Kaum Lockerungen in Sicht - Austrittswelle bei Sportvereinen

Sportvereine müssen noch warten 02:50 Min. Verfügbar bis 01.03.2022

Mitgliederschwund durch Corona

Kaum Lockerungen in Sicht - Austrittswelle bei Sportvereinen

An Sport in größeren Gruppen ist nach den aktuellen Lockerungsplänen der Landesregierung frühestens nach den Osterferien zu denken. Eine weitere Hiobsbotschaft für Vereine, denen die Mitglieder seit Monaten teils in Scharen weglaufen – mit einer Ausnahme.

Wer sich derzeit für eines der über 100 Sportangebote der FTG Frankfurt interessiert, wird bereits bei einem Besuch der Homepage in seinem Eifer ausgebremst. "Wir müssen Ihnen zu unserem Bedauern mitteilen, dass der Sportbetrieb in unserem Verein weiterhin komplett eingestellt bleiben muss", heißt es dort zur Begrüßung. Kein Yoga, kein Basketball, kein Spinning - und daran dürfte sich auch so schnell nichts ändern.​​​​​​​

Mannschaftssport frühestens Mitte April

In dem am Donnerstag von der hessischen Landesregierung vorgestellten Vier-Stufenplan für mögliche Corona-Lockerungen, mit dem Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kommende Woche beim Bund-Länder-Treffen um allgemeine Zustimmung werben will, gilt der Freizeit- und Amateursport auch weiterhin als kritische Pandemie-Komponente.

"Das ist im Moment noch sehr schwierig. Die Sportanlagen werden zwar wieder geöffnet, aber nur unter den bekannten Hygiene-, Abstands- und Kontaktregeln", so Bouffier. Heißt konkret: Kommt es zur geplanten leichten Lockerung der Kontaktbeschränkungen, dürfen vermutlich ab dem 8. März maximal fünf Personen aus zwei Haushalten gemeinsam Sport treiben. Inwiefern Kinder unter 14 Jahren unter diese Einschränkungen fallen, ist derzeit noch unklar. Fitnessstudios sollen mit individuellen Terminen wieder besucht werden dürfen.

Sportvereine in der Krise 00:54 Min. Verfügbar bis 25.02.2022

Für Fußball-Teams oder größere Fitnesskurse dauert die Wartezeit dagegen noch um einiges länger. Erst in Lockerungsstufe 3, die bei einem guten Pandemie-Verlauf für "gegebenenfalls nach den Osterferien" in Aussicht gestellt wird, ist eine Zulassung von Mannschaftssport angedacht. Das wäre frühestens der 19. April. Dann sollen auch Schwimmbäder für Trainings- oder Freizeitmöglichkeiten wieder öffnen.

Kinder und Jugendliche kündigen Mitgliedschaft

Für Vereine wie die FTG Frankfurt sind die zaghaften Öffnungsschritte ein weiterer Rückschlag, der auch finanziell immer mehr zur Belastung wird. "Unsere Mitgliederzahl ist um 20 Prozent zurückgegangen - von rund 10.000 auf jetzt knapp 8.000", berichtet FTG-Geschäftsführer Holger Wessendorf. Bei einem Mitgliedsbeitrag zwischen 10 und 15 Euro summiert sich der Verlust auf rund 25.000 Euro pro Monat. "Das ist schon eine Folge der Corona-Pandemie und der Lockdowns", so Wessendorf. Wann und ob die Mitglieder zurückkehren werden, ist ungewiss.

Auch beim Landessportbund (lsb) ist man aufgrund der schwindenden Vereinsmitglieder besorgt. "Hier haben wir, wenn die Pandemie zu Ende ist, sehr viel Arbeit, die Mitglieder neu zu gewinnen und auch die verlorengegangene Motivation bei jungen Sportlern wieder aufzubauen", sagt Verbandspräsident Rolf Müller. Denn ein Schwund ist laut lsb vor allem bei jüngeren Aktiven zu beobachten. In der Altersklasse bis 18 Jahren kehrte in den vergangenen Monaten fast jeder Sechste seinem Verein den Rücken. Etwas treuer erwiesen sich die Älteren, berichtet Müller, so dass das Minus bislang insgesamt nicht so drastisch ausgefallen sei.

Tennisclubs unter den Gewinnern

Stärker betroffen von der Austrittswelle seien zudem die großen, breit aufgestellten Sportclubs. "Wir haben in kleineren, familiäreren Vereinen nur einen Schwund von etwa drei Prozent", so Müller, der dennoch angesichts des wegfallenden Nachwuchses Alarm schlägt: "Das schmerzt uns sehr. Insgesamt ist das für die Zukunft eine sehr bedrohliche Situation."

Doch wie in jeder Krise gibt es auch unter den Sportvereinen Gewinner. Konkret sind das in Hessen die Tennisclubs: Anders als in zahlreichen Bundesländern ist hier das Tennisspielen bis heute im Freien und auch in der Halle unter Einschränkungen erlaubt. Die Folge ist ein ungeahnter Boom der in den vergangenen Jahrzehnten eher darbenden Sportart. 20 Prozent neue Mitglieder verbuchte etwa der Tennis- und Hockeyclub SAFO Frankfurt im vergangenen Jahr.

"Wir haben eine sehr, sehr hohe Quote an Wiedereinsteigern - an Leuten, die früher mal gespielt haben und jetzt länger nicht", erklärt Clubmanager Jens Helfferich. Den Corona-Maßnahmen sei Dank. Auf ähnliche Perspektiven hoffen auch die restlichen hessischen Sportvereine. Der neue Vier-Stufenplan der Landesregierung sorgt dabei aber für wenig Aufbruchsstimmung

Sendung: hessenschau, hr-fernsehen, 25.02.2021, 19.30 Uhr

HR | Stand: 25.02.2021, 20:54

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