Felix Danner von der HSG Wetzlar

Handball | Bundesliga HBL: Hessen-Derby als letzte Europa-Hoffnung

Stand: 07.06.2022 12:53 Uhr

Die arg gebeutelte HSG Wetzlar hat noch immer eine Chance auf Europa, muss nun aber das Bundesliga-Derby bei der MT Melsungen gewinnen. HSG-Coach Ben Matschke setzt auf das kleine Handball-Einmaleins.

Es war die letzte Aktion des Abschlusstrainings am vergangenen Freitag, als für die HSG Wetzlar vorübergehend die Welt unterging. Torjäger Stefan Cavor, der wohl wichtigste Spieler in der Offensive der Mittelhessen, ging zu Boden und hielt sich das Knie. Die bittere Diagnose wenig später: Kreuzbandriss und mehrere Monate Pause. Die Folgen für die HSG: ein jähes Ende der Euphorie und ein konsternierter Trainer Ben Matschke: "Europa war seitdem weg von der Zielsetzung."

Im Derby geht's um alles

Die HSG, die nur einen Tag zuvor den Ausfall von Nationaltorhüter Till Klimpke verkraften musste, fährt im Saisonendspurt auf der Felge und verspielte – fast schon folgerichtig – am Samstag auch noch Platz sechs. "Was die Mannschaft durchmacht, das ist nicht einfach", fasste Matschke die Gemütslage des Tabellen-Siebten der Handball-Bundesliga zusammen. Noch, und auch das gehört zur ganzen Wahrheit dazu, ist die Chance auf Europa aber da.

Damit das so bleibt, müssen die Wetzlarer am Mittwoch (08.06.2022) in der Kasseler Rothenbachhalle gegen die MT Melsungen gewinnen. Ein Hessen-Derby als letzte Europa-Hoffnung. Viel mehr geht nicht.

Wetzlar braucht einen Patzer von Lemgo

"Wir müssen jetzt irgendwie den Kopf freibekommen", gab Matschke die Marschrichtung vor. Offiziell haben die Mittelhessen den Traum von der European League zwar abgehakt. Jetzt schon aufzugeben, wäre definitiv aber die falsche Herangehensweise. "Ich möchte die letzten beiden Spiele gewinnen. Wenn es dann noch der sechste Platz werden sollte, wäre das natürlich schön", ließ Kreisläufer Felix Danner, der insgesamt zwölf Jahre das MT-Trikot getragen hatte und nun erstmals mit Wetzlar zu seinem Ex-Verein zurückkehrt, das berühmte Hintertürchen offen.

Doch was muss passieren, damit die HSG die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb doch noch schafft? Voraussetzung Nummer eins: Der TBV Lemgo, aktuell mit einem Zähler Vorsprung auf Wetzlar Sechster, muss stolpern und entweder gegen Göppingen oder den HSV Punkte liegenlassen. Voraussetzung zwei: Das Team von Trainer Matschke muss die (vermeintlich) einfachen Dinge des Handballs wieder richtig machen: Chancen verwerten, technische Fehler minimieren.

Auch Melsungen hofft noch

"Wir müssen nicht über Taktik reden, wenn wir es nicht schaffen, die freien Chancen zu nutzen", haderte Matschke nach der Heim-Pleite gegen Leipzig. Die HSG, die von 3.297 Fans frenetisch nach vorne gepeitscht wurde, ließ gegen die Sachsen zu viele klare Möglichkeiten ungenutzt und leistete sich zudem immer wieder Konzentrationsschwächen. "Wir hatten neun technische Fehler. Gepaart mit 20 Fehlwürfen", so Matschke. "So gewinnst du kein Spiel." Heißt: Die HSG muss über das kleine Handball-Einmaleins die große Chance auf Europa wahren.

Und der Gegner aus Melsungen? Auch die Nordhessen, das sollte nicht unerwähnt bleiben, könnten sich theoretisch noch die Teilnahme-Berechtigung am internationalen Geschäft sichern. Die Ausgangslage ist als Tabellen-Neunter mit drei Punkten Rückstand auf Lemgo zwar deutlich schlechter. Da die MT zudem beim letzten Heimspiel einige Akteure verabschieden wird und sicher nicht mit einer Derby-Niederlage in die Sommerpause gehen will, sind auch bei den Gastgebern Emotionen garantiert. Es steckt also viel drin in diesem Derby.