Torsten Lieberknecht von Darmstadt 98: "Wir müssen direkt brennen"

Lieberknecht : "Lasst uns einfach mal beginnen"

00:48 Min. Verfügbar bis 22.07.2022


Lilien-Trainer im Interview

Torsten Lieberknecht von Darmstadt 98: "Wir müssen direkt brennen"

Torsten Lieberknecht steht vor seiner ersten Saison beim SV Darmstadt 98. Im Interview mit dem hr-sport zieht der neue Trainer der Lilien eine erste Bilanz der Vorbereitung.

Am Samstag (13.30 Uhr) wird es endlich wieder ernst für den SV Darmstadt 98. Dann steht das erste Saisonspiel gegen Jahn Regensburg an. Trainer Torsten Lieberknecht hat sich kurz vorher ein wenig Zeit für den hr-sport genommen. Herausgekommen ist ein großes, zweiteiliges Interview. Im ersten Teil geht es um die Saisonvorbereitung, die Rückkehr der Fans ins Stadion und die Transfers.

hessenschau.de: Torsten Lieberknecht, auf Ihrem Weg zu den Vertragsgesprächen in Darmstadt sind Sie zwei Mal geblitzt worden. Ist die Post schon angekommen?

Torsten Lieberknecht: Ja, die Post ist angekommen. Ich wollte gleich in Darmstadt Punkte holen, aber eigentlich nur auf dem Rasen (lacht). Mit der Post kamen jetzt auch keine Punkte, aber ich war eben zu schnell, weil ich den Job unbedingt wollte. Als ich hier unterschrieben habe, habe ich all meinen Familienmitgliedern gleich die Lilien-Hymne geschickt, damit sie wussten: Es ist so weit, Torsten ist Trainer bei den Lilien!

hessenschau.de: Sie haben eine besondere Vorliebe für das Lied. Stimmt es, dass sie es sogar als Trainer von Eintracht Braunschweig in der Kabine haben spielen lassen?

Lieberknecht: Das ist wahr. Für mich gehört zur Spielvorbereitung, den Jungs zu zeigen: Auf welchen Gegner treffen wir? Was macht den Verein so besonders? Welche Stimmung erwartet uns? Warum wird es so emotional? Also habe ich die Hymne abgespielt. Das kam mir aber zupass, weil ich sie auf diese Art auch wieder hören konnte. Ich mochte das Lied schon immer.

hessenschau.de: Es heißt, dass Sie hier schon nach wenigen Wochen das für den Klub so wichtige Gemeinschaftsgefühl hergestellt haben. Wie schafft man das in so kurzer Zeit?

Lieberknecht: Die Leute, die schon hier waren, haben es mir einfach gemacht. Die Gemeinschaft ist ein ganz wichtiger Teil dieses Klubs, schon unter meinen Vorgängern wurde das gelebt, insbesondere unter Dirk Schuster. Wir haben das Motto direkt gelebt und übernommen. Genauso wichtig wie die Taktik oder ähnliches ist das Gemeinschaftsgefühl: Keiner ist größer als der Verein.

hessenschau.de: Wie liefen Ihre ersten Gespräche mit den Anhängern in der Stadt?

Lieberknecht: Ich habe schon viele Gespräche mit Fans führen dürfen – und ich ziehe auch aus diesen Small Talks enorm viel Energie. Bei vielen ist die Lust spürbar, endlich wieder ihren Verein hautnah zu erleben und sehen zu dürfen. Es gibt Vollblutfans, die sehr hohe Ziele haben, und es gibt natürlich auch Skeptiker – diese ganze Bandbreite ist normal bei Vereinen, die den Fans so viel bedeuten.

Lieberknecht: "Ich ziehe viel Energie aus den Gesprächen mit den Fans"

00:15 Min. Verfügbar bis 22.07.2022


hessenschau.de: Am Samstag spielen die Lilien wieder vor fast 5.000 Zuschauern. Welche Bedeutung hat die Fanrückkehr für Sie?

Lieberknecht: Die Vorfreude ist riesengroß, gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, in welcher Zeit wir noch immer leben. Es ist wichtig, die Regularien zu beachten, damit auch alle sicher und gesund bleiben. Die vollen Stadien bei der EM haben wir schon mit gemischten Gefühlen verfolgt. Aber klar: Wir alle lechzen danach, wieder vor vollen Rängen zu spielen. Ich freue mich auf die Hymne und bekomme bei dem Gedanken daran schon Gänsehaut.

hessenschau.de: Wie fällt Ihre Bilanz der Vorbereitung aus?

Lieberknecht: Wir hatten einige Erschwernisse, mussten etwa das Trainingslager aufgrund der Verletzungen verschieben - und der Transfermarkt gestaltete sich anfangs schwierig. Und ganz aktuell haben wir leider drei Corona-Fälle. Wir mussten also von Tag zu Tag neu überlegen, wie wir das Training angehen oder die Belastung steuern. Unter diesen Voraussetzungen war es eine mehr als zufriedenstellende Vorbereitung. Wir werden in der Saison noch einige Spiele brauchen, um voll da zu sein, deswegen spielt gerade in diesen ersten Partien die Leidenschaft eine große Rolle. Wir müssen direkt brennen.

hessenschau.de: Mit den Abgängen von Serdar Dursun, Immanuel Höhn, Victor Palsson oder Nicolai Rapp ist dem Team eine komplette Achse weggebrochen. Wie wollen Sie das auffangen?

Lieberknecht: Ich sehe das als Herausforderung und Chance für die Neuzugänge sowie die Jungs, die geblieben sind. Mir ist nicht angst und bange, dass wir die Weggänge nicht auffangen könnten. Mit Lasse Sobiech haben wir einen erfahrenen Mann dazu gewonnen, um den sich eine Achse bilden kann. Wenn jemand wie Serdar Dursun 27 Tore schießt, ist es nun einmal schwierig, ihn zu halten. Wir wollen die Torausbeute nun auf mehrere Schultern verteilen.

hessenschau.de: Im Sturm kamen Phillip Tietz und Luca Pfeiffer erst abwechselnd, nun zusammen zum Einsatz.

Lieberknecht: Gerade im letzten Test war es wichtig, dass sie sich zusammen Erfolgserlebnisse holen. Beide haben in der Vorbereitung getroffen, aber auch andere wie Fabian Holland, Fabian Schnellhardt oder Mathias Honsak. Ich habe Phillip und Luca auch klar gesagt, dass sie keine Last verspüren sollen, an Dursuns Marke gemessen zu werden. Das werden sie von uns intern nicht – und die Fans, die ich getroffen habe, sehen das ähnlich.

hessenschau.de: Honsak haben Sie angesprochen. Er lieferte eine starke Rückrunde und scheint nun auch wieder in Form zu sein. Wie haben Sie es geschafft, dass er das Niveau hält?

Lieberknecht: Wir hatten zunächst das Problem, dass er sich im zweiten Training die Bänder gerissen hat. Da haben die medizinische Abteilung und auch er selbst einen extrem guten Job gemacht. Wir hatten ursprünglich nicht damit gerechnet, dass er jetzt schon wieder zur Verfügung steht. Er hat bereits gezeigt, was ihn ausmacht: Geschwindigkeit, seine körperliche Präsenz, die tiefen Läufe. Mathias hat nun eine Punktlandung für den Start geschafft, aber wir dürfen bei der Bewertung auch nicht vergessen, dass er in der Vorbereitung einige Zeit gefehlt hat.

Das Interview führten Ron Ulrich und Christian Adolph.

HR | Stand: 22.07.2021, 16:11

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