Eintracht Frankfurt: Entscheidung im Poker um Fredi Bobic naht

Adi Hütter (r.) und Fredi Bobic nach dem Spiel in Dortmund.

Entscheidung im Bobic-Poker naht

Eintracht Frankfurt: Entscheidung im Poker um Fredi Bobic naht

Die Eintracht und Fredi Bobic sollen vor einer Einigung stehen. Die gehandelten Christoph Freund und Hendrik Almstadt werden wohl nicht als Nachfolger kommen. Eine Chronik der Frankfurter Turbulenzen.

Die Saison entscheidet sich erst im Frühjahr - so lautet ein Sprichwort in der Branche. Dann nämlich geht es für die großen Klubs in die sogenannte "Crunch Time". Bei der Eintracht stimmt dies sowohl sportlich (mit den entscheidenden direkten Duellen um die Champions League) als auch personell.

In den Monaten von Februar bis Mai könnte sich nicht nur diese, sondern könnten sich auch die nächsten Spielzeiten entscheiden - wenn es zu Wechseln im Vorstand und auf der Trainerbank käme. Die Ereignisse haben sich jetzt schon überschlagen und für Aufregung in Frankfurt, Bern, Mönchengladbach sowie Mailand gesorgt.

Entscheidende Gespräche im Februar

Der Auslöser der Turbulenzen war wohl ein Gespräch zwischen Sportvorstand Fredi Bobic und Aufsichtsratchef Philip Holzer, das mehreren Quellen zufolge im Februar stattgefunden hat. Bobic soll Holzer dabei mitgeteilt haben, dass er vom Verein die Zusage für einen Weggang habe. Er berief sich demnach auf ein Gespräch mit Holzers Vorgänger Wolfgang Steubing. Aber auch, so ist es zu hören, auf eine Vereinbarung rund um die Vertragsverlängerung im Jahr 2018. Nur: Schriftlich wurde nichts dergleichen fixiert. Zudem soll Steubing eine Zusage intern dementiert haben. Die Eintracht-Verantwortlichen waren von Bobic' Plan überrascht. Man vertagte sich und vereinbarte Stillschweigen.

Ungefähr zur gleichen Zeit - Mitte Februar - gab Mönchengladbachs Trainer Marco Rose seinen Wechsel zu Borussia Dortmund bekannt. Bei der Suche nach einem Nachfolger soll es Berichten zufolge daraufhin zu einer Kontaktaufnahme zwischen Gladbachs Sportdirektor Max Eberl und Frankfurts Trainer Adi Hütter gekommen sein. Doch der Frankfurt-Coach gab sich offensichtlich da noch so entschlossen, bei der Eintracht zu bleiben, wie Ende Februar in aller Öffentlichkeit. Am 28. Februar sagte er bei "Sky": "Ich bleibe."

Hütters Vertraute sagen ab

Nur einen Tag später wurde aber bekannt, dass Bobic die Eintracht im Sommer verlassen wolle. Jene Sky-Meldung ärgerte Bobic, sodass er sich selbst nicht mehr an das Stillhalteabkommen gebunden fühlte und in der ARD offen von seinem Abschied im Sommer sprach. Trainer Hütter reagierte vier Tage später gereizt: "Wir sind Profis und haben unseren Job zu machen, dass wir uns dieses Thema vom Hals halten."

Doch auch Hütter betraf das Thema. Ein Vertrauter von ihm stand in jenen Tagen auf dem Zettel für die Bobic-Nachfolge: Christoph Spycher, ehemaliger Eintracht-Profi, der mit Hütter erfolgreich zusammen in Bern gearbeitet hatte. Doch am 5. März sagte Spycher in Bern: "Ich kann zu einhundert Prozent sagen, dass ich auch nächste Saison Sportchef der Young Boys sein werde." Nach Informationen der "Sport-Bild" sagte mit Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund auch ein anderer Vertrauter von Hütter der Eintracht ab. Beide hatten 2015 zusammen in Salzburg das Double geholt. Der "Wiesbadener Kurier" meldet hingegen, dass die Eintracht weder mit Freund noch mit dem ebenfalls gehandelten Bastian Schweinsteiger Kontakt aufgenommen habe.

Fünf Millionen Ablöse findet die Bobic-Seite unangebracht

Am 10. März gab die Eintracht nach einer Aufsichtsratsitzung bekannt, dass Holzer Verhandlungen über Bobic' Vertragsauflösung führen könne - "sollte ein Klub bei der Eintracht unmittelbar oder über Fredi Bobic mittelbar" sein Interesse bekunden.

Wohl um den 18. März sollen sich verschiedenen Berichten zufolge Gladbachs Eberl und die Hütter-Seite getroffen haben. Vier Tage später kursierten Meldungen, wonach Xabi Alonso bei der Borussia das Traineramt übernehme. Eberl bestätigte unlängst den Austausch mit dem Spanier, machte aber auch deutlich, dass Alonso nur einer von mehreren potenziellen Kandiaten gewesen sei. Am 26. März verlängerte Alonso seinen Vertrag bei Real Sociedad.

Bobic-Entscheidung in dieser Woche?

Bis zum 1. April wollte sich die Eintracht mit Bobic wohl über eine Vertragsauflösung einigen. Die "Sport-Bild" berichtete, dass der abwanderungswillige Funktionär die Ablöse selbst verhandele. Die Rede ist von einer Forderung der Frankfurter in Höhe von fünf Millionen Euro. Die veranschlagte Summe empfand die Bobic-Seite nach Informationen des hr-sport als unangemessen.

Als potenzielles Ziel für Bobic gilt Hertha BSC, ein Wechsel zu RB Leipzig oder zur DFL steht nach hr-sport-Informationen nicht zur Debatte. "Bild" meldet inzwischen, dass sich die Verhandlungen auf der Zielgeraden befänden und eine Entscheidung spätestens nach dem kommenden Wochenende fallen würde. Frankfurt will angeblich bei den Forderungen Abstriche machen.

Almstadt wohl kein Bobic-Nachfolger

Damit wäre eine erste Eintracht-Personalie geklärt. Noch offen wäre jedoch erstens die Zukunft von Trainer Adi Hütter. Auf erste Berichte über ein Engagement in Mönchengladbach reagierte Hütter zuletzt ausweichend.

Außerdem offen ist die Nachfolge von Bobic. Sowohl der "kicker" als auch "Bild" hatten dabei den Namen Hendrik Almstadt ins Spiel gebracht, der derzeit als Assistent der Geschäftsführung beim AC Mailand fungiert. Almstadt und Aufsichtsratchef Holzer kennen sich aus gemeinsamen Tagen in der Finanzbranche. Aus gut unterrichteten Kreisen ist allerdings zu hören, dass Almstadt weiter in Mailand arbeiten möchte und nicht zur Eintracht kommt.

So steht der Klub derzeit ohne Sportvorstand für die kommende Saison da; die Zukunft des Trainers erscheint mehr denn je offen. Diese Ungewissheit steht in krassem Gegensatz zum sportlichen Höhenflug. Für die positiven Schlagzeilen in Bezug auf die nahe Zukunft sorgt derzeit nur die Frankfurter Mannschaft selbst.

HR | Stand: 07.04.2021, 18:22

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