Fußball | 2. Bundesliga Dynamo Dresden: Ex-Kapitän Hartmann glaubt an "50:50-Geschichte"

Stand: 17.05.2022 10:55 Uhr

Dynamo Dresden liegt vor den beiden wichtigsten Saisonspielen gegen den 1. FC Kaiserslautern am Boden. Selbst Trainer Guerino Capretti äußerte nach dem desolaten Auftritt im Derby gegen Erzgebirge Aue Zweifel am Klassenerhalt. Ex-Dynamo-Kapitän Marco Hartmann sprach im SpiO-Frühstück über eine Saison zum Vergessen und Druck, den beide spüren.

17 Spiele in Folge ohne Sieg, noch kein Dreier unter Trainer Guerino Capretti und zuletzt ein emotionsloser Auftritt im Sachsenderby gegen Erzgebirge Aue: Dynamo Dresden steckt tief im Schlamassel und dennoch könnte die Saison noch versöhnlich enden. Geht die SGD als Sieger aus den beiden Relegationsspielen am Freitag (20:30 Uhr in der Pfalz) und am Dienstag (24. Mai/20:30 Uhr vor heimischer Kulisse) hervor, interessiert die sieglose Halbserie keinen mehr, sagt Marco Hartmann im Gespräch mit "Sport im Osten".

Dynamo kann gegen Aue kein Selbstvertrauen vor K'lautern tanken

Hartmann war viele Jahre der Kapitän der SGD, hat seine Karriere beendet und wird Lehrer. Als Referent am Sportgymnasium in Dresden unterrichtet er auch viele Dynamo-Anhänger. Denen "den Klassenerhalt versprechen" könne er nicht, sagte Hartmann: "Dazu bin ich viel zu rational. Ich sehe es als 50:50-Geschichte". Aber: Kaiserslautern habe genauso viel Druck. "Die haben so viel Geld investiert, um direkt aufzusteigen. Sie wollten den Umweg Relegation nicht", ist Hartmann überzeugt.

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Hartmann: "Der Rucksack wird immer schwerer"

Auch wenn er mit seinen früheren Teamkollegen nur noch flüchtig in Kontakt steht, hat er das Geschehen und die "Saison zum Vergessen" intensiv miterlebt. An eine derart schlechte Rückrunde konnte auch er sich nicht erinnern. Dabei war der Defensivspezialist in der kurzen Weihnachtspause vom Klassenerhalt überzeugt: "Ich war sicher, dass sie nicht mehr absteigen werden."

Doch seitdem hat Dynamo kein Spiel gewonnen. "Der Kopf ist gehemmt. Die Jungs schleppen einen riesigen Rucksack mit sich, der gefühlt von Woche zu Woche schwerer wird", so Hartmann, der das Gefühl kenne. Die Mannschaft müsse versuchen, die bisherige Saison aus den Köpfen zu bekommen. "Wenn du die Relegation meistert und die Klasse hältst, interessiert das keinen Menschen mehr."

Spielidee passte zu Verl, aber nicht zu Dynamo

Doch dafür braucht es mindestens einen Sieg. Es wäre der erste unter Capretti. Der Trainerwechsel hat sechs magere Punkte gebracht. Mehr nicht. Dynamo muss sich ankreiden lassen, dass das Experiment mit einem unerfahrenen Zweitliga-Trainer schief gegangen ist. Unabhängig vom Ausgang der Relegation. Auch Hartmann äußerte sich kritisch über dessen Spielidee, die er in Verl umsetzen konnte, die aber nicht zu Dynamo passe. "Er hat mit Verl sehr mutigen Fußball spielen lassen. Das funktioniert in Dresden und im Abstiegskampf nicht."

Hartmann über Caprettis Spielidee in Verl: "Passt nicht zu Dynamo"

Capretti: "So haben wir keine Chance"

Capretti wirkte als Trainer nicht nur einmal ratlos, wurde nach dem 0:1 gegen Aue aber zumindest deutlich: "So dürfen wir in Kaiserslautern nicht auftreten, dann haben keine Chance", sagte er "Sport im Osten". Er brauche Jungs auf dem Platz, die wissen, "worum es geht. Das muss ich von allen einfordern, gerade von den erfahrenen Spielern. Die Dinge müssen jetzt kommen", so der Coach.

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Die Chance, mit einem Derbysieg Selbstvertrauen zu tanken, hat Dynamo verpasst. Wird auch die Chance liegen gelassen, die Saison mit einer erfolgreichen Relegation gerade zu rücken, wären die Auswirkungen gravierender. Doch wie sagt es Lehrer Hartmann doch so schön: Zeugnisse gibt es erst am Schluss. Wenn dann der Stempel "versetzt" auf den Giftzetteln klebt, fragt eine Woche später keiner mehr, nach dem miserablen Schul-(Spiel)-Jahr.

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Sanny Stephan