Klassenerhalt durch die Hintertür? Hoffnung für Gießen 46ers

46ers-Geschäftsführer Dehler: "Müssen sehen, ob sich das rechnet"

00:39 Min. Verfügbar bis 11.05.2022


Gießen könnte von Wildcard profitieren

Klassenerhalt durch die Hintertür? Hoffnung für Gießen 46ers

Obwohl die Gießen 46ers sportlich aus der Basketball-Bundesliga abgestiegen sind, könnten sie erstklassig bleiben. Wie das geht? Mit einer Wildcard. Wo ist der Haken? Diese Wildcard ist richtig teuer – und es gibt Konkurrenz.

Die Gießen 46ers befinden sich auch zwei Tage nach dem sportlichen Abstieg aus der Basketball-Bundesliga in einem Schwebezustand. Zur Enttäuschung über das verpasste Wunder und den verpassten Klassenerhalt gesellt sich die leise Hoffnung auf ein Happy End. Denn obwohl die Mittelhessen laut Tabelle den Gang in die zweitklassige ProA antreten müssten, ist dieses Schicksal noch nicht endgültig besiegelt. Das Zünglein an der Abstiegs-Waage ist eine mögliche Wildcard. Also ein erkaufter Startplatz in der BBL.

Leverkusen macht Platz frei

Wie das möglich ist? Da der sportliche Aufsteiger Bayer Leverkusen keine Lizenz für die Bundesliga beantragt hat, könnte das Spielrecht an einen interessierten Verein übertragen werden. Erster Ansprechpartner: der bestplatzierte Absteiger, also die Gießen 46ers. "Es gibt Diskussionen um eine Wildcard", bestätigte Gießens Geschäftsführer Stephan Dehler dem hr. Auf einem Liga-Meeting am Donnerstag sollen die Rahmenbedingungen geklärt werden. Dann könnten sich potenzielle Nachrücker bewerben.

Noch ist es laut der BBL zwar nicht 100 Prozent sicher, dass es tatsächlich eine Wildcard geben wird. Da sich die restlichen Clubs aber bereits für die Beibehaltung der Ligastärke von insgesamt 18 Teilnehmern starkgemacht haben sollen, wird es wohl so kommen. Können die 46ers die Champagner-Flaschen also schon kaltstellen und eine coronakonforme Nicht-Abstiegsfeier planen? So leicht ist es dann auch nicht.

Wildcard kostet 700.000 Euro

Der erste Haken: Laut der aktuellen BBL-Statuten, in denen das Wildcard-Verfahren genau geregelt ist, kostet diese Art der erkauften Spielberechtigung aktuell 700.000 Euro. Eine ordentliche Summe, die die Gießener nach einer kompletten Saison ohne Zuschauer und angesichts der weiterhin spürbaren Pandemie-Auswirkungen gerade nicht auf der hohen Kante haben. "Das zahlen wir nicht aus der Portokasse", unterstrich auch Dehler, der deshalb auf einen Preisnachlass hofft. "In diesen Zeiten ist das von keinem Club zu stemmen."

Genau an dieser Stelle kommen jedoch Haken Nummer zwei und Mit-Absteiger Rasta Vechta ins Spiel. Die Niedersachsen, die die Saison als Tabellenschlusslicht abschließen werden, haben bereits großes Interesse an der Wildcard signalisiert. "Ohne Corona hätte ich gesagt: Wir sind Letzter, wir steigen ab. Aber mit Corona ist es eine ganz andere Situation", brachte sich Vechtas Klubchef Stefan Niemeyer bei OM Medien schon einmal in Stellung. Klare Ansage: Vechta will erstklassig bleiben. Von finanziellen Bedenken keine Spur.

46ers erwägen Umweg über 2. Liga

Während die Basketballer aus Vechta also voll auf Offensive setzen, steht die Gießener Taktik eher im Zeichen einer stabilen Defense. Emotionalität dort, Rationalität hier. "Wir müssen das nüchtern betrachten und uns überlegen, ob sich das rechnet", so Dehler. Heißt: Die 46ers werden finanziell keine riesigen Sprünge machen, wenn die Gefahr des Auf-die-Schnauze-Fallens zu groß ist. Der erkaufte Klassenerhalt ist das eine, die Zusammenstellung eines künftig konkurrenzfähigen Kaders das andere.

Wie schwer das ist, zeigte sich nicht zuletzt beim entscheidenden Spiel in Bamberg, als die 46ers mit gerade einmal sieben Profis angereist waren. "Vielleicht ergibt es deshalb auch Sinn, den Umweg über die ProA zu gehen und sich neu aufzustellen", so Dehler. "So schlimm ist das auch nicht." Das letzte Wort in Sachen Abstieg oder Klassenerhalt ist noch nicht gesprochen.

Sendung: hr1, 06.05.21, 11 Uhr

HR | Stand: 06.05.2021, 08:14

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