Kanu-Chef Konietzko: "Im Weltverband ist die Luft dünner"

"SpiO"-Talk mit Kanu-Weltverband-Präsident Thomas Konietzko 20:39 Min. Verfügbar bis 18.11.2022

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Kanu-Chef Konietzko: "Im Weltverband ist die Luft dünner"

Am Samstag wird beim Deutschen Kanutag in Leipzig ein neuer Präsident gewählt. Thomas Konietzko tritt nach elf Jahren nicht wieder an und paddelt endgültig auf die Weltbühne des Kanusports. Der gebürtige Wolfener wurde kürzlich zum Kanu-Weltpräsidenten gewählt. Am Donnerstag (18.11.2021) sprach er mit Thosten vom Wege über Erfolgsgeheimnisse, Höhen, Tiefen und die Zukunft des Kanusports.

"Es waren elf hervorragende Jahre, wahrscheinlich die schönsten Funktionärsjahre meines Lebens. Im Weltverband ist die Luft dünner und die Zeiten werden härter", ist sich Konietzko am Donnerstag (18.11.2021) im Talk bei "Sport im Osten" sicher.

Der Wolfener wurde mit einer deutlichen Mehrheit zum Weltpräsidenten gewählt und legt nicht nur deshalb sein Amt als Präsident des Deutschen Kanuverbandes nieder. "Nach elf Jahren im Amt hast du alles schon mal gesagt, du weißt nur nicht mehr wo und wiederholst dich", lacht er. Konietzko blickt auf eine erfolgreiche Zeit, "nicht, weil ich der Präsident war, sondern wir ein starkes Team", sagt er.

Verband ohne Skandale geführt

Stolz ist er, den Laden zusammengehalten zu haben. "Wir haben uns sehr oft richtig gefetzt, aber nie so gestritten, dass es nach außen gedrungen ist. Ich glaube, wir sind einer der wenigen Verbände, die nicht für Skandale gesorgt haben", so der 58-Jährige.

Auch sportlich war Konietzkos Amtszeit eine erfolgreiche: 22 Olympische Medaillen bei drei Olympischen Spielen stehen zu Buche. Der Kanuverband ist seit 1992 der erfolgreichste Olympische Sommersportverband. Das ist Lust und Last zugleich, denn die Erwartungshaltung ist riesengroß. "Es wird immer schwerer, diese zu erfüllen", erklärt er. "Andere Länder haben deutlich mehr Geld und mehr und besser ausgebildete Trainer." Es sei aber der Anspruch des deutschen Kanuverbandes weiter Weltspitze zu sein, um nicht dort zu landen, wo manche Verbände sind. Die Eisschnellläufer oder Leichtathleten stecken seit Jahren in einer Erfolgskrise.

Mutig Entscheidungen vorangetrieben

Konietzko ist ein Mann mit Mut und Ideen, der auch gegen Widerstände kämpft. In Tokio wurden die Frauen-Canadier-Wettkämpfe eingeführt, dafür andere gestrichen. Um den Kanusport noch attraktiver zu machen, wird es bei den Olympischen Spielen erstmals "Extremslalom" in handelsüblichen Booten ins Programm aufgenommen. Ein Sport, den man versteht, ohne zuvor jeweils ein Kanurennen gesehen zu haben, glaubt Konietzko. "Wir versprechen uns davon, noch mehr Paddler zu begeistern."

Auf seiner Agenda steht auch, den Kanusport globaler zu machen. In Tokio gewannen Sportler aus vier Kontinenten und neun Ländern Medaillen. Das sei der richtige Weg, so der neue Weltpräsident, der seine Sportart auch in Ländern auf dieser Welt entwickeln und etablieren möchte, die momentan noch hinten dran stehen. Es sei in den letzten Jahren gelungen. "Aber uns ist es schon gelungen, globaler zu werden, vor allem den Markt in Asien und Amerika zu begeistern", sagt er. "Da liegt große Zuschauerkraft, die für das IOC wichtig ist."

sst

MDR | Stand: 18.11.2021, 12:34

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