Kugelstoßer David Storl: Quarantäne ein Doping-"Schlupfloch"

David Storl beim Kugelstoßen

Leichtathletik | Doping

Kugelstoßer David Storl: Quarantäne ein Doping-"Schlupfloch"

Kugelstoßer David Storl sieht die Quarantäne bei an Corona erkrankten Spitzensportlern als das "allerbeste Alibi zum Betrügen". Das sagte der frühere Weltmeister in einem Zeitungsinterview. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) verweist auf alternative Testmöglichkeiten.

Der Olympia-Silbermedaillengewinner und zweimalige Weltmeister im Kugelstoßen David Storl sieht die Quarantäne bei an Corona erkrankten Spitzensportlern als das "allerbeste Alibi zum Betrügen". Dies sagte der 30-Jährige in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" (31. März).

Storls "Skepsis ist noch einmal extrem gestiegen"

Storl war selbst positiv getestet worden und in der häuslichen Isolation. "Durch meine Quarantäne ist mir bewusst geworden, dass wir es bei den Olympischen Spielen, sofern sie stattfinden, ganz bestimmt nicht mit Chancengleichheit zu tun haben werden", sagte der gebürtige Rochlitzer. "Jedenfalls ist meine Skepsis jetzt noch einmal extrem gestiegen. Weil es für in Quarantäne befindliche Sportler oder Sportlerinnen keine Dopingtests gibt."

Der Athlet des SC DHfK Leipzig schilderte, wie zwei oder drei Tage vor dem Ende seiner Quarantäne ein Kontrolleur der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) bei ihm klingelte. Er habe ihm durch die Freisprechanlage gesagt, dass er wegen seines positiven Befundes die Tür nicht öffnen dürfe. Der Kontrolleur sei dann wieder nach Hause gefahren.

Keine Glaubwürdigkeit "für diese zwei Wochen"

"In dem Moment wurde mir erst einmal so richtig bewusst, wie weit eine Quarantäne dem Betrug Tür und Tor öffnen kann und bestimmt auch wird", erklärte Storl. "Zu Hause in deinen eigenen vier Wänden bieten sich doch unter der totalen Abschottung alle Möglichkeiten der Welt, um bestimmte Leistungsfähigkeiten mit unerlaubten Stoffen zu verbessern."

Er empfinde es als "großes Desaster, weil ich für diese zwei Wochen nicht glaubwürdig bin. Ich möchte niemand auf der Welt verdächtigen, dennoch glaube ich und kann es mir gut vorstellen, dass es einige gibt, die die Quarantäne als Schlupfloch nutzen". Der Kugelstoßer selbst hatte nach eigenen Angaben während seiner Erkrankung keine schlimmeren, länger anhaltenden Symptome.

NADA verweist auf "weitere Möglichkeiten" der Kontrolle

Die Nada bestätigte am Mittwoch, dass Dopingtests während einer behördlich angeordneten Quarantäne ausgesetzt werden. Sie nutze in diesen Fällen jedoch weitere Möglichkeiten, um auch den Zeitraum ohne herkömmliche Kontrollen genau zu untersuchen, sagte Nada-Sprecherin Eva Bunthoff der Deutschen Presse-Agentur.

"Die Analytik bietet hier verschiedene Möglichkeiten, unter anderem im Rahmen des Biologischen Athletenpasses und der Re-Analyse langzeitgelagerter Proben, um mögliche abweichende Entwicklungen während der Quarantäne recherchieren zu können."

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dpa/red

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MDR | Stand: 31.03.2021, 14:36

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