Eintracht-Fans sauer: Ansturm auf Fenerbahçe-Tickets lässt System abstürzen

Eintracht-Fans sind sauer wegen anhaltender Ticket-Probleme

01:58 Min. Verfügbar bis 14.09.2022


Eintracht-Fans sind sauer

Eintracht-Fans sauer: Ansturm auf Fenerbahçe-Tickets lässt System abstürzen

Von Carsten Schellhorn

Eintracht Frankfurt hat Probleme und das nicht nur auf dem Platz, sondern auch beim Online-Verkauf der Tickets. Das hat viele Fans in den vergangenen Tagen auf die Palme gebracht.

Ein Donnerstag im September wird Eintracht-Fan Thomas Wunderlich aus Maintal/Bischofsheim noch lange in Erinnerung bleiben. Nein, nicht wegen eines besonders spektakulären Sieges seiner Lieblingsmannschaft, auch nicht wegen einer bitteren Niederlage, sondern weil er 160 Mal beim Ticket-Center der Frankfurter anrief. Obwohl er Dauerkartenbesitzer ist, war er für das Spiel gegen den VfB Stuttgart leer ausgegangen. Als Wunderlich endlich jemanden bei der Eintracht erreichte, stellte sich heraus, dass seine bestehende Dauerkarte fehlerhaft nicht im Ticket-System hinterlegt war.

"Am Ende des Tages war mein kompletter Ticket-Account abgestürzt, mit Impfnachweis, Dauerkarte und Mitgliedsausweis", sagt Wunderlich. Mit dem Ergebnis, dass er gar nicht mehr an Karten kam. Was Wunderlich nicht wusste: Das System der Eintracht war am Donnerstag für knapp vier Stunden nicht erreichbar. Der immense Ansturm auf die Europa-League-Tickets gegen Fenerbahçe Istanbul hatte einen externen Server-Ausfall des neuen, Eintracht-eigenen Portals zur Folge gehabt. Nichts ging mehr.

Ähnlich sah es teilweise am Sonntag an den Stadion-Eingängen zum Spiel gegen Stuttgart aus. Bei zahlreichen Fans stürzte die Eintracht-App, bei der die Eintrittskarte hinterlegt ist, vor den Toren des Stadions ab. "Wir wurden vom System automatisch ausgeloggt", schildert Jürgen Klugmann aus Raunheim. Somit war der Zugang zum Stadion zeitweise versperrt. Bis zu einer halben Stunde soll das teilweise gedauert haben.

Karten-Wirr-Warr bei der Eintracht

Während zahlreiche Fans in den vergangenen Wochen gar keine Probleme hatten, an Eintrittskarten zu kommen, berichten viele andere über zahlreiche Schwierigkeiten. Dazu gehört auch Dennis Abraham aus Frankfurt, der mit seinen Kumpels seit Jahren im 39er Fanblock die Spiele verfolgt. "Immer wieder stürzte das System vor oder während des Bezahlvorganges ab, sowohl beim Kauf von Tickets für das Fenerbahçe als auch das Stuttgarts-Spiel."

Die Fans werden aktuell für jedes Spiel von der Eintracht angeschrieben, um an der Verlosung der 25.000 Eintrittskarten teilzunehmen. Ganz reibungslos scheint das aber auch nicht zu funktionieren. Diese Erfahrung hat Marko Wehner aus Hünfeld gemacht: "Ich bekam sowohl für das Stuttgart- als auch das Istanbul-Spiel eine E-Mail, die mich als Verlosungs-Gewinner ausrief. Als ich die Karten dann bestellen wollte, ging das - trotz mehrfacher Versuche - jedoch nicht". Wehner bekam durchweg die Nachricht "Keine Tickets verfügbar". Frustrierend.

Die Eintracht entschuldigte sich am Ende vergangener Woche bei Mitgliedern und Dauerkartenbesitzern zumindest für den stundenlangen System-Lockdown am Donnerstag. Das Fehlerbild beim abgestürzten Server habe sich im Minutentakt geändert. Die Arbeiten daran, dass System stabiler zu machen, laufen, hieß es auf Anfrage des hr-sport. Noch ist das neue Online-Karten-Center nicht für einen Mega-Ansturm wie dem auf die Fenerbahçe-Tickets gerüstet.

