Fußball-Bundesliga "Geh' dorthin, wo du dich wohlfühlst" – Timo Werner bei RB Leipzig vorgestellt

Stand: 10.08.2022 14:35 Uhr

Timo Werner ist wieder in seiner Wohlfühloase. Nach schwierigen vergangenen Monaten beim FC Chelsea ist der Nationalspieler glücklich über seine Rückkehr. Vor dem Wechsel holte er sich auch den Segen des Bundestrainers.

Von Sanny Stephan

Timo Werner saß lächend auf dem Podium. Zurück in Leipzig, zurück bei RB. Am Montagabend war er aus London eingeflogen, am Dienstag gab der Verein die Verpflichtung bekannt. Einen Tag später wurde Werner nun offiziell vorgestellt. "Schön, wieder da zu sein", sagte der 26-Jährige am Mittwoch (10.08.2022) in der Medienrunde. Hektisch und aufregend seien die letzten 24 Stunden gewesen. "Es hat viel Spaß gemacht, zurück nach Leipzig zu kommen und bekannte Gesichter zu sehen", meinte Werner.

"Sehr gutes Gespräch mit dem Trainer"

Nach zwei Jahren in London ist er froh, wieder da zu sein. "Die typisch deutschen Bäckereien habe ich schon vermisst", schmunzelte der Neuzugang. Entscheidend für den Wechsel nach Leipzig waren aber andere Dinge. Erstens: Werner kennt das Umfeld und viele Spieler. Auch wenn er die Vorbereitung verpasst hat, werde er keine große Anlaufzeit brauchen und könnte schon am Samstag gegen den 1. FC Köln auflaufen: "Wenn der Trainer es mir zutraut, freue ich mich."

Bundesliga: Timo Werner ist zurück in seiner RB-Wohlfühloase

Zweitens: Er kennt RB-Cheftrainer Domenico Tedesco. Beide sind Schwaben. Sie begegneten sich einst schon im Nachwuchs beim VfB Stuttgart. "Es war ein sehr gutes Gespräch mit Domenico Tedesco. Der Trainer ist der wichtigste Bestandteil für einen Spieler", so Werner. Die negative Seite hat er gerade erst beim FC Chelsea kennengelernt. Mit Thomas Tuchel galt das Verhältnis vor allem in den letzten Monaten als unterkühlt.

Leipzig – ein guter Schritt

Werner, der "immer spielen will", saß für seinen Geschmack zu oft auf der Bank, verlor Freude, Selbstvertrauen und Standing im Team. Das Thema Weltmeisterschaft im kommenden November kreiste dabei immer in seinem Kopf. "So oft kommt man als Spieler nicht in den Genuss einer WM. Ich will optimal vorbereitet sein und viel spielen. Für mich war relativ schnell klar, dass Leipzig ein sehr guter Schritt ist." Natürlich weihte er auch Bundestrainer Hansi Flick in seine Leipzig-Pläne ein. Der "fand die Idee gut", so Werner, und gab ihm vor allem einen Rat mit auf den Weg: "Geh dorthin, wo du dich wohlfühlst."

"Natürlich habe ich mit dem Bundestrainer geredet"

Zweikampfverhalten auf der Insel "geschult"

Ist er nun besser geworden in den zwei Jahren auf der Insel? Werner lacht: "Auf jeden Fall ist mein Spiel robuster geworden. Man muss dagegenhalten, sonst wäre man in den Zweikämpfen untergegangen." Auch am während seiner ersten Leipziger Jahren nicht immer ausuferndem Trainingsfleiß habe er gearbeitet, anders wäre es beim Konkurrenzkampf im Chelsea-Kader auch gar nicht gegangen. "Ich bin jetzt 26, da weiß man auch ein bisschen mehr", flachst Werner, über den Ralf Rangnick einst sagte, dass er nur bei Bewertung der Trainingsleistung nicht viele Spiele von Beginn an erlebt hätte.

Auf jeden Fall ist mein Spiel robuster geworden. Man muss dagegen halten, sonst wäre man in den Zweikämpfen untergegangen. Timo Werner | RB Leipzig

"Ich möchte wieder Fußball spielen"

"Ich will Tore schießen"

Werner ist reifer geworden auf der Insel, hat sein Englisch verbessert und gelernt, dass man manchmal einen Schritt zurück gehen muss, um nach vorn zu kommen. Wobei er seinen Wechsel nicht zwingend als Rückschritt betrachtet. "Leipzig hat sich auch entwickelt", erklärt er. Die Offensive ist die Beste, die RB je hatte. Der Konkurrenzkampf deutlich größer als noch vor zwei Jahren. Werner sorgt sich nicht: "Ich will Tore schießen, aber keinem dem Platz streitig machen. So war ich früher nicht und so bin ich heute nicht. Ich habe immer meinen Platz in der Mannschaft gefunden. Ich glaube, es wird gut funktionieren."

Bleibt Laimer auch wegen Werner?

Vor allem mit Konrad Laimer. Der Österreicher ist ein guter Freund von Werner. Beide waren jüngst gemeinsam im USA-Urlaub. "Ich würde mich freuen, wenn er noch ein Jahr hier spielen würde", sagt Werner. Gut möglich, dass Laimer seine Wechselambitionen zum FC Bayern München beiseite schiebt.

Werner mit Chelsea Champions-League-Sieger

Man kann nicht behaupten, dass Werner mit Chelsea nicht erfolgreich war. Beim Champions-League-Sieg 2021 stand er in der Startelf, genauso wie im gewonnenen europäischen Supercup-Finale gegen Villarreal 2021. Dazu holte er mit Chelsea die Klubweltmeisterschaft 2021. Bei der Finalniederlage im FA-Cup letzte Saison gegen Liverpool schmorte Werner allerdings 90 Minuten auf der Bank.

Werner und die Insel – es passte nicht

Das Verhältnis zu Tuchel war nicht das beste. Wirklich warm wurde Werner in London nicht. Er lieferte viele glücklose Spiele ab, musste heftige Kritik einstecken. Offenbar braucht der gebürtige Stuttgarter eine Wohlfühloase, um gut zu kicken. Dass er es kann, hat Werner in den ersten vier Jahren in Leipzig gezeigt. 28 Treffer erzielte der Stürmer allein in seiner letzten Bundesliga-Saison. In 156 Pflichtspielen für RB kommt er auf 90 Tore und 40 Vorlagen. Allein diese Zahlen unterstreichen seine Qualitäten, die er – anders als in England – nun wieder dauerhaft auf den Platz bringen will.

Zahlen und Fakten zu Timo Werner

  • 219 Bundesligaspiele
  • 86 Bundesliga-Tore
  • 56 Premier League-Spiele
  • 10 Premier League-Tore
  • 31 Spiele in der Champions League
  • 15 Champions-League-Tore

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