Otto Becker, Bundestrainer Springreiten

Pferdesport | "Partner Pferd" Bundestrainer Otto Becker ist bei Christian Ahlmann noch guter Dinge

Stand: 20.01.2023 17:37 Uhr

Bei dem Weltcup der Springreiterinnen und Springreiter in Leipzig geht es für viele Schützlinge von Bundestrainer Otto Becker noch um wichtige Punkte für das Finale in Omaha (USA). Becker sprach im "Sport im Osten"-Interview darüber, wie es um die Reiter des Olympiakaders bestellt ist. Zudem blickte er auf die Nachwuchsprüfung "Goldener Sattel".

Erinnern Sie sich denn noch an ihr schönstes Erlebnis hier – den Erfolg im Weltcup-Finale der Springreiter 2002?

"Ich habe im Weltcup-Finale den Gesamtsieg geschafft, vor Ludger Beerbaum. Der zweite Umlauf war richtig schwer. Da bekomme ich heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Das wird mit dem Großen Preis von Aachen ganz oben eingeordnet."

Haben Sie eigentlich mal ein Turnier in Leipzig verpasst?

"Ich glaube nicht, ich habe die „Partner Pferd“ sogar noch in der alten Messe erlebt. Das ist ein besonderes Turnier. Das Publikum sitzt jeden Tag von morgens bis abends hier. Das ist etwas Besonderes, so wie das Turnier auch."

Sie gucken, wie sich Ihre Schützlinge schlagen. Wie zufrieden sind Sie momentan?

"Basel letzte Woche hat uns gutgetan. Stand jetzt hätten wir fünf Reiter qualifiziert für das Finale. Daniel Deußer ist fest gesetzt. Die anderen brauchen noch ein paar Punkte. Im Moment läuft es gut. Ich hoffe natürlich, dass der eine oder andere noch die Finalteilnahme festmachen kann. Das wird eine interessante Reise nach Omaha in den USA."

Hat Sie jemand überrascht?

"Nein, eigentlich nicht. Wir kennen die Reiter, auch wenn neue oder jüngere Reiter dazukommen. Das ist ein Prozess, der über Jahre geht. Hansi Dreher hat mich gefreut. Er ist spät eingestiegen und hat gut gepunktet. Es freut mich, wenn jüngere oder neuere Paare dazukommen."

Was ist mit Publikumsliebling Chistian Ahlmann, der noch null Punkte hat?

"Er ist der einzige Reiter, der hinterherhängt. Die Weltcupsaison lief noch nicht nach Plan. Er hatte letztes Jahr ein bisschen Pech. Ein Pferd hatte Fieber bekommen. Deshalb ist er auf dem Weg nach La Coruña umgedreht. Letzte Woche war er am Freitag in der Qualifikation mit "Dominator" überragend. Im Weltcup-Springen hat es nicht so geklappt. Er muss Gas geben, sonst wird das nichts mehr mit der Qualifikation."

Christian Ahlmann zu Pferd

Christian Ahlmann auf "Dominator"

Aber kann er es noch schaffen?

"Wenn er zwei Top-Ergebnisse hat, vielleicht. Geplant sind der Start hier in Leipzig und in zwei Wochen in Bordeaux. Da muss er richtig punkten, sonst ist der Zug abgefahren. Aber hier in Leipzig war das ja immer sein Turnier. Da bin ich guter Dinge, dass ihm das noch gelingt."

Aber es gibt noch "alte Hasen" wie Marcus Ehning.

"Er hatte auch ein bisschen Anlaufschwierigkeiten. Er war letzte Woche Zweiter und hat gut gepunktet. Er ist heiß, er will ins Finale. Ich glaube, es wäre seine 20. Finalteilnahme. Natürlich hilft da die Erfahrung den Reitern, die nötigen Punkte noch zu sammeln."

Ein Reiter springt mit seinem Pferd über ein Hindernis.

Marcus Ehning

Inwiefern ist der Wettbewerb "Goldener Sattel" für Sie wichtig, in dem junge Reiterinnen und Reiter mit Pferdewechsel starten?

"Natürlich gucke ich darauf, wie sich die vier Reiterinnen und Reiter entwickeln, die hier nominiert werden."

Wie wichtig ist der Wettbewerb auch für die Reiterinnen und Reiter?

"Natürlich ist das wichtig für sie, um Erfahrung zu sammeln. Da kann auch einmal etwas schiefgehen, aber sie müssen dranbleiben. Hier diesen Wettbewerb zu reiten, ist auch eine Auszeichnung."

Aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es nur wenige international sehr erfolgreiche Springreiter. Liegt das nur daran, dass die großen Ställe nicht in Mitteldeutschland liegen?

"André Thieme kennen wir ja. Es gibt ein paar gute Nachwuchsreiter. Aber ja, die Spitzenreiter gibt es oft dort, wo die Pferdezucht groß ist. Der Osten ist natürlich sehr weitläufig, da ist es schwieriger. Aber ich sehe gute Ansätze, sie haben aufgeholt. Da wird sich der eine oder andere durchsetzen."

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mkö