Fußball | 3. Liga Hallescher FC und Sportdirektor Ralf Minge gehen getrennte Wege

Stand: 12.01.2023 10:41 Uhr

Schon in den letzten Monaten knirschte es zwischen dem Halleschen FC und Sportdirektor Ralf Minge. Nun haben sich beide Seiten auf eine vorzeitige Vertragsauflösung geeinigt.

Der Hallesche FC und Sportdirektor Ralf Minge gehen nach nicht einmal zwei Jahren getrennte Wege. Wie der Verein am Donnerstag (12.01.2023) mitteilte, haben sich beide Seiten auf ein Ende der Zusammenarbeit Ende März verständigt. Minges Arbeitspapier wäre im Sommer 2023 ausgelaufen.

Mit der vorzeitigen Vertragsauflösung will der Verein die Planung für die kommende Saison frühzeitig angehen. "Bis dahin wird Ralf Minge weiterhin die Position des Sportdirektors vollumfänglich ausfüllen", heißt es in einer Pressemitteilung des HFC. Wer sein Nachfolger wird, ist noch offen. Der neue Manager soll mit Hilfe einer internen Auswahlkommission gefunden werden.

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Rauschenbach: "Gab ein paar Unwuchten"

"Wir bedanken uns bei Ralf Minge für die geleistete Arbeit. Er hat in den anderthalb Jahren den Verein konzeptionell weiterentwickelt. Das gilt sowohl für die Profimannschaft als auch für die Verzahnung mit dem Nachwuchsbereich und die Ausgestaltung des neuen Nachwuchsleistungszentrums. Die Zusammenarbeit war immer von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt", wird HFC-Präsident Jens Rauschenbach in der Pressemitteilung zitiert.

Rauschenbach sagte am Donnerstag "Sport im Osten", man habe sich "intensiv mit der Perspektive auseinandergesetzt". In diesem Zusammenhang habe Minge selbst angekündigt, seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen. "Das Ergebnis folgender Gespräche ist dann gewesen, dass Minge am 31. März ausscheidet. Für die Perspektive suchen wir nun einen Neuen."

HFC-Trainer Meyer: Minge-Trennung "beeinflusst unsere Arbeit nicht"

Der HFC-Chef deutete Probleme in der Zusammenarbeit von Minge mit Trainer André Meyer an: "Natürlich ist es so, dass Dinge, die auf dem Reißbrett sehr gut aussehen, 'erfahrener Sportdirektor und junger, dynamischer Trainer", dass man das auch in der Umsetzung so hinkriegen muss. Da gab es sicherlich ein paar Unwuchten, auch in der Transferperiode."

Zwölf Verträge laufen aus, das HFC-Interesse an den Akteuren, die man behalten will, sei hinterlegt.

Kritik von Rauschenbach an Kader-Planung

Rauschenbach hatte immer wieder Kritik an der Kaderzusammenstellung geäußert. Kurz vor Weihnachten holte er in einem Zeitungsinterview zum Rundumschlag aus. "Leider stehen wir bei der sportlichen Entwicklung nicht da, wo wir sein wollten. Unsere Anforderung 'wir müssen besser scouten und verpflichten' ist bisher nicht voll umgesetzt", klagte der HFC-Präsident.

Präsident Jens Rauschenbach, Hallescher FC

HFC-Präsident Jens Rauschenbach (re.) hat zuletzt immer wieder Kritik an der Kaderplanung Ralf Minges durchblicken lassen.

Minge macht "Platz für einen Neuanfang"

Minge erklärte nun, die Situation in den zurückliegenden Wochen "intensiv reflektiert" zu haben. "Da ist die Entscheidung in mir gereift, im Hinblick auf die neue Saison Platz für einen Neuanfang zu machen. Auch wenn die gemeinsamen Erwartungen in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht in allen Bereichen in Erfüllung gegangen sind wie erhofft, so war es doch eine sehr spannende Zeit, die mir in positiver Erinnerung bleiben wird".

Umbruch beim HFC droht zu scheitern

Minge war im Mai 2021 mit einigen Hoffnungen im Gepäck als Sportdirektor beim HFC angetreten. Gemeinsam mit Trainer André Meyer, der im Januar 2022 verpflichtet wurde, leitete er im Sommer einen personellen Umbruch ein. Minge und Meyer setzten auf junge und drittliga-unerfahrene Spieler, die vornehmlich aus der Regionalliga verpflichtet wurden.

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Der Plan ging bisher nicht auf. Mit nur 16 Punkten steht Halle vor dem Start ins neue Jahr am Samstag gegen Rot-Weiss Essen (14 Uhr live im MDR FERNSEHEN) nur knapp über dem Strich. Vor allem die eklatante Auswärtsschwäche bereitet Sorgen.

Kehrt Minge zu Dynamo Dresden zurück?

Vor seiner Zeit in Halle war Minge von 2007 bis 2009 sowie 2014 und 2020 als Sportgeschäftsführer bei Dynamo Dresden tätig. Zuvor saß er bereits im Aufsichtsrat der SGD. Zwischen 1980 und 1991 trug er als aktiver Spieler in über 200 Spielen das Dynamo-Trikot.

Eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte scheint nicht ausgeschlossen. Im November hatte Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker offen über eine Rückkehr Minges gesprochen. "Wenn es die Möglichkeit gibt, so eine Vereins-Ikone wie ihn wieder einzubinden, dann sollte man alles in Bewegung setzen, das zu tun", sagte Becker.

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red/pm