Fix: RB Leipzig spielt in Budapest gegen den FC Liverpool - Kritik aus der Politik

Puskas Arena Budapest

Fußball | Champions League

Fix: RB Leipzig spielt in Budapest gegen den FC Liverpool - Kritik aus der Politik

Die Suche hat ein Ende. RB Leipzig spielt sein Hinspiel in der Champions League gegen den FC Liverpool in Ungarn. Wegen des Einreiseverbots für den englischen Fußball-Meister konnte die Partie nicht in Leipzig stattfinden. Kritik kommt aus der Politik.

Puskás-Arena statt Red-Bull-Arena: Das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League zwischen RB Leipzig und dem FC Liverpool wird am 16. Februar in der ungarischen Hauptstadt Budapest ausgetragen. Das gab die Europäische Fußball-Union UEFA am Sonntag (7. Februar) bekannt.

"Die Gespräche mit allen Beteiligten, allen voran der UEFA und dem FC Liverpool, aber auch dem ungarischen Fußballverband waren ausnahmslos konstruktiv und lösungsorientiert. Allen war wichtig, dass das Spiel stattfinden kann", sagte Ulrich Wolter, RB-Direktor Operations, der Deutschen Presse-Agentur. Zuschauer dürfen aber auch in Ungarn nicht ins Stadion, wie RB mitteilte.

Keine Ausnahme für Profisportler

Vorangegangen war eine hektische Suche nach Lösungen. Wegen der aktuellen Corona-Beschränkungen hatte die Bundespolizei einen Antrag auf eine Sondergenehmigung für die Einreise des englischen Fußball-Meisters am Donnerstag abgelehnt. Großbritannien zählt wegen der als besonders ansteckend eingestuften Coronavirus-Mutation als Hochrisikoland, aus dem eine Einreise nach Deutschland bis mindestens 17. Februar untersagt ist. Eine Ausnahme für Profisportler, die in einer Blase mit strengen Hygieneregeln agieren, schlossen die deutschen Behörden aus.

Unverständnis bei Klopp

Das rief selbst bei Liverpools Trainer Jürgen Klopp Unverständnis hervor. "Ich denke, es wäre absolut angemessen, eine Ausnahme zu machen", hatte Klopp gesagt und auf die Maßnahmen verwiesen, die Liverpool ergreife, um das Team vor dem Coronavirus zu schützen. "Wir sind wirklich in einer Blase, und wir könnten gegen Leipzig spielen, ohne das Virus zu verbreiten", hatte der 53-Jährige betont.

Auch Salzburg, London und polnische Städte im Gespräch

Da waren die Sachsen auch im Austausch mit der UEFA bereits dabei, mögliche neue Ausrichter zu finden. Nachdem zunächst Salzburg oder London als Optionen galten und auch die polnischen Städte Danzig und Krakau geprüft wurden, bekam Budapest den Zuschlag. "Wir haben uns frühzeitig mit diversen Alternativen beschäftigt. Budapest ist gut erreichbar, die generelle Infrastruktur passt, sowohl in Bezug auf die Spielstätte als auch auf die Anreise und Unterkunft. Zudem ist die Puskás Arena erfahren in der Austragung von Champions-League-Spielen, ein Punkt, der auch der UEFA wichtig war", sagte Florian Scholz, Kaufmännischer Leiter Sport.

Puskas-Arena in Budapest

Für Ungarn gelten zwar bis mindestens zum 1. März Binnengrenzkontrollen und ebenfalls strenge Einreisebestimmungen. Für Profisportler sind aber Ausnahmen vorgesehen. Für die Rückreise nach Deutschland reicht ein negatives Test-Ergebnis, da Ungarn anders als Großbritannien nicht als Hochrisikoland eingestuft ist. "Es müssen Bescheinigungen über negative PCR-Tests vor Einreise nach Ungarn und vor Wiedereinreise in die Bundesrepublik vorgehalten werden. Mit diesem Prozedere sind wir aus vergangenen Reisen zu Fußballspielen vertraut", erklärte Wolter.

Liverpool lehnte Heimrecht-Tausch ab

Möglich wäre auch ein anderer Termin gewesen, doch momentan geht niemand davon aus, dass ab 17. Februar die Beschränkungen gelockert werden könnten. Der Tausch des Heimrechts wurde von den Engländern abgelehnt. Im schlimmsten Fall wäre die Partie ausgefallen und mit 3:0 für Liverpool gewertet worden, was nahezu gleichbedeutend mit dem Ausscheiden der Leipziger gewesen wäre.

Leipzig trägt die Kosten

In jedem Fall müssen die Leipziger die Kosten für die Verlegung bezahlen. Diese liegen im hohen sechsstelligen Bereich. "Das ist natürlich ärgerlich, aber das ist nun mal die Situation", sagte RB-Sportdirektor Markus Krösche. Die UEFA dankte beiden Clubs für die "enge Zusammenarbeit" und den Ungarn, dass sie sich als Gastgeber zur Verfügung stellten. Auch Borussia Mönchengladbach muss sich für das Achtelfinal-Hinspiel gen Manchester City am 24. Februar voraussichtlich einen Ausweichort suchen. Neben Buadapest ist auch das dänische Midtjylland im Gespräch.

Lauterbach: "Das ist das falsche Signal"

Karl Lauterbach, SPD

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält die Austragung der Europacup-Partien für "das falsche Signal", wie der SPD-Politiker der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» sagte. "Wir sollen derzeit alle auf Reisen verzichten, diesen Appell hat auch die Bundeskanzlerin gesetzt, und ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum wir da für einen Profizirkus eine Ausnahme machen sollten", sagte Lauterbach. Die Gefahr, das Virus einzuschleppen, sei gegeben.

"Jede Reise ist eine zuviel"

Dagmar Freitag, SPD, Mitglied des Bundestages, spricht im Rahmen einer Sitzung vor dem Bundestag in Berlin

Ähnlich sieht es die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestags, Dagmar Freitag (SPD). "Aufgrund der bekannten Mutationen des Virus ist jegliche Ein- und Ausreise in und aus anderen Ländern eine zuviel", sagte Freitag am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. "Ich halte auch die Reisen von Fußballspielern für unangemessen." Dies gelte erst recht, wenn es sich um Vereine aus Hochrisikoländern wie beispielsweise Großbritannien handele. Der UEFA und den Vereinen gehe es "allein um das Geld", meinte Freitag.

SPD-Generalsekretär Klingbeil: Kein gutes Signal

Kritik kommt auch vom SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. Er hat dem Fußball wegen der weiter geplanten Austragung von Champions-League-Spielen während der Corona-Beschränkungen Realitätsferne vorgeworfen. Bei "RTL/ntv" sagte Klingbeil am Montag, die Tatsache, dass alle in Einschränkungen leben und die Mannschaften nun quer durch Europa jetten würden, sei kein gutes Signal. "Es wäre ein stärkeres Signal, wenn dieses Spiel verschoben worden wäre oder gar ausgefallen wäre. Das ist auch mal verzichtbar an dieser Stelle. Der Wettbewerb darf da nicht an erster Stelle stehen", sagte der SPD-Politiker.

 Bayern zur Club-WM nach Katar eingeflogen

Auch der FC Bayern hatte sich am Wochenende auf Reisen begeben, am Montag bestreitet der Champions-League-Sieger in Katar sein Halbfinale bei der Club-WM. Die Münchner durften erst verspäter abfliegen und waren darüber stinksauer. Dass sie froh sein konnte, überhaupt reisen zu können, war kein Thema.

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dpa/cke

MDR | Stand: 08.02.2021, 12:48

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