Dynamo Dresden steigt auf - Randale mit Verletzten am Stadion

Dynamo-Fans randalieren vor dem Stadion in Dresden

Fußball

Dynamo Dresden steigt auf - Randale mit Verletzten am Stadion

Von MDR SACHSEN

Mehrere Tausend Fans haben das Aufstiegsspiel von Dynamo Dresden rund ums Stadion verfolgt. Corona-Regeln wurden nahezu keine eingehalten. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei gab es mehrere Verletzte.

In Dresden ist es am Sonntag am Rande des Aufstiegsspiels von Dynamo Dresden zu Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden elf Polizisten verletzt, die Polizei leitete 17 Ermittlungsverfahren ein, unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs, Körperverletzung, Sachbeschädigung und dem Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz. 30 Personen wurden in Gewahrsam genommen.

Angriffe auf Journalisten

Journalisten wurden nach Angaben der Polizei ebenfalls attackiert. So wurde ein Kamerateam auf der Hauptallee weggestoßen. Ein Medienschutzteam der Polizei griff ein. Der Tatverdächtige konnte ermittelt werden, gegen den 38 Jahre alten Deutschen wird wegen Körperverletzung ermittelt.

Ein 17-Jähriger wurde auf der Lennéstraße von Unbekannten geschlagen und getreten. Der junge Mann war dort laut Polizei mit einem Fotoapparat unterwegs und dokumentierte die Situation. Auch er war möglicherweise journalistisch tätig. Die Polizei bittet möglich andere betroffene Journalisten, sich zu melden und Anzeige zu erstatten.

Mehr als 1.000 Beamte im Einsatz

Während des Einsatzes sind mindestens ein Dutzend Polizeifahrzeuge beschädigt worden. Es wurden unter anderem Reifen zerstochen und Spiegel abgetreten. Wie hoch der Sachschaden ist, ist noch unklar. Etwa 1.100 Polizeibeamte waren im Einsatz. Dabei wurde die Dresdner Polizei von Beamten der sächsischen Bereitschaftspolizei, aus Brandenburg sowie der Bundespolizei unterstützt.

Deeskalationsstragegie ging nicht auf

Der Leiter der Polizeidirektion Dresden, Polizeipräsident Jörg Kubiessa, stellte am Abend fest: "Die erschreckenden Szenen rund um das Rudolf-Harbig-Stadion haben gezeigt, dass die Deeskalationsstrategie der Polizei nur dann funktioniert, wenn beide Seiten das auch wollen. Wir haben bis 15:30 Uhr ganz klar auf Kommunikation gesetzt. Als dann aber mindestens 500 Gewaltbereite unsere Polizeibeamten im Großen Garten unvermittelt und massiv mit Pyrotechnik, Flaschen sowie Steinen angriffen, fand diese Strategie zwangsläufig ihr Ende."

Es ist bedauerlich, dass der sportliche Erfolg von Dynamo Dresden von diesen bestürzenden Bildern überschattet wird. Jörg Kubiessa | Polizeipräsident im Einsatzfazit

Polizei massiv angegriffen

Die Ausschreitungen begannen noch vor dem besiegelten Aufstieg von Dynamo Dresden: Anhänger des Vereins attackierten ab der 70. Minute des Spiels beim Stand von 3:0 außerhalb des Stadions die Polizei mit Pyrotechnik, Steinen und Flaschen und versuchten, die Absperrungen zu durchbrechen.

Laut Polizei waren Wasserwerfer, Reizgas und Räumfahrzeuge im Einsatz, um die Angreifenden zurückzudrängen. Ein Hubschrauber kreiste über der Stadt. Reporter berichten, dass ganze Baustellenabsperrungen demoliert und als Wurfgeschosse verwendet wurden.

Zentrale Sammelstellen für Verletzte

Die Feuerwehr Dresden richtete am Abend mehrere Verletztensammelstellen ein, an denen alle Rettungskräfte zusammengezogen wurden, um schnell helfen zu können. 50 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst waren im Einsatz, so Michael Klahre, Pressesprecher der Feuerwehr.

Feuerwehreinsatz nach Randalen bei Dynamo-Aufstieg

Über die Zahl der Verletzten konnte Klahre noch nichts sagen. Eigentlich werden solche Sammelstellen bei Zugunglücken, Bombenanschlägen oder Flugzeugabstürzen eingerichtet.

