Leipzigs Oberbürgermeister Jung erteilt Zuschauern beim Bundesliga-Spitzenspiel eine Absage

SC-DHfK-Manager Günther bleibt optimistisch in Sachen Zuschauerrückkehr 04:52 Min. Verfügbar bis 23.03.2022

Zuschauerrückkehr

Leipzigs Oberbürgermeister Jung erteilt Zuschauern beim Bundesliga-Spitzenspiel eine Absage

Wann können wieder Zuschauer in die Stadien und Hallen? Diese Frage beschäftigt nicht nur Vereine und Fans, sondern auch die Politik. Die Stadt Leipzig hat deshalb in Zusammenarbeit mit RB Leipzig, dem SC DHfK Leipzig und dem Universitätsklinikum Halle am Montag ein Pilotprojekt vorgestellt. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung musste dabei den Enthusiamus der Projektträger bremsen.

Ginge es nach Karsten Günther vom SC DHfK Leipzig und Ulrich Wolter von RB Leipzig könnte ab 1. April ein Modellprojekt für die Rückkehr von Zuschauern starten. Diesem Vorstoß hat Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung aber mit Blick auf die Corona-Verordnung des Landes Sachsen eine Absage erteilt. "Momentan ist es völlig illusorisch vor Zuschauern zu spielen", erklärte Jung und schloss damit auch eine Zuschauerrückkehr zum Bundesliga-Spitzenspiel Leipzig gegen Bayern aus. Zuvor hatte es Überlegungen gegeben, im Rahmen des Projektes 999 Zuschauer zuzulassen.

Für Jung geht es darum, eine Perspektive aufzuzeigen und sich auf den "Tag X" vorzubereiten, wenn es wieder möglich ist, Veranstaltungen - egal ob Sport oder Kultur - , oder Gastronomiebetriebe zu besuchen. "Wir sind mitten in der 3. Welle. Trotzdem wollen wir über ein Modellprojekt versuchen, in den nächsten Wochen die Richtung zu ändern in Hinblick auf Öffnungen und Lockerungen. Wir müssen trotzt der Pandemie zur Normalität zurückkehren", erklärte das Stadtoberhaupt am Montag.

Inzidenzwert von 100 weiter im Fokus

Grundlage für das Vorgehen ist eine Regelung zu Modellprojekten in der sächsischen Corona-Schutzverordnung, die die Zulassung von Zuschauern ermöglichen würde. Der Paragraf 8g sieht Projekte zur "Erprobung von Corona-Testkonzepten" vor, allerdings muss dafür ein Sieben-Tage-Inzidenzwert von 100 Infektionen auf 100.000 Einwohner unterschritten werden. In Leipzig lag der Wert am Montag bei 81, Tendenz steigend.

Deshalb glaubt Jung nicht, dass es von Seiten der Landespolitik grünes Licht für das Projekt geben wird. Er plädiert jedoch dafür, nicht mehr nur auf den Inzidenzwert zu schauen, sondern auch andere Faktoren für die Öffnungsstrategien heranzuziehen. "Der Inzidenzwert alleine ist nicht mehr aussagekräftig. Es muss die Impfquote mit einberechnet werden. Die Sterberate wird durch das Durchimpfen deutlich sinken. Und auch die Belastung der Intensivstation wird sich verändern", so Jung.

Die aktuelle Verordnung in Sachsen läuft noch bis zum 31. März. Was ab dem 1. April kommt, sei völlig unklar, sagte Jung. Im schlimmsten Falle könnten sogar die Modellprojekte aus der Verordnung gestrichen werden. Aber auch ein Loskopllung vom Inzidenzweert wäre möglich.

Streit um Startpunkt des Projekt

Geschäftsführer Karsten Günther, SC DHfK Leipzig

Zunächst einmal ist das Projekt nun beim Freistaat Sachsen beantragt. Nur wann es losgeht, da herrscht eben noch Unklarheit. Geht es nach den Projektträgern SC DHfK und RBL wäre der Start am 1. April. Die Vereine sind vorbereitet, haben die nötigen Grundlagen geschaffen und auch die technische Infrastruktur dahinter steht.

"Wenn wir jetzt den Mut besitzen, und ab Anfang April die Daten sammeln, könnte das maßgebend für andere Branchen sein", sagte SC-DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther eindringlich. "Wir wollen ein Signal senden." Er hoffe auf eine positive Rückmeldung aus Dresden trotz der aktuellen Verordnung.

RB-Vorstand Ulrich Wolter hat die Hoffnungen auf Fans im Top-Spiel gegen die Bayern trotzdem noch nicht aufgegeben und hofft auf eine Anpassung der Schutzverordnung zum 1. April. "Wir bereiten uns so vor, dass wir es umsetzen können. Je früher, desto besser", sagte Wolter. Das Modellprojekt sei dafür gedacht, Dinge auszuprobieren, "die unabhängig sind von der Situation. Wir bewegen uns aber natürlich in den rechtlichen Rahmenbedingungen."

Oberbürgermeister Jung hält das Projekt ebenfalls für sofort machbar, glaubt aber nicht an eine Abweichung von den Vorgaben. Zudem hänge vieles an der Ministerpräsidentenkonferenz und deren Entscheidungen am Montagabend.

Unterstützung durch Universitätsklinikum Halle

Das Modellprojekt basiert auf Massentests kurz vor einem Event. Jeder potentielle Zuschauer muss sich vorher testen lassen. Das Ergebnis wird dann in digitaler Form in eine App eingetragen. In den nächsten 24 Stunden - in denen eine negativ getestete Person nicht ansteckend sein soll - könnten dann Veranstaltungen besucht werden.

Begleitet wird das Projekt vom Universitätsklinikum Halle, das bereits im letzten Spätsommer an der "Restart19"-Studie beteiligt war und auch diesmal die medizinische Seite betreuen wird. Dabei sollen Entwicklungspotentiale aufgezeigt und bei der Fehlerbehebung geholfen werden.

Hansa hat schon wieder vor Fans gespielt

Bisher hatte RB Leipzig am 24. Oktober beim 2:1 gegen Hertha BSC letztmalig Fans ins Stadion lassen dürfen. Damals hatten 999 Zuschauer die Partie verfolgt. Bereits am vergangenen Wochenende hatte es bei Hansa Rostock ein Pilotprojekt gegeben. Der Drittligist durfte unter Hygieneauflagen 777 Fans zum Spiel gegen den Halleschen FC in das Ostseestadion lassen, 702 Zuschauer erschienen letztlich. Zutritt gab es nur mit einem negativen Schnelltest.

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rho/dpa

MDR | Stand: 22.03.2021, 19:52

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