringen stammende und für die SSG Leipzig startende Schwimmer sorgte Anfang April mit einem neuen deutschen Rekord über 200 Meter Schmetterling für einen Paukenschlag. Seine Zeit von 1:55,04 Minuten hätte 2016 in Rio für den sechsten Platz gereicht. Ausruhen will er sich darauf nicht. Im Hinblick auf Tokio sagt er: "Eine Zeit unter 1:54 Minuten wäre toll." Und dafür quält sich der 25-jährige Sportsoldat täglich und meist allein im Training. Eine Olympia-Absage wäre für Thomasberger eine riesige Enttäuschung.

David Thomasbergers Traum von Tokio 02:08 Min. Verfügbar bis 14.04.2022

Kurrat hat "Respekt" vor den Sportlern

Mit "Respekt" schaut indes der Leiter des Olympia-Stützpunktes in Sachsen-Anhalt, Helmut Kurrat, auf die Sportler und Trainer. Sie würden trotz der Pandemie und dem daraus resultierenden ungewohnten Rhythmus sehr zielstrebig daran arbeiten, ihre Olympiaqualifikation zu schaffen beziehungsweise zu bestätigen. Läuft alles glatt, könnten 18 Athletinnen und Athleten aus Sachsen-Anhalt in Tokio am Start sein.

Das Prinzip Hoffnung

Doch werden sie überhaupt fliegen dürfen? 100 Tage vor der Eröffnung der Sommerspiele ist das Licht am Ende des Corona-Tunnels kaum zu erkennen. Angesichts der Herausforderungen inmitten der Pandemie bleibt der Olympischen Familie nur das Prinzip Hoffnung. DOSB-Chef Alfons Hörmann nimmt aus den Gesprächen mit dem IOC zumindest "das gute Gefühl mit, dass alles dafür getan wird, dass die Spiele sicher stattfinden und dass es auch schmerzhafte Einschnitte gibt - wie den Verzicht auf internationale Gäste und Zuschauer*innen." Man sei "fest davon überzeugt, dass es klappen wird", sagte Hörmann. Zuvor hatte der 60-Jährige betont, nur mit Schutzimpfungen gegen das Coronavirus könne man "guten Gewissens die Mannschaft nach Tokio entsenden".

DOSB-Chef Hörmann setzt auf geimpfte Athleten

02:06 Min. Verfügbar bis 14.04.2022


Auch die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag, lehnt eine Olympia-Reise deutscher Sportler nach Tokio ohne vorherige Corona-Impfung ab. Sie halte es nicht für verantwortbar, sie ungeimpft nach Tokio zu schicken", sagte die SPD-Politikerin dem Saarländischen Rundfunk.

Impftempo in Japan schleppend

Von Vorfreude auf die Sommerspiele ist nichts zu spüren. Japan schlittert ziemlich hilflos in die vierte Corona-Welle und noch immer droht das Szenario von Geisterspielen, denn Japans Impfkampagne stockt. Nur 0,4 Prozent der japanischen Bevölkerung sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums bislang vollständig geimpft.

IOC-Vizepräsident John Coates schloss eine kurzfristige Olympia-Absage dennoch aus. Die um ein Jahr verlegten Sommerspiele "werden wie geplant stattfinden", sagte Coates in dieser Woche. Die umfangreichen Maßnahmen gegen das Coronavirus werden Coates zufolge "dafür sorgen, dass alle Teilnehmer und die japanische Bevölkerung sicher sind". Der 70-Jährige sagte in einem vom IOC verbreiteten Video: "Die Athleten, die olympische Bewegung, die Organisatoren und das japanische Volk werden zeigen können, dass es ein Sieg der Menschheit über die Pandemie ist."

 70 Prozent der Japaner für Absage

Die Bevölkerung des Gastgeberlandes bleibt skeptisch: Umfragen zufolge sprechen sich mehr als 70 Prozent der Japaner derzeit für eine Absage oder erneute Verschiebung der Sommerspiele aus. Wegen der Angst vor einer Ausbreitung des Virus bleibt ausländischen Fans und Athletenfamilien sowie Gästen von Sponsoren und Verbänden die Einreise nach Japan verwehrt.

Athletinnen und Athleten sollen abgeschottet werden. Für den Fall, dass das Virus einen Weg hinein in die Blasen findet, wird es ein Isolationshotel geben. Dieses soll die Infizierten beherbergen, schreiben japanische Medien. Diese Sportler dürften nicht zu ihren Wettkämpfen antreten, doch die Show würde weitergehen.

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sst/dpa/sid

100 Tage vor Olympia: Kugelstoßer David Storl unter Druck 01:33 Min. Verfügbar bis 14.04.2022

MDR | Stand: 14.04.2021, 20:02

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