Pyrotechnik, Rangeleien und keine Einhaltung der Corona-Regeln

Insgesamt waren seit dem Mittag mehrere Tausend Menschen unweit des Stadions zusammengekommen - laut Polizei rund 4.000. Vor allem am Großen Garten und am Straßburger Platz trafen sich zahlreiche Fans – zum Großteil ohne Mundschutz. Mindestabstände wurden überwiegend nicht eingehalten. Am frühen Nachmittag begannen dann die ersten kleineren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Fans, die Pyrotechnik zündeten, unter anderem am Trainingsgelände unweit des Stadions.

Erst Stunden nach dem Spiel beruhigte sich die Lage. Die Situation rund um das Fußballstadion habe sich entspannt, twitterte die Polizei abends 18:37 Uhr - knapp drei Stunden nach dem Abpfiff des Spiels im Stadion. Vereinzelt seien noch Gruppierungen unterwegs. Kriminaltechniker hätten auf der Lennéstraße nach Beweismitteln gesucht und diverse Gegenstände sichergestellt.

Dynamo: "Es ist sehr schade, dass dieser Tag so schwer beschädigt wurde."

Am Abend gab es ein erstes Statement des Vereins. "Dieser Moment des Aufstiegs gehört so vielen Menschen, die heute nicht im Stadion dabei sein durften", twitterte der Fußball-Drittligist. "Hier gibt es sehr viel aufzuarbeiten, wenn der Polizeieinsatz vor dem Stadion abgeschlossen sein wird. Es ist sehr schade, dass dieser Tag so schwer beschädigt wurde."

Spieler Marco Hartmann sendete noch aus dem Stadion einen Appell. "Ich bitte euch einfach, geht bitte nach Hause. Es bringt heute nichts mehr, wir können und dürfen heute nicht rauskommen. Wir können es auch nicht verantworten, rauszukommen, denn es würde nicht gut werden", sagte der Kapitän. Mannschaft, Fans und Verein hätten es verdient, den Aufstieg gebührend zu feiern. "Aber nicht heute, sondern zu einem guten Zeitpunkt", sagte Hartmann.

Hilbert: Gewalt und Aggressivität seien leider ein bitterer Beigeschmack

Auch Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert meldete sich am Abend zu Wort. "Auch wenn wir uns alle über den Aufstieg von Dynamo Dresden freuen: Die Gewalt am Stadion gegenüber den Einsatzkräften ist nicht akzeptabel", erklärte Hilbert. "Wir müssen als Gesellschaft in den vergangenen Monaten auf eine Menge verzichten und auch unsere Grundrechte wurden stark eingeschränkt. Umso geringer ist mein Verständnis, wenn sogenannte Fußballfans meinen, sie würden außerhalb dieser geltenden Regeln und Gesetze stehen. Die Gewalt und Aggressivität nach Spielende sind leider ein bitterer Beigeschmack für diesen sportlich so wichtigen Tag.

Leider erinnern diese Bilder auch an den Aufstieg 2016 und schon damals konnte man sich nur für das Verhalten einiger Personen nur schämen. Hilbert hoffe sehr, dass sich der Verein aktiv mit diesen Ereignissen auseinandersetzt und bis zum Beginn der Saison in Liga 2 auch Antworten und Konzepte liefern kann. Denn die Leidtragenden seien vor allem die Fans, die seit Monaten geduldig auf die Rückkehr ins Stadion warten und dafür auch Verantwortung übernommen haben.

Vierter Dynamo-Aufstieg

Überschattet von den Ausschreitungen ist die SG Dynamo Dresden zum vierten Mal nach 2004, 2011 und 2016 in die 2. Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Ein 4:0 (2:0) gegen Türkgücü München reichte, um die Rückkehr ins Bundesliga-Unterhaus perfekt zu machen. Der Verein und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert hatten im Vorfeld des Spiels an die Anhänger appelliert, nicht zum Stadion zu kommen und zu Hause zu bleiben.

Erinnerungen an Situation zum Abstieg voriges Jahr

Ähnliche Szenen spielten sich beim Abstieg von Dynamo Dresden aus der 2. Bundesliga im vergangenen Sommer ab. Rund 2.000 Fans waren damals unter Missachtung der Corona-Regeln vor das Stadion gezogen und hatten sich dort mit reichlich Pyrotechnik und Sprechchören von der Mannschaft und ihrem damaligen Sportdirektor Ralf Minge verabschiedet.

Quelle: MDR/lam/cnj/dpa

MDR | Stand: 17.05.2021, 11:38

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