Tränen nach Zieleinfahrt: John Degenkolbs bittersüßer zweiter Platz in Frankfurt

Degenkolb:"Das war ein purer Kampf" 04:02 Min. Verfügbar bis 20.09.2022

Tränen nach Zieleinfahrt in Frankfurt

Tränen nach Zieleinfahrt: John Degenkolbs bittersüßer zweiter Platz in Frankfurt

Radstar John Degenkolb verpasst beim Frankfurter Radklassiker knapp den Heimsieg. Kurz nach dem Rennen wird es emotional.

Und dann, nach 187 Kilometern, wurde es emotional. Über die Absperrung hinter der Zieleinfahrt des Frankfurter Radklassikers hinweg nahm John Degenkolb seine Mutter in den Arm, drückte sie ganz fest an sich, den Helm noch auf dem Kopf. Auch Degenkolbs Frau kam dazu, im Kreise seiner Liebsten suchte der Radstar aus Oberursel Halt, wo kein Halten mehr war. Und weinte die bitteren Tränen des Zweitplatzierten.

"Ich bin Rennfahrer durch und durch", sagte Degenkolb wenig später dem hr-Sport, als er sich wieder gefangen hatte. "Wenn man so nah dran ist, sein Heimrennen nach zehn Jahren wieder zu gewinnen, ist es auch gerechtfertigt, eine Träne zu verdrücken. Ich habe mich sehr gefreut, meine Mama in den Arm zu nehmen. Ich habe das sehr genossen."

Sehr viel knapper kann man nicht verlieren

Zehn Jahre sind nicht viel Zeit, in einer Radfahrerkarriere aber mehr als ein halbes Leben. 2011 gewann Degenkolb sein Heimspiel zwischen Frankfurt und Eschborn zuletzt, seither ist aus dem aufstrebenden 22-Jährigen ein 32-jähriger, hochdekorierter Routinier geworden, und aus einer Laufbahn mit Perspektive ein Karriereherbst.

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Man ahnt es: Der zweite Platz ist auch deshalb so schmerzhaft, weil sich an diesem Sonntag in Frankfurt ein Kreis hätte schließen, Degenkolb sich den Karriereherbst mit einem Heimsieg hätte vergolden können. Den Zielsprint führte er an, bis sich auf der Zielgeraden Jasper Philipsen aus Degenkolbs Windschatten löste und vorbeizog. Sehr viel knapper kann man nicht verlieren.

"Das ist aller Ehren wert"

Umso verständlicher die emotionale Reaktion. Wenngleich Degenkolb nicht lange brauchte, um seinen zweiten Platz nicht mehr nur als ersten Verlierer zu verstehen, sondern als das, was es letztlich war: Eine sehr gute Leistung in einem harten Rennen. Entsprechend sagte auch Degenkolb, als die Tränen getrocknet waren: "Ich bin mega happy, hier Zweiter geworden zu sein. Auch wenn es im ersten Moment nicht so aussah. Allen bewiesen zu haben, dass man es noch kann, ist aller Ehren wert."

Und so ist nach dem zweiten Platz bei Eschborn-Frankfurt vor der Straßenrad-WM in Flandern. Dort hofft Degenkolb auf eine wichtige Rolle, will für das WM-Straßenrennen am kommenden Sonntag "Kraft, Power und Erfahrung" einfließen lassen und für das Team "von Vorteil sein". Das Regenbogentrikot des Weltmeisters fehlt Degenkolb übrigens noch. Es würde den zweiten Platz in Frankfurt sicher vergessen lassen.

HR | Stand: 20.09.2021, 16:18

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