Fußball | Regionalliga Kippt jetzt die Aufstiegsregelung? Ostklubs wollen DFB-Bundestag erzwingen

Stand: 06.10.2022 20:00 Uhr

Seit Jahren sorgt die Aufstiegsregelung aus den Regionalligen in die 3. Liga für Diskussionen. Nun proben die Ostvereine die Revolution und fordern vom NOFV, einen Außerordentlichen DFB-Bundestag zu beantragen. Das Ziel des Antrags: Die Aufstiegsregelung kippen.

Alexander Küpper

Hinter diesem Antrag versammeln sich laut MDR-Informationen fast alle Nordost-Regionalligisten, unter anderem die großen Traditionsvereine der Liga (Carl Zeiss Jena, Rot-Weiß Erfurt, Chemnitzer FC, 1. FC Lok Leipzig, BSG Chemie Leipzig, Energie Cottbus, SV Babelsberg, BFC Dynamo). Auch einige Drittligisten dürften dabei sein. Bisher sollen der FSV Zwickau, der Hallesche FC und Erzgebirge Aue ihre Unterstützung signalisiert haben.

Unterschiedliche Aufstiegsregelungen sorgen für Zündstoff

Die aktuell geltende Aufstiegsregelung aus den Regionalligen in die 3. Liga sorgt seit Jahren für Diskussionen. Die Ungerechtigkeit ist offensichtlich: Die Meister aus den Regionalligen West und Süd-West dürfen immer direkt aufsteigen. Die anderen Meister nur alle drei Jahre, müssen ansonsten Aufstiegsspiele absolvieren. Um diese Ungleichbehandlung zu beenden, gehen die Regionalligisten aus dem Nordosten sowie einige Drittligisten jetzt in die Offensive. Und argumentieren dabei mit den Worten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). In dessen Satzung heißt es:

Christian Beck

In der Saison 2021/22 wurde der BFC Dynamo Meister der Regionalliga Nordost. In den Aufstiegsspielen zogen Christian Beck (Bild) und Co. gegen den VfB Oldenburg aber den Kürzeren.

Der DFB handelt in sozialer und gesellschaftspolitischer Verantwortung und fühlt sich in hohem Maße dem Gedanken des Fair Play verbunden. |

Genau darauf zielen die Ostklubs jetzt ab, fordern die "(Wieder-)Einführung von Gleichbehandlung, Chancengleichheit und Fair Play in Bezug auf die Aufstiegsregelung aus den fünf Regionalligen in die 3. Liga." Der Plan: Sie wollen einen Außerordentlichen DFB-Bundestag erzwingen, auf dem eine Änderung der Aufstiegsregelung beschlossen werden soll. Dafür nehmen die Vereine den Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) und die sechs dort organisierten Landesverbände (Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern) in die Pflicht. Und so soll es funktionieren:

Neue Aufstiegsregel soll ab 2023/2024 gelten

Am 19. November 2022 steigt der NOFV-Verbandstag. Dazu haben die Vereine folgenden Antrag eingereicht:

"Das im Sinne des § 26 BGB vertretungsberechtigte Präsidium wird beauftragt, einen Antrag zur Einberufung eines Außerordentlichen Bundestags gemäß § 29 DFB-Satzung mit dem Tagesordnungspunkt 'Änderung des § 55b DFB-Spielordnung zur Einführung einer neuen Aufstiegsregel zur 3. Liga ab der Spielzeit 2023/2024, durch die alle Regionalligameister unter Wahrung der Grundsätze der Chancengleichheit sowie des Fair Play gleichbehandelt werden' zu stellen."

Logo NOFV

Adressat der Forderung ist der NOFV. Der soll einen außerordentlichen DFB-Bundestag einberufen.

Vereine üben Druck auf Landesverbände aus

Laut DFB-Satzung (§ 29, Nr. 1) ist das DFB-Präsidium zur Einberufung eines Außerordentlichen Bundestags verpflichtet, "wenn […] mindestens zwei Regional- oder sechs Landesverbände Anträge auf Einberufung eines Außerordentlichen Bundestags in gleicher Sache stellen". Daher üben die Vereine auch Druck auf ihre Landesverbände aus:

"Das im Sinne des § 26 BGB vertretungsberechtigte Präsidium wird angewiesen, auf eine Unterstützung des Antrags gemäß Ziffer I. im Sinne einer gemeinsamen Linie durch die sechs im NOFV organisierten Landesverbände sowie bestmöglich darauf hinzuwirken, dass jeweils auf Ebene der sechs Landesverbände kurzfristig eine verbindliche Beschlussfassung über eine jeweils selbständige Antragstellung zur Einberufung eines Außerordentlichen Bundestags gemäß § 29 DFB-Satzung mit dem Tagesordnungspunkt 'Einführung einer neuen Aufstiegsregel zur 3. Liga ab der Spielzeit 2023/2024, durch die alle Regionalligameister unter Wahrung der Grundsätze der Chancengleichheit sowie des Fair Play gleichbehandelt werden' herbeigeführt wird."

NOFV-Präsident Winkler: "Wir werden den Antrag eingehend prüfen"

Der NOFV soll also einen Außerordentlichen DFB-Bundestag beantragen und gleichzeitig seine Mitgliedsverbände auffordern, selbiges zu tun. Kommen alle sechs Verbände dieser Forderung nach, wäre der DFB-Bundestag laut Satzung beschlossene Sache. Auf konkrete Lösungsvorschläge verzichten die Vereine vorerst, um einmal mehr in eine ergebnisoffene Diskussion zu gehen. NOFV-Präsident Hermann Winkler bestätigte den Eingang der Anträge. "Wir sind diesbezüglich mit den Vereinen in engem Austausch. Wir werden den Antrag jetzt eingehend prüfen und uns zu gegebener Zeit inhaltlich dazu äußern."

Hermann Winkler, NOFV Präsident

NOFV-Präsident Hermann Winkler kündigte eine Prüfung der Anträge an.

Sollte der Plan der Vereine aufgehen, könnte alles ganz schnell gehen. "Ein ordnungsgemäß beantragter Außerordentlicher Bundestag muss spätestens neun Wochen nach Einreichung der Anträge auf Einberufung stattfinden", so steht es in der Satzung des DFB. Schon zur neuen Saison könnte es also eine neue Aufstiegsregelung geben.