Trainerwechsel: MT Melsungen ist am Olympia-Überraschungs-Coach dran

Melsungen entlässt Gudmundsson

00:24 Min. Verfügbar bis 24.09.2022


Trainerwechsel in der Handball-Bundesliga

Trainerwechsel: MT Melsungen ist am Olympia-Überraschungs-Coach dran

Von Florian Naß und Ron Ulrich

Nach nur drei Spielen trennte sich Handball-Bundesligist MT Melsungen von Gudmundur Gudmundsson. Zwischen Trainer und Team gab es deutliche Risse. Der gehandelte Nachfolger lehrte schon den Melsunger Nationalspielern das Fürchten.

Am 15. Juli legte die MT Melsungen eine schonungslose Analyse der vergangenen Saison vor. Aufsichtsratschefin Barbara Braun-Lüdicke, Vorstand Axel Geerken und Trainer Gudmundur Gudmundsson zählten in einer Mitteilung auf: Die Breite des Kaders wurde nur selten genutzt, die MT hat zu wenig Teamspirit gezeigt. Aus diesen Fehlern wolle man für die kommende Saison lernen, hieß es.

Nach nur drei Spielen folgte jedoch bereits der nächste Kassensturz – mit der Konsequenz, dass Gudmundsson gehen musste. Nachfolger soll der Spanier Roberto Garcia Parrondo werden. Nach hr-sport-Informationen soll der neue Mann bereits am Montag vorgestellt werden. Auch ägyptische Handball-Portale, die HNA und die Seite Handball-Leaks berichten von Parrondos anstehendem Engagement in Melsungen. Doch wie kam dieser Personalwechsel so schnell zustande?

Kritik aus dem Team: Nicht den ganzen Kader mitgenommen

Fest steht: Nach der ernüchternden Heimpleite vor gut einer Woche gegen die Füchse Berlin sahen sich die Melsunger zum Handeln gezwungen. Aus dem Team bekamen die Verantwortlichen das deutliche Signal für ein Ende der Zusammenarbeit mit Gudmundsson. In der offiziellen Mitteilung äußerte Geerken, dass "Mannschaft und Trainer nicht wie erhofft zueinander gefunden haben". Gerade der Umgang mit den Ersatzspielern stieß den Akteuren auf.

Gudmundsson bemängelte immer wieder die fehlende Qualität in der Breite und schickte deswegen meist das gleiche Personal auf die Platte. Während Leistungsträger dabei zusehends ausgepowert und überspielt wirkten, fühlten sich die nicht berücksichtigten Spieler außen vor. Ein Beispiel war Rückraumspieler Lasse Mikkelsen, der aufgrund mangelnder Einsatzzeiten in der vergangenen Saison nicht an seine Top-Quoten heranreichen konnte. Auch Ole Pregler, Stefan Salger oder selbst MT-Urgestein Felix Danner sahen wenig Perspektive und verließen den Klub im Sommer.

Verlorenes Endspiel als Gipfel der Spannungen

Die Probleme sollen intern angesprochen worden sein, doch ließ der Coach wohl die nötige Einsicht oder Kritikfähigkeit im Umgang mit dem Team vermissen. Das angespannte Verhältnis gipfelte im Pokalendspiel, als sich Melsungen dem TBV Lemgo Lippe fast schon ergab. Torwart Silvio Heinevetter sagte nach der Partie: "15 Minuten vor Schluss war der Sieg für Lemgo schon klar. Sie haben alles besser gemacht als wir."

Kastening und Gudmundsson: "Wir haben die Chance einfach weggeworfen" 05:35 Min. Verfügbar bis 24.09.2022

Extern und intern drängte sich beim Finale der Eindruck auf, dass die Lemgoer besser auf ihren Gegner vorbereitet waren. Trainer Gudmundsson allerdings wiederholte gegenüber dem hr-sport nach dem Finale: "Die Breite des Kaders fehlt uns. Wir haben keine Alternativen."

Am Sonntag ist der Co-Trainer noch der Chef

Jene Alternativen stellte die MT mit Gudmundssons Landsleuten Elvar Örn Jonsson und Alexander Petersson für den Rückraum bereit, doch die MT trat sowohl in der Vorbereitung als auch beim Saisonstart nicht besser auf als zuvor. Nach dem Remis in Lemgo zu Beginn setzte es zwei deutliche Heimniederlagen gegen Kiel und die Füchse. Die Gegner waren zwar hochklassig, allerdings fiel die MT-Mannschaft wie schon in der vergangenen Saison zu schnell auseinander. Genau dies sollte nach der großen Analyse des Klubs eigentlich nicht mehr vorkommen – ebenso wie die hohe Anzahl an Gegentreffern. Nach drei Spielen fing sich die MT allerdings die meisten in der gesamten Liga.

Am Montag kam dann die Bestätigung des Klubs: "MT beurlaubt Gudmundsson". Nun steht wohl fest: Die Hessen haben relativ schnell einen Nachfolger gefunden. Zwar betreut am Sonntag beim Spiel gegen TuS N-Lübbecke (16:00 Uhr) noch Co-Trainer Arjan Haenen das Team, doch danach soll Roberto Garcia Parrondo übernehmen.

Parrondo warf Deutschland aus dem Turnier

Der 41-Jährige kann Meriten im internationalen Handball vorweisen: Mit Vardar Skopje gewann er 2019 die Champions League, zuletzt trainierte er die ägyptische Nationalmannschaft. Pikant: Bei den Olympischen Spielen warf Parrondo mit seiner Mannschaft die Deutschen im Viertelfinale raus, darunter vier Melsunger Nationalspieler.

Ägypten wurde am Ende Vierter; damit war Parrondos Auswahl erst das zweite nicht-europäische Team in einem olympischen Halbfinale. Melsungen holt also einen Trainer mit einer imposanten Visitenkarte – doch das galt auch schon für Gudmundsson.

HR | Stand: 24.09.2021, 18:58

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