Corona erschwert Ticket-Steuerung

Doch der Fehler liegt nicht nur im System, auch die Folgen der Pandemie spielen mit hinein. Vor Corona war es für die Eintracht-Fans möglich, Eintrittskarten für Spiele zu ordern, die erst in zwei, drei oder vier Monaten stattfinden. So wurde der Ticketansturm verteilt. Das ist zu Pandemie-Zeiten nicht mehr möglich. Die Eintracht bekommt jeweils erst wenige Tage vor einem Heimspiel die Informationen vom Frankfurter Gesundheitsamt, wie viele Fans ins Stadion dürfen. Erst danach kann der Kartenvorverkauf beginnen.

Die Verkaufsphase für ein Bundesliga- oder Europa-League-Spiel ist dementsprechend verkürzt - aktuell sind das durchschnittlich laut Eintracht nur vier Tage. Und auch die Hotline kommt da an ihre Grenzen. Zu viele Anfragen. Wer endlich durchkommt, ist dann oft auch nicht wirklich glücklich. "Ich bekam auf Nachfrage schnell eine patzige Antwort" oder "Die Hotline war nicht wirklich gut informiert, echte Hilfe bekam ich bis heute nicht", waren nur zwei von zahlreichen Beschwerden.

Karten-Chaos könnten noch weitergehen

Viele Eintracht-Fans haben nun die Angst, dass ihnen das Karten-Chaos die ganze Saison verhageln könnte. Keine Chance auf ein Ticket, für Christoph Jäger aus Weinheim ein Horror-Szenario. Auch bei Jäger wurde die Dauerkarte nicht mehr dem neuem Eintracht-Ticket-Account zugeordnet. "Auch unzählige E-Mails, Anrufe und Problemschilderungen haben daran nichts geändert. Damit bekomme ich keine Karten mehr." Das schlimmste sei die Machtlosigkeit, so Jäger.

Eintracht-Fans gegen Augsburg

Das Ticketsystem ist für die Eintracht durch die Pandemie wesentlich komplizierter geworden. Normalerweise sind die 31.000 Tickets der Dauerkartenbesitzer für jedes Spiel schon weg, lediglich 20.500 Tickets gehen in den freien Verkauf. Das war bei den Bundesligaspielen gegen Augsburg und Stuttgart anders. Wegen der Hygiene-Regeln wurden die 25.000 Plätze im Stadion verteilt. Die Folge: Praktisch niemand behält seinen teilweise jahrelang angestammten Platz im Stadion, alles wird neu organisiert.

Eintracht Frankfurt Digital begeistert nicht alle

Für sehr viele Fans hat der Kartenkauf über die neue digitale Plattform vieles grundsätzlich einfacher gemacht. Für einige, vor allem ältere Fans, sieht die Sache anders aus. Sie kommen mit dem digitalen Bewerbungsverfahren zu Zeiten von Corona oft nicht mehr klar. "Wenn der 68-jährige Vorsitzende eines Fanklubs die Ticket-Wünsche und den Geimpften-Status der Mitglieder dann per Excel-Tabelle einreichen soll, wird es schon mal eng", sagt Sebastian van der Muehl aus Frankfurt.

Für ihn sei es kein Wunder, dass ein großer Teil der Fanclubs und Dauerkarten-Besitzer ihr Kartenkontingent gar nicht oder nur teilweise abrufen. Das könnte auch erklären, warum beim Heimspiel gegen den FC Augsburg Ende August nur 22.000 statt der möglichen 25.000 Tickets verkauft worden waren. Zuletzt gegen den VfB Stuttgart war das Stadion dagegen mit 25.000 Fans "ausverkauft". Am Donnerstag beim Europa-League-Spiel gegen Fenerbahçe wird das ebenfalls so sein. 1.250 Tickets gingen offiziell an die Fans des türkischen Klubs.

HR | Stand: 14.09.2021, 10:53

Darstellung: